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Energie, die Umwelt schont und Arbeit schafft

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Auf Dauer gibt es keine Alternative zur Nutzung von Sonnenenergie. Sie ist die einzige umweltverträgliche Energieform. Ein Umstieg ist notwendig, überfällig und möglich.

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Auf Dauer gibt es keine Alternative zur Nutzung von Sonnenenergie. Sie ist die einzige umweltverträgliche Energieform. Ein Umstieg ist notwendig, überfällig und möglich.

Die solaren Energieformen bringen der Menschheit eine neue Dimension an Lebensqualität, einen Ausstieg aus der Zerstörungsspirale, die bisher durch fast jede technische Neuerung beschleunigt wurde. Das Hauptanliegen ist mit Sicherheit die Klimastabilität und die Erhaltung der Erdatmosphäre. Nicht minder bedeutend sind die Verbesserung der Luft- und Nahrungsmittelqualitat, die Wasser- und Bodenreinhaltung, die Verringerung der umweltbedingten Krankheitserreger und der soziale Faktor, letzterer ist völlig klar und einleuchtend - und wird trotzdem weitestgehend ignoriert.

Erneuerbare Energieformen schaffen nachhaltige Arbeitsplätze und zwar europaweit hunderttausende, dies bezeugen alle einschlägigen Studien. Diese Arbeitsplätze sind hochqualitativ, denn sie rechnen sich mehrfach. Erstens werden zur „Umrüstung” von fossiler auf erneuerbare Energie von der Herstellung der Anlagen bis zur Montage Arbeitskräfte gebraucht, die sich durch die nachfolgende Energieeinsparung selbständig rechnen (mit guten Förderungssystemen kann der Zeitfaktor verbessert werden), denn ab einem bestimmten Zeitpunkt fallen nur noch periphere Energie- und Wartungskosten an.

Weiters ersparen wir uns durch den Wegfall des CO,-Ausstoßes und anderer Schadstoffe Folgekosten in gigantischem Ausmaße, die wir selbst und zukünftige Generationen zu tragen haben würden, Das Fraunhofer-Institut in Deutschland errechnete im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft einen Betrag von mehr als 6.000 Schilling an ökologischen Folgekosten pro Tonne CO,-Ausstoß, das bedeutet für Österreich einen jährlichen Schaden von 600 Milliarden Schilling, für Deutschland um eine Null mehr.

Mit einem Bruchteil dieser Summe (geschätzten zehn Prozent) könnte man innerhalb einiger Jahre die Energiesysteme der westlichen Industriestaaten auf erneuerbare, COneu-trale Energieformen umstellen. Weiters würden sich die Krankheitsfolgekosten reduzieren, ein nicht unerheblicher volkswirtschaftlicher Faktor.

Schließlich gehen zudem jährlich zirka 60 Milliarden Schilling an Energiekosten aus Österreich ins Ausland; diese Gelder könnten dem Land eine ungeahnte, über Jahrzehnte hinweg andauernde Konjunkturbelebung bringen, würde man sie im Inland halten können. Europa ist derzeit zu 50 Prozent von Fremdenenergie abhängig. Bei gleichbleibender Energiepolitik erhöht sich dieser Prozentsatz bis zum Jahr 2010 auf 70.

Es ist unvorstellbar, daß diese stichhaltigen und unwiderlegbaren Argumente auf Dauer ignoriert werden. Entscheidend ist, welches Land, welche Kommunen und welche regionalen und überregionalen Interessengruppen sich als erste zu diesen höchst lukrativen Umstiegsschritten bekennen. Der daraus gewonnene Kenntnis-und Erfahrungsvorsprung wird bestens vermarktbar sein und sich rasch rentieren.

I )urch die künstlich hochgehaltene Diskussion über die Machbarkeit der solaren erneuerbaren Energieformen ist viel an wertvoller Zeit verlorengegangen. Unsummen wurden und werden in Propaganda gegen die erneuerbaren Energien gesteckt -von Medienoffensiven bis hin zu falsch dimensionierten Versuchsanlagen, die die Unwirtschaft-lichkeit solarer Energienutzung beweisen sollen. Die Kriegskasse der Nutznießer des Irrweges ist voll, sie schöpfen Milliarden und Abermilliarden aus der Zerstörung der Erdatmosphäre und leben von der Käuflichkeit von Politik und Medien.

