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Gesellschaft

Schlagen statt sich vertragen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wenn es wirklich stimmt, dass nach dem 11. September 2001 nichts mehr ist wie vorher, dann trifft dies auf die Pädagogik in besonderem Maße zu.

Die Bemühungen um humanere Konfliktlösungsmodelle und Friedenspädagogik in Familie und Schule sind in einer noch nie in dagewesenen Weise öffentlich diskreditiert worden. Denn Kinder erlebten in den letzten Wochen nicht nur die böse Fratze des Terrorismus, sie erlebten auch das: Den hochpolitischen Umgang mit Gewalt.

Sie wurden Zeuge einer Art von öffentlichem Gewaltmanagement, die exakt all das auf den Kopf stellt, was ihnen eine humane Erziehung und moderne Pädagogik doch immer zu vermitteln versuchte: Da veranstaltet man mit ihnen häusliche Familienkonferenzen um Geschwisterkonflikte friedlich zu lösen, da bleut man ihnen ein, sich mit Worten zu wehren, statt zurückzuschlagen. Da erfindet man für sie Spiele mit friedvollen Titeln wie "Vertragen und nicht schlagen". Und man etabliert in ihren Schulen Konfliktmediatoren, die ihnen helfen sollen, vom Krieg der Fäuste zum Aushandeln mit Worten zu kommen, wirbt beherzt mit "win-win" Konfliktlösungsmodellen ...

Werden kritische Kinder derartiges künftig nur noch belächeln? Denn gerade wurden sie Zeuge davon, wie man Konflikte "draußen", außerhalb der pädagogischen Nischen, im "wirklichen Leben" löst. Eben das führt die große Politik den Kindern jetzt so drastisch vor Augen. In hoher medialer Verdichtung werden pädagogisch erwünschte Konfliktmodelle mit den Mustern und der Logik des Krieges konterkariert: Auf Gewalt reagiert man geradezu reflexartig mit Gegengewalt. Aug' um Aug', Zahn um Zahn! Wenn du mir weh tust, dann schlage ich mit voller Härte zurück! So wie es der richtige Mini-Macho von der Sandkiste schon immer gewusst hat und worauf der Joystick-Rambo in seinen Videogames hintrainiert ist: Auf Gewalt folgt Krieg, da die Guten - dort das Böse; und wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns! Das kennen die Kinder von ihren Konflikten nur allzu gut.

Bekannt ist ihnen auch die Kraftmeierei mit den Botschaften von Vergeltung und Rache, die Rhetorik der Gewalteskalation, die ihnen US-Präsident Bush geradezu modellhaft mit seiner Ungezieferbekämpfungsdiktion (den Feind "aus seinem Loch räuchern!"), heldenhaftem Kreuzzugsjargon und Wildwest-Fantasie ("Wanted, alive or dead") vorgeführt hat.

Es ist zu befürchten, dass der "geheime Lehrplan" der gegenwärtig ablaufenden Kriegspolitik Heranwachsenden keinerlei Modell dafür bietet, die Kette der wechselseitigen Traumatisierungen der Völker zu durchbrechen. Wer hält es noch - ohne die Opfer zu entwürdigen - für notwendig und sinnvoll, den dringend nötigen Einblick in die Ursachen von Terrorismus und Gewalt zumindest im Ansatz zu wagen? Welcher Heranwachsende wird denn noch zu bewegen sein, im Konfliktfall über seinen eigenen Anteil an Gewalt zu reflektieren? Die Großen und Starken tun es schließlich auch nicht!

Wenn es wirklich stimmt, dass nach dem 11. September 2001 nichts mehr ist wie vorher, dann trifft dies auf die Pädagogik in besonderem Maße zu.

Die Bemühungen um humanere Konfliktlösungsmodelle und Friedenspädagogik in Familie und Schule sind in einer noch nie in dagewesenen Weise öffentlich diskreditiert worden. Denn Kinder erlebten in den letzten Wochen nicht nur die böse Fratze des Terrorismus, sie erlebten auch das: Den hochpolitischen Umgang mit Gewalt.

Sie wurden Zeuge einer Art von öffentlichem Gewaltmanagement, die exakt all das auf den Kopf stellt, was ihnen eine humane Erziehung und moderne Pädagogik doch immer zu vermitteln versuchte: Da veranstaltet man mit ihnen häusliche Familienkonferenzen um Geschwisterkonflikte friedlich zu lösen, da bleut man ihnen ein, sich mit Worten zu wehren, statt zurückzuschlagen. Da erfindet man für sie Spiele mit friedvollen Titeln wie "Vertragen und nicht schlagen". Und man etabliert in ihren Schulen Konfliktmediatoren, die ihnen helfen sollen, vom Krieg der Fäuste zum Aushandeln mit Worten zu kommen, wirbt beherzt mit "win-win" Konfliktlösungsmodellen ...

Werden kritische Kinder derartiges künftig nur noch belächeln? Denn gerade wurden sie Zeuge davon, wie man Konflikte "draußen", außerhalb der pädagogischen Nischen, im "wirklichen Leben" löst. Eben das führt die große Politik den Kindern jetzt so drastisch vor Augen. In hoher medialer Verdichtung werden pädagogisch erwünschte Konfliktmodelle mit den Mustern und der Logik des Krieges konterkariert: Auf Gewalt reagiert man geradezu reflexartig mit Gegengewalt. Aug' um Aug', Zahn um Zahn! Wenn du mir weh tust, dann schlage ich mit voller Härte zurück! So wie es der richtige Mini-Macho von der Sandkiste schon immer gewusst hat und worauf der Joystick-Rambo in seinen Videogames hintrainiert ist: Auf Gewalt folgt Krieg, da die Guten - dort das Böse; und wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns! Das kennen die Kinder von ihren Konflikten nur allzu gut.

Bekannt ist ihnen auch die Kraftmeierei mit den Botschaften von Vergeltung und Rache, die Rhetorik der Gewalteskalation, die ihnen US-Präsident Bush geradezu modellhaft mit seiner Ungezieferbekämpfungsdiktion (den Feind "aus seinem Loch räuchern!"), heldenhaftem Kreuzzugsjargon und Wildwest-Fantasie ("Wanted, alive or dead") vorgeführt hat.

Es ist zu befürchten, dass der "geheime Lehrplan" der gegenwärtig ablaufenden Kriegspolitik Heranwachsenden keinerlei Modell dafür bietet, die Kette der wechselseitigen Traumatisierungen der Völker zu durchbrechen. Wer hält es noch - ohne die Opfer zu entwürdigen - für notwendig und sinnvoll, den dringend nötigen Einblick in die Ursachen von Terrorismus und Gewalt zumindest im Ansatz zu wagen? Welcher Heranwachsende wird denn noch zu bewegen sein, im Konfliktfall über seinen eigenen Anteil an Gewalt zu reflektieren? Die Großen und Starken tun es schließlich auch nicht!