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IN OSTERREICH WIRD VIEL MIT SONNE GEHEIZT

Derzeit wird Energie im Überfluß und billig auf dem Markt angeboten, entsprechend verschwenderisch wird damit auch umgegangen. Auch für die Zukunft ist vorgesorgt, denn, so stellen Energieexperten fest, die Energievorräte in Form von Erdöl, Erdgas, Kohle und Atomkraft decken den Bedarf noch weit ins nächste Jahrtausend.

Völlig übersehen wird bei derartigen Prognosen die ungeheure Problematik, die durch die weitere ungebremste Nutzung von fossilen Energieträgern und dem damit verbundenen CO,-Ausstoß entsteht. Hinzu kommt, daß wir in den Industrieländern mit einem Anteil von nur einem Viertel an der Weltbevölkerung 80 Prozent der Weltenergievorräte verbrauchen, während drei Viertel der Weltbevölkerung sich mit 20 Prozent begnügen müssen.

Immer wieder weisen Klimaforscher darauf hin, daß der weltweite C02-Ausstoß drastisch reduziert werden muß. Österreich hat sich verpflichtet, seinen C02-Ausstoß bis zum Jahr 2005 um 20 Prozent zu reduzieren und diese Absicht im Energiebericht der Bundesregierung festgeschrieben. Für die Umsetzung dieses Zieles bedarf es rascher Handlungen. Wie schwer eine merkbare Reduktion von C02 in der Realität erreichbar ist, zeigt die Tatsache, daß der CO Ausstoß in Österreich 1991 um 6,5 Prozent zugenommen und insgesamt 63,5 Millionen Tonnen erreicht hat.

Aufgrund des frühen Ausstiegs aus der Atomtechnologie und dem relativ hohen Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung bietet sich in Österreich wie in kaum einem anderen europäischen Land die Chance, die oben genannten Ziele durch möglichst rasche Substitution fossiler Energieträger durch emeuerbare Energien zu erreichen. Beachtliche Zuwächse im Bereich der Nutzung erneuerbarer Energieträger konnten in den vergangenen Jahren beim Ausbau von kommunalen Biomasseheizwerken sowie bei der Nutzung der Sonnenenergie in thermischen Anlagen erreicht werden.

In den Jahren 1975 bis 1979 - also nach der „Energiekrise" - gab es eine rasante Entwicklung hin zu Solaranlagen. Angst vor steigenden Energiepreisen, aber auch Förderung von Pilotanlagen von Ländern und Bund, waren ausschlaggebend für diesen Boom. Die in der Folge wieder sinkenden Ölpreise und zum Teil enttäuschten Erwartungen durch technisch unausgereifte Produkte und Fehler bei der Planung und Errichtung von Solaranlagen führten zu teilweise drastischen Markteinbrüchen bis zum Jahr 1984.

In den letzten Jahren konnten jedoch wieder erhebliche Zuwächse erzielt werden. Die Gründe dafür sind das zunehmende Umweltbewußtsein, die Wiedergewinnung des Vertrauens in die Solartechnik, durch technisch ausgereifte Systeme, sowie neue, zu preisgünstigen Anlagen führende Marktstrategien, wie dem Selbstbau in technisch und organisatorisch betreuten Baugruppen. Weiters tragen die in den meisten Bundesländern gewährten Förderungen für Solaranlagen entscheidend zum derzeitigen Boom bei.

Bis Ende 1991 waren in Österreich nach Angaben des Forschungszentrums Seibersdorf insgesamt585.000 Quadratmeter Kollektorfläche installiert. Davon 44 Prozent Kunststoffkollektoren zur Schwimmbaderwärmung und 56 Prozent zur Warmwasserbereitung und teilsolaren Raumheizung. Allein im Jahr 1991 wurden 109.150 Quadratmeter Kollektorfläche installiert. Dies entspricht bei den Kollektoren zur Warmwasserbereitung einem Zuwachs von 97 Prozent gegenüber 1990.

Damit liegt Österreich im Spitzenfeld unter den OECD-Ländern bei der pro Jahr neu installierten Sonnen-kollektorfläche pro Kopf der Bevölkerung. .Mit einer richtig dimensionierten Solaranlage kann beispielsweise der jährliche Warmwasserbedarf eines Durchschnittshaushalts zu 65 bis 70 Prozent gedeckt werden -und dies ohne jeglichen Schadstoffausstoß.

Um die oben genannte Deckung des Warm Wasserbedarfs zu erreichen, benötigt man je nach System zwischen sieben und zehn Quadratmeter Kollektorfläche. Allein durch die Installation einer Warmwassersolaran-lage wird der C02-Ausstoß eines Haushalts um durchschnittlich 15 Prozent reduziert.

In Kombination mit effizientem Umgang mit Energie im Haushalt erreichen Solaranlagenbetreiber schon heute die bei der Toronto-Konferenz für das Jahr 2005 gefordete C02-Reduktion um 20 Prozent.

Der Autor ist Obmann der „Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie".

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