#Klimawandel

Klima im Wandel

"Social Vehicle" (SOV) - SOV ist ein leichtes Elektrofahrzeug, das mit einer "Open Design"-Lizenz in lokalen Werkstätten gebaut, verbessert und repariert werden kann ("Klimawandel!", MAK Wien). - © EOOS Foto: Vienna Biennale
Wissen

Heiß ersehnte Wende

1945 1960 1980 2000 2020

Die Vienna Biennale träumt vom Aufbruch in eine "nachhaltige Qualitätsgesellschaft", vorangetrieben durch unkonventionelle Ideen und technologische Innovation.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Vienna Biennale träumt vom Aufbruch in eine "nachhaltige Qualitätsgesellschaft", vorangetrieben durch unkonventionelle Ideen und technologische Innovation.

Die verborgene Welt des Planktons: In letzter Zeit ist zunehmend Licht in die Tiefen ihres Biotops gedrungen. Und diese Unterwasserwelt ist unter Druck geraten: Seit 1950 ist die Biomasse des Planktons um fast die Hälfte geschwunden, wahrscheinlich bedingt durch den Klimawandel. Auch die Verschmutzung mit Plastik und der steigende Lärmpegel in den Meeren sind heute eine Belastung.

Im virtuellen "Noise Aquarium" bei der Vienna Biennale kann man sich leibhaftig vorstellen, wie die Schallwellen unter Wasser heranbranden und für die Meereslebewesen zum gravierenden Stressfaktor werden. Ökologisch ist das höchst bedenklich: Die winzigen Organismen bilden die Grundlage der Nahrungskette der Meere. Bis zu 60 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre wird von pflanzlichem Plankton produziert. Manche dieser winzigen Organismen werden in dem Projekt, das im "Angewandte Innovation Laboratory"(AIL) zu sehen ist, groß in Szene gesetzt. Plankton-Organismen wurden dafür präpariert und tomografisch gescannt. Im "Science Visualization Lab" der Universität für angewandte Kunst wurden 3D-Modelle erstellt. Durch Animationen und VR-Brillen entsteht so eine immersive und interaktive Installation, die die Besucher zum Eintauchen in submarine Welten einlädt.

Ebenfalls immersiv ist die Installation "Change was our only chance" im AIL. Hier befindet man sich in der Menschenwelt, am Stadtrand einer fiktiven Kleinstadt in Meeresnähe. Man schreibt das Jahr 2047: Die Besucher tauchen ein in das Szenario einer künftigen Welt, gezeichnet von den Folgen des Klimawandels. Die globale Erwärmung wurde bis Mitte der 2020er-Jahre politisch nur zögerlich bekämpft, nun leidet die Bevölkerung unter klimatischen Veränderungen und Wetterextremen. Großflächige Landstriche und Küstenzonen können nicht mehr genutzt werden.

Doch letztlich hat die Krise positive Veränderungen angestoßen: Ökologisch verträglicher Konsum und nachhaltige Entwicklung wurden zu den neuen Leitmotiven. Diese Utopie wird durch die transmedialen Installationen des Künstlerkollektivs "Timeʼs Up" in eine sinnlich erlebbare Erzählung gegossen.

Wie die Wende hin zu einem nachhaltigen Lebensstil gelingen könnte, zeigt die Ausstellung "Klimawandel!" im Wiener MAK. In einem abgedunkelten Raum präsentiert sie nur wenige Exponate, von sorgsam platzierten Lichtquellen beleuchtet wie Hoffnungsschimmer in einer düsteren Gegenwart. Zum Beispiel ein Rikschaartiges Elektromobil, das mit einer schnell wechselbaren Batterie mit nur 12 Kilogramm betrieben wird. Zum Vergleich: Herkömmliche Elektroautos schleppen je nach Reichweite eine Batterie von 300 bis 600 Kilo mit sich. Das Projekt wurde von der Designfirma EOOS initiiert -"aus Ärger über die Autoindustrie, die weiter Kapital aus fossil betriebenen Fahrzeugen schlägt". Die Produktion eines SUV etwa verursacht bis zu zehn Tonnen CO2, noch bevor er überhaupt gefahren wird.

Demgegenüber ist das ausgestellte SOV ("Social Vehicle") einer Ressourcenreduktion um den "Faktor 10" verpflichtet: statt zwei Tonnen Fahrzeug nur 200 Kilogramm Ressourceneinsatz. Das bedeutet weniger Energieeinsatz für die Fortbewegung. Diese wäre somit gemütlicher, durchaus im Wortsinn: "dem menschlichen Gemüt entsprechend". Auf dem Dach des SOV lässt sich ein kleines Solarkraftwerk installieren, das in der ungenutzten Zeit Strom für das Fahrzeug bereitstellt. Über die Windschutzscheibe gefaltet, können die Solarpaneele Energie für eine tägliche Ausfahrt von 20 Kilometern bereitstellen.