#

Im falschen Licht

Naturnacht - Der Lebensraum Nacht ist nicht nur für Romantiker, sondern auch für Astronomen voller Schätze (Bild: Schloss Petronell im Nationalpark Donauauen. Die Dunkelheit wird hier von zwei Seiten durch die Großstädte Wien und Bratislava beeinträchtigt, sodass die Milchstraße nur noch schwer auszumachen ist.) - © Foto: G. Wuchterl, Verein Kuffner-Sternwarte/NHM
Wissen

Raus aus der Lichtglocke!

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Besuch bei der Kuffner-Sternwarte in Wien, einer Art von Kommandozentrale im Kampf gegen die Lichtverschmutzung.

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Besuch bei der Kuffner-Sternwarte in Wien, einer Art von Kommandozentrale im Kampf gegen die Lichtverschmutzung.

Eine Wendeltreppe schraubt sich den Steinbau hinauf, Butzenscheiben zieren die Schießschartenfenster, Seilzüge hängen an den Wänden – der Aufstieg in den Ausguck der Kuffner-Sternwarte gleicht einer Kirchturmbesteigung. Zu Recht, denn in dem bald 135 Jahre alten Observatorium am halben Weg von Wien-Ottakring zum Wilhelminenberg geht es auch um Aussicht – wenn es der Nachthimmel und die Wetterlage zulassen. An diesem Dezember­abend bleibt die Dachkuppel der Sternwarte aber zu. Die Hohe Warte in Döbling meldet 96 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der „Große Refraktor“, ein technisches Vorzeigeinstrument aus der Entstehungszeit der Warte und bis heute das drittgrößte Linsenteleskop in Österreich, darf nicht nass werden und bleibt eingepackt. Enttäuschung bei den zur Sternenführung angereisten Gästen. Als Entschädigung wird angeboten, im Garten der Warte ein zwar kleineres, aber dafür modernes und vor allem wetterunempfindliches Sternenteleskop aufzubauen.

Langjähriger „Lokalmatador“

Also die Wendeltreppe wieder runter vom Sternenturm. An der Wand hängt eine Ehrenurkunde ausgestellt von der „International Dark-Sky Association“. Günther Wuchterl, Astrom und Spiritus Rector der Kuffner-Sternwarte, ist der Ausgezeichnete, der damit für seine „hervorragenden Beiträge zur Bekämpfung der Lichtverschmutzung in Europa“ geehrt wird. Ein Kollege nennt Wuchterl den „Lokalmatador“ im Kampf für einen dunklen Nachthimmel. Seit 2001, als die Lichtverschmutzung noch absolut kein Thema in der Öffentlichkeit war, setzt er sich bereits mit Gleichgesinnten für den Schutz der Dunkelheit ein. Bis das moderne Teleskop im Garten auf- und eingestellt ist und im (viel zu hellen) Nachthimmel über Wien nach dem Sternbild der Plejaden gesucht werden kann, bleibt Zeit, Wuchterl in seinem Büro in der Sternwarte – dort ist es wärmer! – zum Gespräch zu bitten.

Die Verve, mit der er dieses beginnt, lässt keinen Zweifel daran, dass sich in seiner Person Wissenschaft mit Leidenschaft bündeln. Wichtig ist ihm von Beginn des Interviews an zu betonen, dass die Lichtflut nicht nur Natur und Gesundheit bedroht, „sondern auch ein kultureller Wert mit dem zunehmenden Verschwinden des Nachthimmels verloren geht.“ Schon jetzt ist die Beobachtung der Naturnacht rund um die hell erleuchteten Städte nicht mehr möglich. Dafür ist man auf Schutzgebiete mit dunklem Himmel angewiesen.