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Umweltschute mit Techiiik

1945 1960 1980 2000 2020

Meldungen über Umweltbedrohungen halten uns in Atem. Gibt es Auswege? Eine Tagung in Graz behandelte die Vielfalt der Probleme. Im folgenden einige Schlaglichter.

1945 1960 1980 2000 2020

Meldungen über Umweltbedrohungen halten uns in Atem. Gibt es Auswege? Eine Tagung in Graz behandelte die Vielfalt der Probleme. Im folgenden einige Schlaglichter.

Seit den ältesten bekannten Schriften der Menschheit taucht bereits als zentrales Problem die Frage auf, wie sich der Mensch zwischen den beiden Polen „Anpassung an die Natur“ und „Umgestaltung der Natur“ verhalten soll. So finden sich etwa in den Schriften des Taoismus diese zwei Pole beschrieben als einerseits „mit wenig Mühe viel erreichen“ und andererseits „die Verbindung zum Tao (zum Sinn oder wahren Weg) nicht verlieren“.

Viel später spricht Hegel von der Dialektik von Nutzen und Segen. Denn alles, was wir tun, soll uns einerseits Nutzen bringen, andererseits zum Segen gereichen.

Mit der Naturwissenschaft und ihrer Tochter, der Technik, hat sich der Mensch eine Methode erarbeitet, mit deren Hilfe er die Natur in einer bis dahin ungeahnten Weise umgestalten konnte.

Damit löste sich in den ersten Jahrhunderten nach dieser Erfindung die Spannung zwischen den beiden oben beschriebenen Polen insoferne vorläufig auf, als das, was mit Hilfe technischer Errungenschaften dem Menschen zum

Nutzen gereichte, ihm auch zum Segen wurde.

Durch mehrere Jahrhunderte hindurch konnten die Menschen also den Segen geradezu vergessen und sich nur auf den Nutzen konzentrieren.

Wir sind heute jedoch an einer historischen Wende angelangt, in der Nutzen und Segen nicht mehr automatisch zusammenfallen. Damit tut sich die alte Spannung erneut auf. Wir stehen aber ohne Übung und Erfahrung wie Kinder vor ihr und müssen wiederum lernen, mit dieser Spannung umzugehen.

Dafür können keine Rezepte angegeben werden. Eines steht jedoch fest: Die ausschließliche Konzentration auf nur eine Seite kann nicht die richtige Antwort sein! Wer den Weg der Technologie ohne Rücksicht auf die Umwelt gehen will, wer also weiterhin den Segen nicht berücksichtigt, wird ebensowenig Wegbereiter für die Zukunft sein können wie diejenigen, die glauben, ohne Nutzen, das heißt ohne Technologie, auf einem rein ökologischen Weg auszukommen.

HERBERT PIETSCHMANN

Energie verteuern

Die Auswirkungen der Umwandlung und Nutzung von Energie auf die Umwelt sind vielfältig. Bei „konventionellen“ Schadstoffen (Schwefeldioxid,

Staub, Stickoxide___) wurden

Fortschritte, was ihre Vermeidung betrifft, gemacht. Beim Kohlendioxid (CO2), das überwiegend durch energetische Prozesse freigesetzt wird, zeichnet sich ab, daß es Klimaänderungen verursacht, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind.

Diese Emissions-Probleme kann man zusammengefaßt als Probleme des Kohlenstoff-Energiesystems bezeichnen. In ihm werden heute rund 90 Prozent der Primärenergie umgesetzt.

Die Lösung der durch den Energieverbrauch verursachten Umweltprobleme kann nun über drei Wege (und deren Kombination) gesucht werden:

• Reduzierung des Primärenergieumsatzes durch Bedarfseinschränkung und Anlagenverbesserung: In den industrialisierten Ländern könnte dadurch eine erhebliche Reduzierung der Emissionen erreicht werden. Allerdings wird erwartet, daß diese Einsparungen durch den Mehrverbrauch der Entwicklungsländer kompensiert werden.

