#

Wer heizt uns ein?

FOKUS
Holz Pellets Heizen - © Foto: iStock/AntiMartina

Energiewende: Schwimmen im Wärme-Meer

19451960198020002020

Im Vergleich zum Strom hinkt die Wärmeversorgung in Österreich mit nur einem Drittel an erneuerbarer Energie hinterher. Das Know-how und die Bereitschaft zur Wärmewende sind aber jetzt endlich da.

19451960198020002020

Im Vergleich zum Strom hinkt die Wärmeversorgung in Österreich mit nur einem Drittel an erneuerbarer Energie hinterher. Das Know-how und die Bereitschaft zur Wärmewende sind aber jetzt endlich da.

Der Wärmegehalt der Ozeane hat allein von 2020 auf 2021 durch den Treibhauseffekt um 14 Zetajoule (ZJ) zugenommen: Das ist ungefähr das 23-fache des jährlichen Energieverbrauchs der Menschheit. So viel überflüssige Wärme also – und wir machen nichts daraus! Warum kühlen wir den Weltozean nicht einfach um den Bruchteil eines Grades ab, um den Energiebedarf der Menschheit daraus zu gewinnen? Die ernüchternde Antwort von Seiten der Physik: Das geht nicht.

Wärme ist zwar Energie und man kann jede Energieform in Wärme umwandeln. Das ist aber quasi eine Einbahnstraße, der umgekehrte Weg ist uns verschlossen, denn Wärme kann nur zu einem Teil in andere Energieformen umgewandelt werden: Je niedriger ihre Temperatur, desto weniger. Mit der überschüssigen Wärmeenergie in den Ozeanen der Welt und in der Luft kann man daher fast nichts anfangen, der sogenannte „Zweite Hauptsatz der Wärmelehre“ setzt uns da eine Grenze.

Wandel am Markt

Ganz stimmt das aber doch nicht: Oft genügt uns ja Wärme mit niedriger Temperatur. Mit Wärme aus Solarkollektoren oder aus der Umgebung kann man das Brauchwasser zum Duschen und Baden erwärmen und eine Wohnung auch beheizen. Wärmepumpen benötigen zwar elektrische Energie, sie können aber die überall vorhandene Wärme nutzen und sie auf höhere Temperatur bringen. Als „Wärmequelle“ dient dafür die Luft, oder – noch besser – der Boden unter unseren Füßen.

Der Wärmegehalt der Ozeane hat allein von 2020 auf 2021 durch den Treibhauseffekt um 14 Zetajoule (ZJ) zugenommen: Das ist ungefähr das 23-fache des jährlichen Energieverbrauchs der Menschheit. So viel überflüssige Wärme also – und wir machen nichts daraus! Warum kühlen wir den Weltozean nicht einfach um den Bruchteil eines Grades ab, um den Energiebedarf der Menschheit daraus zu gewinnen? Die ernüchternde Antwort von Seiten der Physik: Das geht nicht.

Wärme ist zwar Energie und man kann jede Energieform in Wärme umwandeln. Das ist aber quasi eine Einbahnstraße, der umgekehrte Weg ist uns verschlossen, denn Wärme kann nur zu einem Teil in andere Energieformen umgewandelt werden: Je niedriger ihre Temperatur, desto weniger. Mit der überschüssigen Wärmeenergie in den Ozeanen der Welt und in der Luft kann man daher fast nichts anfangen, der sogenannte „Zweite Hauptsatz der Wärmelehre“ setzt uns da eine Grenze.

Wandel am Markt

Ganz stimmt das aber doch nicht: Oft genügt uns ja Wärme mit niedriger Temperatur. Mit Wärme aus Solarkollektoren oder aus der Umgebung kann man das Brauchwasser zum Duschen und Baden erwärmen und eine Wohnung auch beheizen. Wärmepumpen benötigen zwar elektrische Energie, sie können aber die überall vorhandene Wärme nutzen und sie auf höhere Temperatur bringen. Als „Wärmequelle“ dient dafür die Luft, oder – noch besser – der Boden unter unseren Füßen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen Text stellen wir Ihnen kostenlos zur Verfügung. Im FURCHE‐Navigator finden Sie tausende Artikel zu mehreren Jahrzehnten Zeitgeschichte. Neugierig? Am schnellsten kommen Sie hier zu Ihrem Abo – gratis oder gerne auch bezahlt.
Herzlichen Dank, Ihre Doris Helmberger‐Fleckl (Chefredakteurin)

diesen Text stellen wir Ihnen kostenlos zur Verfügung. Im FURCHE‐Navigator finden Sie tausende Artikel zu mehreren Jahrzehnten Zeitgeschichte. Neugierig? Am schnellsten kommen Sie hier zu Ihrem Abo – gratis oder gerne auch bezahlt.
Herzlichen Dank, Ihre Doris Helmberger‐Fleckl (Chefredakteurin)

Wir sollten bei der Energiewende überlegen, welchen Energieträger wir wo einsetzen und
hochexergetische‘ Energie nur verwenden, wo man ihre Qualität braucht.

Von den 316 Terawattstunden (TWh) an Energie, die bei den Verbrauchern in Österreich ankommen (man spricht deshalb von „Endenergie“), sind die Hälfte, 158 TWh, Wärmeenergie. Davon wieder brauchen wir 62 Prozent als Wärme für Raumheizung und Warmwasser, sogenannte Niedertemperatur-Wärme. Den Rest an Wärme benötigt die Industrie, zum Teil mit hohen Temperaturen. Der Bedarf an Strom macht demgegenüber nur ca. 20 Prozent unseres Endenergieverbrauches aus, der Verkehr benötigt 30 Prozent. Dennoch redet man über „Energie“ und denkt dabei häufig nur an den Strom. Es lohnt sich also, sich über die übersehene Hälfte unseres Energieverbrauches Gedanken zu machen.

