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Im falschen Licht

Licht - © Foto: Pixabay
Wissen

Die ganz andere Verschmutzung

1945 1960 1980 2000 2020

Künstliches Licht wird in Europa immer maßloser eingesetzt. Die negativen Folgen bleiben oft lange verborgen – und sind noch so unbekannt wie einst die schädlichen Effekte des Rauchens.

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Künstliches Licht wird in Europa immer maßloser eingesetzt. Die negativen Folgen bleiben oft lange verborgen – und sind noch so unbekannt wie einst die schädlichen Effekte des Rauchens.

„Was ist das da oben am Himmel?“, bekomme ich sehr oft zu hören. Nicht nur von Kindern, auch Erwachsene staunen immer wieder über die Faszination des Nachthimmels. Sind es Planeten, die im beinahe monatlichen Wechsel über ihn laufen; Sternschnuppen, die wir im nachbarlichen Wettkampf mitzählen, um die meisten Wünsche zu ergattern; oder Sterne, die wie ein funkelndes Zelt über allem zu liegen scheinen? Gerade bei Letzteren wären wir in Österreich in der Lage, über 6000 davon während des ganzen Jahres nur mit dem freien Auge zu sehen. Wäre da nicht der helle Einfluss von außen, ein Einfluss, mit dem wir uns selbst die Natürlichkeit des Himmels nehmen: die Lichtverschmutzung.

Was das ist? Künstliches Licht bei Nacht, das nicht nur die Objekte erstrahlen lässt, die es eigentlich zu erstrahlen gilt. Dies passiert erstaunlich leicht, zum Beispiel durch zu starke Beleuchtungsstärke oder die Wahl von umweltschädlichen Lichtfarben. Die Straßenbeleuchtung als kleines Beispiel: Das Wort beschreibt eigentlich schon gut, was es zu beleuchten gilt, die Straße. Doch geht man spätabends durch die Nachbarschaft oder in größeren Städten, so wird man schnell erkennen, dass dies bei Weitem nicht so ist. Auch Häuser, deren Fronten, Gärten und Fenster, werden hell erleuchtet. Und hier wird es problematisch, denn es bedeutet, dass man Licht ausgesetzt ist, auch wenn man es gar nicht will. Manche werden vielleicht denken: „Und? Dann ist es eben ein bisschen hell? Wozu gibt es Rollläden?“ Eine logische Schlussfolgerung, doch bleiben die wahren Konsequenzen durch den maßlosen Einsatz von künstlichem Licht oft viele Jahre verborgen.

Todesfalle für Insekten

In Wahrheit sind es nämlich alle Lebewesen, die den Einfluss nicht nur spüren, sondern auch darunter leiden. Beginnt man über die Tierwelt nachzudenken und sich vor Augen zu führen, dass 60 Prozent aller Tiere nachtaktiv sind, so sollte bereits bewusst werden, welchen Impakt die immer heller werdende Nacht auf diese nimmt. Es reicht, an ein wohlbekanntes Szenario zu denken: Man sitzt in einer lauen Sommernacht im Freien und in der Nähe leuchtet eine Lampe. Was passiert? Genau, eine Vielzahl an Insekten gesellt sich hinzu und stört dabei, die Ruhe zu genießen. Was weniger bekannt ist: Es wird wohl der letzte Flug einer Vielzahl dieser Insekten werden, denn viele von ihnen verlieren im Lichtkegel ihre Orientierung und flattern in ihm so lange, bis sie nicht mehr können. Sie verenden.

Aufschlussreich wäre es auch, sich an das Finale der letzten Fußball­-Europameisterschaft 2016, Frankreich gegen Portugal, zu erinnern. Dort gab es nämlich in der Fernsehübertragung das eine oder andere Bild, in dem eine große Menge an Nachtfaltern durch das Spielfeld fliegt, wobei die Spieler, die Schiedsrichter sowie die Zuschauer große Mühe damit hatten, sich diese vomHals zu halten. Kein anderes Spiel war damals von einer solchen Insekten-­Invasion betroffen, nur das Finale. Wieso? Aus Sicherheitsgründen brannte das Licht im Stadion die gesamte vorhergehende Nacht. Laut Schätzungen fanden durch diese Aktion bis zu eine Million Nachtfalter ihr jähes Ende. Es gäbe noch viele weitere Beispiele aus der Tierwelt aufzuzählen, etwa die negativen Folgen für Fledermäuse, Vögel etc.