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Klima im Wandel

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Weltklimakonferenz: Machen wir uns ein Bild!

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Am Sonntag startet die 27. Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich. Was hilft gegen die politische Apathie? Am ehesten eine konkrete Vorstellung davon, was ein „Weiter so“ bedeutet.

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Am Sonntag startet die 27. Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich. Was hilft gegen die politische Apathie? Am ehesten eine konkrete Vorstellung davon, was ein „Weiter so“ bedeutet.

Tausende Landsleute haben die Herbstferien für einen Kurzurlaub in Venedig genutzt. Nicht wenige davon sind mit dem Zug in die Lagunenstadt gereist, im Gepäck das hiesige Klimaticket, das dieser Tage seinen ersten Geburtstag feiert. Mit beruhigtem Gewissen konnte man dann vor Ort eine sterbende Schönheit bestaunen.

Dass Venedig untergeht und der Markusplatz nicht mehr nur temporär unter Wasser steht, ist nämlich für die Wissenschaft gewiss. „Venedig werden wir verlieren“, lautete bereits 2018 der Befund von Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Sollte der Klimawandel nicht entscheidend gebremst werden, sei bis zum Jahr 2100 ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 120, im Extremfall sogar um rund 170 Zentimeter möglich.

Bis heute ist jenseits wohlfeiler Absichtserklärungen eine tatsächliche Schubumkehr ausgeblieben. Faktisch scheint man sich vom Pariser Klimaziel einer globalen Erwärmung von maximal 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter verabschiedet zu haben. Werden die globalen Emissionen nicht „sehr rasch sehr stark“ sinken, wird dieses Ziel vollends unerreichbar, heißt es im „Emissions Gap“-Bericht der Vereinten Nationen, der in der Vorwoche veröffentlicht wurde. In einer im September erschienenen Science-Studie gehen Forscher freilich davon aus, dass dieser Schwellenwert schon 2030 Wirklichkeit wird – und damit bereits in acht Jahren vier wesentliche Kipppunkte für das Weltklima erreicht werden. Zwei davon betreffen den grönländischen sowie den westantarktischen Eisschild. Die Botschaft der Forscher von der University of Exeter ist unmissverständlich: „Jedes Zehntelgrad zählt.“

Versprochen – und nicht gehalten

Dennoch hält die politische Apathie an. Bestes Beispiel dafür ist die Farce um Kompensationszahlungen der Industrienationen – allen voran China, die USA und die EU, die für einen Gutteil der CO2-Emissionen verantwortlich sind –, an den globalen Süden, der als Erstes und am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leidet. Bereits vor zehn Jahren wurde versprochen, ab 2020 mit jährlichen Zahlungen von rund 100 Milliarden Dollar loss and damage (Verlust und Schaden) in den am stärksten betroffenen Ländern auszugleichen. Bis jetzt wurde diese Zusage nicht eingehalten.

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