Meinung

Ein wenig Ruhe für die Bildung

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Von den „Duellen“ des Wahlkampfs war man ja schon Einiges gewohnt. Aber die Härte, mit der Konrad Paul Liessmann und Helmut Brandstätter unlängst in einer Live-Debatte auf derstandard.at rhetorisch die Klingen kreuzten, war von ungekannter Qualität. Dabei ging es um ein Thema, das bislang im Wahlkampf nicht übertrieben intensiv behandelt worden war – und das im Unterschied zum Reizthema Migration auch nicht als großer Emotionsverstärker gilt: nämlich Bildung.

Zu dem, was da im Internet zu sehen war, gibt es nun zwei Interpretationen. Die eine lautet: Der Philosoph Liessmann hat das vom NEO(S)-Politiker Brandstätter vorgebrachte pinke Bildungsprogramm brillant zerlegt. Das geforderte Ranking der 500 besten und schlechtesten Schulen sei abseitig, weil die dafür benötigten Kriterien fehlten; jedes Kind unter „Genieverdacht“ zu stellen, sei ebenso jenseits, weil „Genie“ eher selten sei; Schulen könnten nicht alle sozialen Defizite ausgleichen und seien auch nicht wie „Unternehmen“ zu führen. Und überhaupt: Dass Bildung (etwa durch opernaffine Akademiker) „vererbt“ werde, sei kein Problem, sondern im Gegenteil ein Ideal.

Gekonnt missverstehen

Die andere Interpretation lautet so: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann hat gekonnt gezeigt, wie man Dinge aus Lust an der Zuspitzung missverstehen kann. Ein Kind unter „Genieverdacht“ zu stellen, heiße genau nicht, es als Genie zu betrachten, sondern ihm grundsätzlich einmal alles zuzutrauen; Schulen könnten niemals alles ausgleichen, aber sie müssten eine gewisse Kompensation zumindest versuchen; und die Klage, dass Bildung in Österreich stärker als andernorts vererbt werde, sei natürlich keine Kritik an opern- oder buchaffinen Eltern, sondern umgekehrt die Sorge um jene Kinder, bei denen es zu Hause genau nicht so sei.

Ja, ein Ranking der 500 „besten“ oder „schlechtesten“ Schulen ist tatsächlich problematisch. Aber ein lapidares „Bildung wird vererbt. Na und?“ kann es auch nicht sein. Zu aufrüttelnd ist der Umstand, dass ein Gutteil der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen kann. Eine „Bildungspflicht“ bis 18, wie sie auch die Volkspartei fordert, kann hier hilfreich sein. Ebenso ein Ausbau der Ganztagsschulen. Und sonst? Spricht man mit Lehrkräften, so wünschen sie sich vor allem zweierlei: mehr Unterstützungskräfte; und ansons­ten ein wenig Ruhe. Nach dem Reform-Furor der letzten Jahre (von der neuen Lehrerausbildung über die Benotungs-Verwirrung an Volks- und Mittelschulen oder die neue Oberstufe bis zu den umstrittenen Deutschförderklassen) wäre es dafür höchste Zeit.

Von den „Duellen“ des Wahlkampfs war man ja schon Einiges gewohnt. Aber die Härte, mit der Konrad Paul Liessmann und Helmut Brandstätter unlängst in einer Live-Debatte auf derstandard.at rhetorisch die Klingen kreuzten, war von ungekannter Qualität. Dabei ging es um ein Thema, das bislang im Wahlkampf nicht übertrieben intensiv behandelt worden war – und das im Unterschied zum Reizthema Migration auch nicht als großer Emotionsverstärker gilt: nämlich Bildung.

Zu dem, was da im Internet zu sehen war, gibt es nun zwei Interpretationen. Die eine lautet: Der Philosoph Liessmann hat das vom NEO(S)-Politiker Brandstätter vorgebrachte pinke Bildungsprogramm brillant zerlegt. Das geforderte Ranking der 500 besten und schlechtesten Schulen sei abseitig, weil die dafür benötigten Kriterien fehlten; jedes Kind unter „Genieverdacht“ zu stellen, sei ebenso jenseits, weil „Genie“ eher selten sei; Schulen könnten nicht alle sozialen Defizite ausgleichen und seien auch nicht wie „Unternehmen“ zu führen. Und überhaupt: Dass Bildung (etwa durch opernaffine Akademiker) „vererbt“ werde, sei kein Problem, sondern im Gegenteil ein Ideal.

Gekonnt missverstehen

Die andere Interpretation lautet so: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann hat gekonnt gezeigt, wie man Dinge aus Lust an der Zuspitzung missverstehen kann. Ein Kind unter „Genieverdacht“ zu stellen, heiße genau nicht, es als Genie zu betrachten, sondern ihm grundsätzlich einmal alles zuzutrauen; Schulen könnten niemals alles ausgleichen, aber sie müssten eine gewisse Kompensation zumindest versuchen; und die Klage, dass Bildung in Österreich stärker als andernorts vererbt werde, sei natürlich keine Kritik an opern- oder buchaffinen Eltern, sondern umgekehrt die Sorge um jene Kinder, bei denen es zu Hause genau nicht so sei.

Ja, ein Ranking der 500 „besten“ oder „schlechtesten“ Schulen ist tatsächlich problematisch. Aber ein lapidares „Bildung wird vererbt. Na und?“ kann es auch nicht sein. Zu aufrüttelnd ist der Umstand, dass ein Gutteil der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen kann. Eine „Bildungspflicht“ bis 18, wie sie auch die Volkspartei fordert, kann hier hilfreich sein. Ebenso ein Ausbau der Ganztagsschulen. Und sonst? Spricht man mit Lehrkräften, so wünschen sie sich vor allem zweierlei: mehr Unterstützungskräfte; und ansons­ten ein wenig Ruhe. Nach dem Reform-Furor der letzten Jahre (von der neuen Lehrerausbildung über die Benotungs-Verwirrung an Volks- und Mittelschulen oder die neue Oberstufe bis zu den umstrittenen Deutschförderklassen) wäre es dafür höchste Zeit.