Wichtig dabei ist, den oben beschriebenen Unterschied im „Wert“ der Energie nicht zu vergessen. Die mittleren und hohen Temperaturen, die man in der Industrie und für Kraftwerke benötigt, um dort elektrische Energie zu erzeugen oder bestimmte Prozesse zu betreiben, erreicht man nur mit Energieträgern wie (erneuerbarem) Gas, elektrischer Energie oder mit bestimmten Formen der Biomasse. Solarkollektoren und Wärmepumpen, geothermische Energie und die Passivhaustechnik hingegen sind nicht dafür geeignet, ein Flugzeug zu betreiben oder um Glas zu schmelzen. Die bescheidenen Temperaturen, die man damit erreicht, genügen aber für viele Anwendungen im Wärmebereich.

Wir sollten wertvolle („hochexergetische“) Energieträger möglichst nicht für Dienstleistungen verwenden, für die man ihre Qualität gar nicht benötigt, und uns bei der anstehenden Energiewende gut überlegen, welchen Energieträger wir wo einsetzen: erneuerbares Gas, Strom und irgendwann einmal Wasserstoff für Hochtemperaturprozesse in der Industrie, nicht aber, um Wasser auf 50 Grad zu erwärmen. Dafür sollte man, so gut es geht, die genannten anderen Energieträger einsetzen.

In Österreich werden ca. 23 Prozent der Wohnungen mit Erdgas beheizt, 13 Prozent immer
noch mit Heizöl. Die meisten Ölheizungen findet man in den alpinen Regionen Westösterreichs, Gasheizungen dominieren demgegenüber im Osten des Landes. Die ebenfalls mit fossiler Energie befeuerten Kohleheizungen sind fast schon verschwunden – man sieht: Der Ausstieg aus fossiler Energie kann funktionieren und der Wärmemarkt wandelt sich.

Ist die österreichische Stromversorgung – vor allem dank der traditionell wichtigen Rolle der Wasserkraft – schon zu fast drei Vierteln erneuerbar, so hinkt die Wärmeversorgung hierzulande mit einem bescheidenen Drittel an erneuerbarer Energie hinterher. Kein Wunder – bis vor Kurzem wurde der Einbau von Gasheizungen noch finanziell gefördert und auch die Förderung des Einbaus von Ölheizungen war noch vor ein paar Jahren üblich. Die Wende scheint inzwischen aber eingeleitet und die Technologien dafür sind da. 17 Prozent der Wohnungen werden schon mit Holz (Stückholz, Pellets, Hackschnitzelheizungen) beheizt, elf Prozent mit Wärmepumpen. Solarthermische Anlagen liefern die Energie für Warmwasser und unterstützen Heizungen.

Die Fernwärme, die in ca. 30 Prozent der Haushalte geliefert wird, stammt etwa zur Hälfte aus erneuerbarer Energie, hauptsächlich aus Biomasse. Es gibt schon über 2400 Biomasse-Heizwerke in Österreich, viele davon werden von bäuerlichen Genossenschaften betrieben. In einige Fernwärmenetze wird auch Wärme aus großen Solarkollektoren eingespeist, und die geothermische Energie aus der Tiefe der Erde geht einer großen Zukunft entgegen. In Wien wird beispielsweise gerade die Erschließung des „Aderklaaer Konglomerats“ vorbereitet, eines Heißwasserreservoirs 3000 Meter unter der Stadt (siehe Seite 4). Über ein Fernwärmesystem ist es möglich, quasi mit einem Schlag hunderte bis tausende Haushalte auf einen anderen Energieträger umzustellen, ohne in jeder einzelnen Wohnung umfangreiche Umbauten durchführen zu müssen.

Verzicht auf fossile Energie

Der Dachverband Energie-Klima, eine Arbeitsgruppe in der Wirtschaftskammer Österreich, fordert seit heuer eine „Wärmewende made in Austria“. Damit stößt er ins gleiche Horn wie der Dachverband der Erneuerbaren Energieträger EEÖ oder eine Umweltorganisation wie Global 2000. „Wärmewende“ heißt konkret, die Versorgung der österreichischen Volkswirtschaft mit Wärme ohne fossile Energieträger, also ohne Öl, Kohle und Erdgas zu bestreiten.
Damit sie gelingt, braucht es Klarheit bei den Zielen und verlässliche Rahmenbedingungen. Dann erlangt die Wirtschaft Planungssicherheit und kann die notwendigen Kapazitäten für die Produktion von Anlagen aufbauen und die Fachkräfte ausbilden. 2021 wurden in Österreich noch fast 50.000 Gasthermen und -kessel eingebaut, dazu noch 2600 Ölheizungen. Die Fachkräfte, die das machen, können in Zukunft auch Pelletsheizungen, solarthermische Anlagen und Wärmepumpen installieren.

Letztlich muss man auch der Bevölkerung kommunizieren, dass die Wärmewende ein Generationenprojekt ist und wir uns mitten in einem großen Transformationsprozess befinden. Ein Generationenprojekt auch deshalb, weil es darum geht, den kommenden Generationen eine lebbare Welt zu überlassen, in der sie sich wohlfühlen können. Das geht nur, wenn wir möglichst rasch damit aufhören, fossile Energieträger zu verbrennen und die Verbrennungsprodukte in Form von CO₂ in der Lufthülle unserer Erde in Milliarden Tonnen pro Jahr zu deponieren. Diese Botschaft ist, so scheint es, jetzt angekommen – auch bei jenen, die jahrelang skeptisch und reserviert für „Technologieoffenheit“ und für Abwarten plädiert haben.

Der Autor ist Energieexperte, Buchautor und Konsulent beim Dachverband
Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ).

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau