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Ungereimtes von Kärnten bis Mittelburgenland

1945 1960 1980 2000 2020

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Mit ihrer Entscheidung hatte die Regionalradiobehörde vergangenen November für Überraschung gesorgt: entgegen aller Befürchtung bedachte sie bei der Vergabe der Regional- und Lokalradiolizenzen auch fünf nichtkommerzielle Bewerber (Freies Radio Vorarlberg, Freier Rundfunk OÖ GmbH-Radio FRO, Freies Radio Salzkammergut, Culturcentrum Wolkenstein, Freies Radio in Wien), weitere drei erhielten eine Teillizenz: Radio AGORA in Südkärnten arrangierte sich mit dem kommerziellen Anbieter Radio Korotan (49:51 Prozent), Radio MORA im Mittelburgenland beteiligt sich zu 33 Prozent an einem kommerziellen Projekt örtlicher Printunternehmen, und Wolfgang Hirner in Salzburg betreibt künftig ein 5stündiges Programmfenster im Rahmen eines kommerziellen Senders.

Mit einer zusätzlichen Lizenz - für das Waldviertler radio aufdraht - darf noch in diesem Jahr gerechnet werden. Das unverhoffte Glück hat die freien Lizenznehmer aber auch mit ungeklärten Voraussetzungen konfrontiert. "Punkto Förderung ist gesetzlich gar nichts vorgesehen, das muß jetzt alles im nachhinein geregelt werden", erklärt Helmut Peissl, Mitglied im Vorstand des "Verbands Freier Radios Österreich" und Geschäftsführer von Radio AGORA. Der Verband hat bereits einen Maßnahmenkatalog erstellt, in dem an erster Stelle die "gesetzliche Verankerung der Förderung Freier Radios ... etwa im Rahmen einer Medienförderung" verlangt wird. Der Verband verweist dabei auch auf die beschäftigungspolitische Komponente einer Förderung: gegenwärtig arbeiten bei den nichtkommerziellen Radioprojekten 40 angestellte und 70 freie Mitarbeiter, für die Zukunft rechnet man mit 200 bis 500 Arbeitsplätzen. Als deklarierte Minderheitensender erwarten das zweisprachige AGORA (deutsch/slowenisch) und das viersprachige MORA (deutsch/kroatisch/ ungarisch/Romanes), aber auch der kommerzielle Partner von AGORA, Radio Korotan, zusätzlich Gelder aus der Volksgruppenförderung, noch in diesem Monat soll es Gespräche dazu mit Vertretern aus dem Bundeskanzleramt geben.

ORF will 4,3 Millionen Während die meisten Freien Radios mittlerweile entschieden haben, ihre Sender selbst zu installieren, will Radio AGORA unter Berufung auf seinen behördlichen Auftrag, Minderheitenprogramm zu machen, weiterhin eine akzeptable Verhandlungsbasis mit dem ORF suchen. Peissl: "Man kann nicht einfach das, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk verabsäumt, an Private weitergeben und die Finanzierung ihnen überlassen." Das bisherige Angebot des ORF an AGORA: 4,3 Millionen Schilling jährliche Gebühr für das benötigte Sendernetz - bei einem veranschlagten AGORA-Jahresbudget von fünf Millionen Schilling "absurd", so Peissl. Die unterschiedliche Zahl von notwendigen Frequenzstandorten - elf für Radio AGORA, einer für das Freie Radio in Wien - bedeutet gewaltige Unterschiede beim technischen Aufwand der nichtkommerziellen Betreiber.

Schwierigkeiten in der Absprache zwischen nichtkommerziellen und kommerziellen Partnern, wie sie laut Peissl derzeit beim mittelburgenländischen MORA auftreten, sind für den "Verband der Freien Radios" nur ein Grund von vielen, eine "Verwaltungsorganisationsstelle" zu fordern "mit der Aufgabe, die Entwicklung Freier Radios - und am besten wohl nicht nur diese - zu beobachten und zu unterstützen - inhaltlich, finanziell, technisch, organisatorisch". Das Modell im Hintergrund: die deutschen Landesmedienanstalten. "Im Moment wird man bei Unklarheiten von einem zum anderen geschickt, und die Behörde geht davon aus, ihre Arbeit getan zu haben", so Peissl.

Was ist Freies Radio?

Im Verband arbeitet man derweil an einer präziseren Definition der Kategorie "Freies Radio". "Das ist nirgends definiert", erklärt Peissl, "und wir wollen das jetzt tun, um daraus auch Ansprüche abzuleiten; die Abgrenzung von Kommerz zu Nicht-Kommerz muß ganz klar sein." Grundlage dafür bildet die bereits bestehende "Charta" des Verbands, in der Stichworte wie "Offenheit, freier Zugang, Partizipation, Gemeinnützigkeit, Transparenz, Lokalbezug, Unabhängigkeit, Beitrag zur Meinungsvielfalt" aufgeführt sind. Punkto "freier Zugang" sind die geplanten "Schulprojekte" zu erwähnen, im Rahmen derer die nichtkommerziellen Betreiber Kinder und Jugendliche zum Radiomachen einladen wollen.

Für Philipp Rauscher, Landessekretär des Katholischen Bildungswerkes in Kärnten, waren Ideen wie diese, insbesondere aber das überzeugende Engagement für das Zusammenleben der Volksgruppen, Ansporn, von Anfang an beim Projekt Radio AGORA, dessen treibende Kraft die Longomai-Initiative in Eisenkappel ist, mitzuarbeiten. "Hier tut sich etwas auf, und da denken wir mit", beschreibt er seine Motivation, sich kirchlicherseits einzubringen. Rauscher ist Mitglied des Beirates von AGORA geblieben, auch nachdem ihm seitens Vorgesetzter bedeutet worden war, aus dem Projekt auszusteigen, weil es "mit Politik zu tun hat". "Mir ist egal, ob etwas aus der linken, rechten, oberen oder unteren Ecke kommt", erklärt Rauscher, "es wird hier sachgerechte Arbeit gemacht, und es wäre schade, wenn man seitens der Bildungsarbeit das Angebot zum Mittun nicht nützen würde." Das Bildungshaus St. Georgen am Längsee, ursprünglich ebenfalls bei AGORA engagiert, ist aus dem Projekt ausgestiegen.

Das christliche Engagement beim Partner von AGORA, Radio Korotan, stößt unterdessen nicht auf Kritik: Der slowenische Christliche Kulturverband ist dort nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell (15 Prozent) beteiligt.

Hinweis: Radio, Medium im Aufbruch Das nächstwöchige Furche-Dossier ist dem Radio gewidmet. Ein Schlaglicht - einen Monat vor dem Start der Privatradios.

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