#9 Urban Bäuerin

1945 1960 1980 2000 2020

Mit Pferden auf Balkonien

1945 1960 1980 2000 2020

Mit Pferden auf Balkonien

Als Kind wollte ich eine Zeit lang Bäuerin werden. Zusammen mit meinen Freundinnen zeichnete ich Pläne, wie unser Hof genau aussehen sollte: Zahlreiche Tiere, ausreichend Obst- und Gemüsefelder und als Highlight ein See, in dessen Mitte sich eine Insel befand, auf der Pferde lebten. So brauchten wir kein Gehege. Wie man diese Insel erreichen oder verlassen können sollte – daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber es steckte bestimmt ein ausgereifter Plan dahinter.

Meine Familie nahm meinen Berufswunsch zu meiner Empörung nicht ernst. Vor allem meine Oma zog mich gerne damit auf und nannte regelmäßig ihr bekannte Jungbauern im heiratsfähigen Alter. Wobei heiratsfähig ein Synonym für alleinstehend war (Die meisten waren mindestens 30 Jahre älter als ich und hörten auf den Namen „Pepi“). Dass man als Frau eine eigene Wirtschaft führen könnte, schien undenkbar. Während in der österreichischen Landwirtschaft etwa 45 Prozent der Beschäftigten weiblich sind, wird nur etwa ein Drittel der Betriebe von Frauen geführt. Immerhin – googelt man nach Bäuerin oder Bauer wird gleichermaßen das TV-Format „sucht Mann“ beziehungsweise „sucht Frau“ an erster Stelle vorgeschlagen. Wir sind also am richtigen Weg.

Nun, liebe Oma – ich habe es auch ohne Jungbauern geschafft. Ich gebe zu, meine Wirtschaft ist nicht ganz so ausgeklügelt, wie ich es ursprünglich geplant hatte. In der Stadt ist der Platz schließlich beschränkt. Aber ich habe gesät. Ich habe gesät, und nun keimt es. Im Blumenkisterl am Balkon. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich verächtlich lachend an den Obst- und Gemüseregalen im Supermarkt vorbeiziehe, da mir meine fünf Pflänzchen ausreichend Nahrung spenden werden! Waren es zu Beginn zehn Pflänzchen und haben sich 50 Prozent davon bereits für den frühzeitigen Tod entschieden, ohne darauf zu warten, dass ich sie langsam aber stetig zugrunde pflege? Vielleicht. Aber so ist es nun einmal als angehende Urban-Gardening-Bäuerin – man muss auch mit Rückschlägen fertig werden. An der Umsetzung der Pferdeinsel arbeite ich noch, die Nachbarn sind nicht sehr kooperativ.

Als Kind wollte ich eine Zeit lang Bäuerin werden. Zusammen mit meinen Freundinnen zeichnete ich Pläne, wie unser Hof genau aussehen sollte: Zahlreiche Tiere, ausreichend Obst- und Gemüsefelder und als Highlight ein See, in dessen Mitte sich eine Insel befand, auf der Pferde lebten. So brauchten wir kein Gehege. Wie man diese Insel erreichen oder verlassen können sollte – daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber es steckte bestimmt ein ausgereifter Plan dahinter.

Meine Familie nahm meinen Berufswunsch zu meiner Empörung nicht ernst. Vor allem meine Oma zog mich gerne damit auf und nannte regelmäßig ihr bekannte Jungbauern im heiratsfähigen Alter. Wobei heiratsfähig ein Synonym für alleinstehend war (Die meisten waren mindestens 30 Jahre älter als ich und hörten auf den Namen „Pepi“). Dass man als Frau eine eigene Wirtschaft führen könnte, schien undenkbar. Während in der österreichischen Landwirtschaft etwa 45 Prozent der Beschäftigten weiblich sind, wird nur etwa ein Drittel der Betriebe von Frauen geführt. Immerhin – googelt man nach Bäuerin oder Bauer wird gleichermaßen das TV-Format „sucht Mann“ beziehungsweise „sucht Frau“ an erster Stelle vorgeschlagen. Wir sind also am richtigen Weg.

Nun, liebe Oma – ich habe es auch ohne Jungbauern geschafft. Ich gebe zu, meine Wirtschaft ist nicht ganz so ausgeklügelt, wie ich es ursprünglich geplant hatte. In der Stadt ist der Platz schließlich beschränkt. Aber ich habe gesät. Ich habe gesät, und nun keimt es. Im Blumenkisterl am Balkon. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich verächtlich lachend an den Obst- und Gemüseregalen im Supermarkt vorbeiziehe, da mir meine fünf Pflänzchen ausreichend Nahrung spenden werden! Waren es zu Beginn zehn Pflänzchen und haben sich 50 Prozent davon bereits für den frühzeitigen Tod entschieden, ohne darauf zu warten, dass ich sie langsam aber stetig zugrunde pflege? Vielleicht. Aber so ist es nun einmal als angehende Urban-Gardening-Bäuerin – man muss auch mit Rückschlägen fertig werden. An der Umsetzung der Pferdeinsel arbeite ich noch, die Nachbarn sind nicht sehr kooperativ.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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