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Nur mit der Sonne heizen

Der Einsatz erneuerbarer Energieträger wie Sonnen- oder Windenergie, Riomasse und Rio-gas, ist längst mehr als ein wagemutiges Experiment „grüner Idealisten”. Insgesamt stammen 27 Prozent der jährlich 1.143 Petajoule (PJ) in Österreich verbrauchten Energie aus erneuerbaren Energieträgern (inkl. Wasserkraft). Hinter Norwegen (48 Prozent), Island (46 Prozent) und Schweden (28 Prozent) liegt Österreich damit in Europa an vierter Stelle. Der EU-Durchschnitt liegt noch bei mageren fünf Prozent.

Steigende Redeutung hat dabei vor allem auch das direkte oder indirekte Nutzen der Kraft der Sonne. Vor allem auf immer mehr Dächern von Ein- oder Mehrfamilienhäusern aber auch auf Industriebauten finden sich Flachkollektoren, die einen Großteil der Energie für die Aufbereitung von Warmwasser liefern.

indirekt kann Sonnenenergie durch architektonische Maßnahmen genutzt werden: Entscheidend sind die Wahl des windgeschützten Standortes, die Ausrichtung von etwa zwei Drittel der Fenster auf die Südseite, die Errichtung eines Wintergartens, die Auswahl energiespeichender Rau-materialien wie Holz oder Ziegel sowie optimale Dämmung.

Eine wichtige Möglichkeit ist bei letzteren die transparente Wärmedämmung. Sie zeichnet sich durch eine hohe Durchlässigkeit für Sonnenstrahlung aus. Während der Heizperiode ist je nach Dimensionierung ein Energiegewinn von 100 bis 200 kWh pro m2 erreichbar.

Sonnenenergie wird immer stärker auch für die Heizung eingesetzt. „Für das solare Beheizen von Gebäuden gibt es eine Vielfalt unterschiedlicher Systeme und Systemkombinationen,.” meinte etwa Wilhelm Stahl vom Freiburger „Institut für Sonnenenergie” bei einer Tagung der „Arge Erneuerbare Energie” zum Thema solare Baumheizung Ende Jänner in Graz.

Als Energielieferant diente die Sonne bisher vor allem in der Warmwasserbereitung. Zukünftig wird man Solarenergie auch für die Raumheizung nutzen.

„In der Nutzung von Sonnenenergie zur Heizungsunterstützung steckt ein wesentlich größeres Marktvolumen als in der solaren Brauchwassererwärmung”, betont Stahl: Etwa 40 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Osterreich wird für Heizung und Warmwasser eingesetzt -davon entfallen rund 90 Prozent auf die Heizung. Stahl schätzt, daß es „in Österreich mehr als 300 Gebäude mit solarer Heizungsunterstützung mit Kollektorflächen zwischen 20 und 50 Quadratmetern gibt.”

In Deutschland gebe es nur etwa 100 vergleichbare Gebäude. „Die österreichischen Selbstbaugruppen haben über nachbarschaftliche Kontakte eine Kettenreaktion von Kollektorinstallationen bewirkt.”

Im Frühjahr, berichtete Werner Weiß von der Arge Erneuerbare Energie, wird in Gleisdorf eine solare Niedrigenergiesiedlung errichtet. Eines der Haupthindernisse für eine große Verbreitung solcher Häuser und damit für eine breite Marktdurchdringung ist der bisher durch individuelle Planung hervorgerufene hohe Preis.

Durch weitgehende Standardisierung der Einzelkomponenten und eigens entwickelte Systemtechnik können die Baukosten in dieser Siedlung bis auf ein marktübliches Niveau von etwa 18.000 Schilling pro Quadratmeter gesenkt werden.

Der Heizenergiebedarf dieser Fertigteilhäuser liegt um fast zwei Drittel niedriger als bei normalen Neubauten und beträgt nur mehr etwa 40 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Der Energiebedarf für Baumwärme und Warmwasser wird hauptsächlich über eine in das Dach integrierte thermische Solaranlage und eine zentrale Biomassefeuerungsanlage gedeckt.

In Gleisdorf wird auch ein beinahe energieautarkes Einfamilienhaus errichtet. Der Wärmebedarf des etwa 150 Quadratmeter großen Hauses wird ausschließlich über aktive und passive Sonnenenergienutzung erzeugt. Der drei Geschosse hohe Warmwasserspeicher liegt im Mittelpunkt des kreissegmentförmigen Hauses. 85 Quadratmeter Kollektoren erwärmen den 75 Kubikmeter großen Speicher bis an die 100 Grad Celsius. Gemeinsam mit passiven Solargewinnen und der guten Wärmedämmung reicht der Ertrag zur Wärmeversorgung in der Heizperiode aus.

Der Architekt Helmut Hafner aus Stainz hat mit „the cube”, ein innovatives Konzept für ein solares Niedrigenergiehaus entwickelt: Das Haus ist ein um fünf Grad geneigtes quadratisches Prisma. Eine an alle Bäume angrenzende Speicherwand wird von einer Kollektoranlage gespeist. Der Heizenergiebedarf beträgt etwa 30 kWh pro Quadratmeter und Jahr, also um etwa die Hälfte weniger als der Mindestwert für die Förderung von Niedrigenergiehäusern in der Steiermark. Ein erstes Pilotprojekt umfaßt fünf derartige Häuser, und wird im Sommer in Stallhof bei

Stainz entstehen.

„Die Wachstumspotentiale der Nutzung von Rioenergie sind noch lange nicht ausgeschöpft”, für Ernst Scheiber, Geschäftsführer des österreichischen Biomasseverbandes liegt das auch an den hemmenden energiepolitischen Rahmenbedingungen. Förderungsmittel für Anlagen zur Umsetzung erneuerbare Energieträger gibt es - vor allem auch im EU-weiten Vergleich - zwar einige, „Rioenergie hat allerdings nach wie vor ein eher schlechtes Image”, bedauert Scheiber. Die Investitionskosten sind hoch, die Organisation der Rohstoffe braucht oft einiges an Know-how. Dazu kommt, daß „Heizöl extra leicht noch immer so wenig wie vor 22 Jahren kostet.” Gravierende Rremswirkungen sind zudem durch die europaweite einzigartige „Gleichstellung” der Energie aus erneuerbaren mit solchen aus nichter -neuerbaren Energieträgern in der vorliegenden Version der Energieabgabe zu befürchten.”

Zu wenig gefördert wird auch die Entwicklung und Herstellung von Solaranlagen - obwohl diese Rranche sich in anderen Ländern längst einen fixen Platz am Markt erobert haben.

Viele heimische Arbeitsplätze ließen sich durch entsprechende Investitionen schaffen, durch großzügigere Förderprogramme für Solaranlagen und vor allem auch Einspeiserichtlinien, da einiges an Energie für die dezentrale Stromversorgung genutzt werden könnte.

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