Ventilator - © Foto: iStock/Rike_
Wissen

Klimawandel: Backofen-Prophylaxe

1945 1960 1980 2000 2020

Klimaanlagen sind nicht die Lösung für überhitzte Städte, sondern auch deren Mitursache. Doch welche „fiebersenkenden“ Maßnahmen helfen im Wohnbereich sonst? Expertentipps zum effektiven Beschatten und Belüften der eigenen vier Wände.

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Klimaanlagen sind nicht die Lösung für überhitzte Städte, sondern auch deren Mitursache. Doch welche „fiebersenkenden“ Maßnahmen helfen im Wohnbereich sonst? Expertentipps zum effektiven Beschatten und Belüften der eigenen vier Wände.

Die Klimakrise ist in unserem Alltag angekommen: Auf dem Land führen Extremwetterereignisse und Schädlingsbefall zu enormen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft; und in der Stadt leidet die Bevölkerung unter der zunehmenden Hitze. Auch wenn der heurige Sommer bislang erträglicher war als die vorangegangenen und es weniger Tropennächte gab: Kühlung ist für viele das Gebot der Stunde. Man installiert Klimaanlagen – und die Wiener Stadtregierung eröffnet „coole Straßen“ und einen Pool mitten im brausenden Gürtel-Verkehr.

Wenig bekannt ist indes, dass die sogenannte „urbane Wärmeinselbildung“ – also der Temperaturanstieg im Stadtkern – etwa doppelt so schnell zunimmt wie die durch die Erderwärmung steigende Monatsmitteltemperatur. Die Verursacher dafür sind neben dem Verkehr auch die vermeintlichen „Lösungen“ gegen die Hitze: nämlich Klimageräte. Auch in der Gebäudekühlung bewahrheitet sich also der berühmte Ausspruch Albert Einsteins, wonach Probleme nicht mit den Strategien gelöst werden können, die genau zu diesen Problemen geführt haben. Konkret gesprochen: Mit hochtechnisierten, energieintensiven Kühlsystemen kann man der globalen Erderwärmung und überhitzten Städten nicht entgegenwirken.

Wenn es am Abend wärmer wird

Seit etwa 1990 haben vor allem der zunehmende Ausbau von Dachböden und ein falsches Komfortverständnis in Büros und Geschäften zu einer steten Zunahme von Kühlaggregaten geführt. Die Wärmetauscher, die nach dem Prinzip eines Kühlschranks arbeiten, entziehen ja der Raumluft Wärme, die sie an die Außenluft abgeben. Die Folgen sind weitreichend, wie das Beispiel Singapur zeigt: Dort steigt die Lufttemperatur am Abend, wenn alle nach Hause kommen und ihre Klimageräte einschalten, sogar an, statt abzusinken. Schon in wenigen Jahren wird der Betrieb energieintensiver Kühlsysteme als „unmoralisch“ gelten; diese müssen dann (so wie aktuell Ölheizungen) stillgelegt werden. Folglich stellt sich heute schon die Frage nach ressourcenschonenden, alternativen Strategien zur Gebäudekühlung.

Doch schon mit einfachen Änderungen sind spürbare Effekte zu erreichen. Wie kommt es aber überhaupt zu Raumtemperaturen über 28 Grad? Sie sind teilweise auf Baumängel, oft jedoch auch auf unangepasstes Verhalten zurückzuführen – und folglich fast immer auch mit einfachen Mitteln zu vermeiden. Denn die mittlere Wiener Monatstemperatur liegt im Juli und August nur bei 22 bis 24 Grad: Zuzüglich der solaren Strahlungsgewinne über Fenster und Außenmauern müssten die maximalen Raumtemperaturen im Wohnbau also bei 27 bis 28 Grad liegen. Sind sie höher, sollte man aktiv gegensteuern. Den Worst Case stellt eine nach Südost oder Südwest orientierte Wohnung im letzten Obergeschoß mit Betondecke unter dem Dach(boden) dar. Doch selbst hier kann man mit einfachen Maßnahmen – und Bekämpfung der Ursachen statt der Symptome – das „Fieber“ in Gebäuden deutlich senken.