So wird auch der dritte wichtige Grund, nach dem umweltbezogenen und dem wirtschaftlichen, nämlich der friedenspolitische, systematisch vertuscht. Wer sich an die Heroinnadel der Erdgasversorgung, ob aus den Staaten der. ehemaligen Sowjetunion oder aus Nord-afrika, hängt, kann ein böses Erwachen erleben. Wer heute an eine Friedenssicherung im 21. Jahrhundert denkt, muß in erster Linie an eine Vermeidung der Kriege um die Bestressourcen der Welt denken. Bereits um die Jahrhundertwende werden zahlreiche Kriege um die Energiequellen oder um die Durchleitungsrechte geführt werden.

Die Diskussion über die Machbarkeit der Sonnenenergie gehört endgültig abgeschlossen. Sie ist so sinnlos wie überholt. Wir stehen nicht vor der Frage, ob sich Sonnenenergie bereits rentiert oder nicht, sondern ob wir die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte aufnehmen und bewältigen oder nicht. Die Zerstörung unserer Umwelt, unserer Lebensgrundlagen, des Erbes, das wir unseren Kindern hinterlassen sollen, stellt eine Bedrohung dar, gegen die sämtliche Kriege, Naturkatastrophen und Seuchen, die es bisher auf der Welt gegeben hat, bestenfalls lokale Ereignisse waren. Unsere Generation ist mit Garantie die letzte, die das Ruder noch herumreißen kann. Darüber sollte sich jeder halbwegs denkende Mensch im klaren sein. Zu klein und zu kleinlich wird bei Betrachtung dieser Dimension die vorrangige Frage nach den Kosten, die häufig auch das absolut letzte Argument der Gegner und Verhinderer solarer Energieformen darstellt.

Gerade im Bereich der Sonnenenergie ist eine zukunftsorientierte Denkweise angebracht. Es geht nicht nur um die augenblicklichen Kosten. Im Weltwirtschaftssystem werden Kosten für Öl, Kohle und Gas künstlich niedrig gehalten bzw. indirekt staatlich subventioniert, was einen immensen Wettbewerbsvorteil für die Verbraucherländer gegenüber den Produzentenländern ergibt.

Es spricht aber alles dafür, daß sich dieses Preisgefüge - unabhängig von den ökologischen Folgen auf Dauer nicht halten läßt. Es gibt viele Gründe dafür, der wichtigste ist aber wiederum die Sonnenenergie selbst. (...)

Die Idealform wäre eine „Umsteigesteuer”; das hieße, jene Energieformen, die Wasser, Luft und Erde belasten, würden zweckgebunden besteuert, der Erlös daraus würde ausschließlich dafür eingesetzt, Energieformen, die diesem Zerstörungsmechanismus Einhalt gebieten, zu fördern. Ein für jedermann einleuchtender und sinnvoller Vorgang, den einige Politiker auch schon verstehen.

Allerdings, weit über Lippenbekenntnisse wird nicht hinausgegangen. Doch die Entscheidung wird nur partiell in der Politik fallen. Im nachhinein ist es völlig unverständlich, warum die Diskussion über einen Energieumstieg so lange auf sich warten ließ. Nach dem Erscheinen von Hermann Scheers Buch „Sonnenstrategie - Politik ohne Alternative” im Jahr 1993 war klar: Die Nutzung der Sonnenenergie ist die Lösung fast aller wesentlichen Umweltprobleme, und sie ist in der Lage, auf Dauer die menschliche Existenz auf dem Planeten Erde abzusichern. Der Theorie muß nun die Praxis folgen. Auszug aus

„Der Sanfte Weg”, siehe Kasten

IKg3 Buchtip

N'ach einem Kapitel mit grundsätzlichen Überlegungen über die Notwendigkeit des Einsatzes von Sonnenenergie entwerfen die Autoren ein Szenario, das Österreichs Ausstieg aus der konventionellen Energienutzung skizziert. Das Buch erweist sich dabei als eine Sammlung sehr konkreter Hinweise darauf, in welch vielfältiger Form man Sonnenenergie nutzen kann: Photovoltaik, thermische Solaranlagen, Windenergie, Kleinwasserkraftwerke, Biomasse und Biogas, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke ... Techniken werden beschrieben, Förderungsmöglichkeiten angegeben und österreichische Firmen, die diese anbieten, vorgestellt. Ein Buch für Energiepioniere.

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