• Reduzierung der Emissionen des Kohlenstoff-Energiesystems: Die Techniken zur Reduzierung konventioneller Emissionen sind grundsätzlich bekannt. Ihr Einsatz hängt von der Finanzierbarkeit der Anlagen ab. Dagegen scheint das C02-Problem nur durch eine einschneidende Änderung innerhalb des Kohlenstoff-Energiesystems lösbar: Fossile Energieträger sind weitgehend durch Biomasse zu ersetzen.

Mit dem Einsatz der Biomasse erscheint das Erreichen eines geschlossenen Kohlenstoffkreislaufes möglich.

• Umstieg auf andere Energiesysteme: Hier sind zunächst die verschiedenen Möglichkeiten der direkten und indirekten Sonnenenergienutzung zu betrachten, von denen die Biomassenutzung bereits oben angesprochen wurde. Die Nutzung von Wasserkraft kann weltweit gesehen noch ausgebaut werden, wird aber nur einen relativ kleinen Teil des Gesamtbedarfs decken können.

Neben einer Vielzahl weiterer Möglichkeiten wird in letzter Zeit vor allem die photovoltaische Wässerstofferzeugung als Möglichkeit vorgeschlagen, um den Energiebedarf auf lange Sicht zu decken.

Da keiner der drei Wege für sich allein eine mittelfristig wirksame Lösung verspricht, wird man diese Wege parallel beschreiten müssen, wobei folgende Einzelmaßnahmen zu ergreifen wären: verstärkte Energieeinsparung, verstärkter Einsatz emissionsmindernder Technik bei Feuerungsanlagen, insbesondere bei Kleinanlagen, und verstärkte Nutzung der Sonnenenergie.

Diese Einzelmaßnahmen sind technisch so weit entwickelt, daß ihre unmittelbare Anwendung nur an den Kosten scheitert. Eine drastische Energiepreiserhöhung erscheint daher angesichts der Dringlichkeit der Maßnahmen unumgänglich.

JOSEF SPITZER

Rote Listen

Die Artengefährdung der freilebenden Tierwelt Österreichs ist in sogenannten „Roten Listen gefährdeter Tiere“ dokumentiert. Von den rund 30.000 Tierarten Österreichs wurde rund ein Drittel beurteilt. Insgesamt wurden 409 Wirbeltierarten, etwa 9.550 Insektenarten und rund 150 sonstige Tierarten beurteilt. Davon gelten mindestens:

• 114 Arten als ausgestorben, ausgerottet oder verschollen,

• 340 Arten als vom Aussterben bedroht.

Insgesamt werden 2.201 weitere Arten als aktuell und zumindest weitere 181 als potentiell (aufgrund ihrer Seltenheit) gefährdet angeführt. Insgesamt sind also 2.382 Tierarten österreichweit ausgestorben oder in unterschiedlichem Ausmaß gefährdet.

Folgende Hauptursachen der Artengefährdung gelten seit etwa drei Jahrzehnten als entscheidend:

• die Zerstörung und Veränderung der Lebensräume durch Industrie, Siedlungswesen und Straßenbau, durch Ausdehnung der Monokulturen in der Land-und Forstwirtschaft, durch Gewässerverbau und Trockenlegung von Feuchtgebieten ...

• die chemischen Belastungen durch allgemeine Schadstoffemissionen, Pestizide und Dünger und

• die direkte Verfolgung durch den Menschen.

Die einfachste Formel für die notwendigen Schutzmaßnahmen lautet: Schützt, die Lebensräume gefährdeter Tierarten!

Dabei gelten die folgenden Lebensraumtypen als besonders gefährdet und daher schutzwürdig:

• Gewässer, wie naturbelassene Tümpel, Teiche, Seen, Wasserfälle, mäandrierende Bachläufe oder Altarme,

• Feuchtgebiete wie Hoch- und Flachmoore, Quellenbereiche und Feuchtwiesen,

• naturgemäße Wälder (Au* und Laub-Mischwälder, Urwaldrest-und Altholzbestände),

• Heckerilandschafteh und Bachbegleitstreifen, etwa Wegsäume und Windschutzstreifen,

• ungedüngte Mähwiesen und Almen ... JOHANN GEPP

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