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Klimaschutz: Kommunale Vorreiter

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Österreich hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2005 die CCh-Emissionen um 20 Prozent zu senken. Während Maßnahmen auf Bundeseben auf sich warten lassen, können auf kommunaler Ebene erste Erfolge verbucht werden.

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Österreich hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2005 die CCh-Emissionen um 20 Prozent zu senken. Während Maßnahmen auf Bundeseben auf sich warten lassen, können auf kommunaler Ebene erste Erfolge verbucht werden.

Praktisch im Vorbeigehen sammeln die 13 Straßen- und Autobahnmeistereien Niederösterreichs ihr Brennmaterial durch Rückschnitte der Bepflanzungen an Straßenrändern. In modernen Hackschnitzelöfen verfeuert, konnten dadurch 430 Tonnen Erdöl und 1.560 Kilogramm Schwefeldioxid eingespart werden. Der CCb-Ausstoß innerhalb der niederösterreichischen Straßenverwaltung konnte seit 1986 um 30 Prozent verringert werden und erfüllt somit bereits vollinhaltlich die bei der Klimakonferenz von Toronto formulierte Zielvorgabe.

Immer mehr Gemeinden entschließen sich für den Bau von Nah wärme Versorgungsanlagen mittels Biomasse. In Niederösterreich werden derzeit etwa 50 kleinräumige Biomasse-Fernwärmeanlagen betrieben. Vor kurzem wurde der Greenpeace-Klimaschutzpreis in der Kategorie „Kleinere Gemeinden“ an die Gemeinde Kautzen im Waldviertel vergeben. 80 von 120 Haushalten des Ortes sind bereits an die Biomasse-Nahwärmeanlage angeschlossen.

Ohne Förderungen von Bund und Ländern sind jedoch solche zukunftsweisende Projekte nicht zu fmanzieren. Zum einen entstehen hohe Kosten im Anlagen- und Leitungsbau, zum anderen müssen biogene Energieträger mit den immer noch im Überfluß vorhandenen und somit kostengünstigeren fossilen Energieträgern konkurrieren.

Ein Großteil der heutigen Biomasseproduktion beschränkt sich auf das Sammeln von Holz- und Rindenabfällen. Der flächendeckende Einsatz von Biomasse setzt jedoch große Mengen und ständige Verfügbarkeit voraus. Sogenannte „Ener

giewälder“, also speziell zur energetischen Nutzung gepflanzte Wälder, könnten diese Anforderungen erfüllen. Durch hohe Subventionen für überschüssiges Getreide, sowie geringe Erlöse bei der Biomasseproduktion ist jedoch diese Form der Flächennutzung noch nicht rentabel.

Walter Schneeberger von der Universität für Bodenkultur zog unlängst eine ernüchternde Bilanz: „Bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist die Nutzung der Ackerfläche zur Erzeugung von Biomasse für

energetische Zwecke nicht konkurrenzfähig.“

Dem Einsatz von Biomasse, also Materialien wie Holzabfälle, Hackschnitzel oder Stroh, als Energieträger kommt dennoch bereits eine weit größere Bedeutung zu, als angesichts der exzessiven Verwendung fossiler Rohstoffe vermutet werden mag. 14 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden durch den Einsatz von Biomasse gedeckt. Dies differiert jedoch beträchtlich zwischen reichen Industrieländern und Entwicklungsländern (USA vier Prozent, Entwicklungsländer über 30 Prozent). Gerade in Österreich mit seinem hohen Waldanteil stellt der Einsatz von Biomasse ein ganz beträchtliches Potential dar. Mit einem Anteil von etwa neun Prozent liegt unser Land im europäischen Spitzenfeld.

Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern stellt Biomasse einen CO2- neutralen und praktisch unerschöpflichen Energieträger dar. Die Endprodukte fossiler Brennstoffe, Wärme Kohlendioxid, Wasserdampf, Schwefeldioxid und so weiter, werden praktisch nicht regenerierbar an die Umwelt abgegeben und stellen hier mit Luftverschmutzung und Treibhauseffekt hohe Hypotheken an die Zukunft.

Die COa-Emissionen hingegen, die beim Verbrennen von Biomasse frei werden, können durch nachwachsenden Waldbestand wieder gebunden werden, sodaß keine Netto-COa- Emissionen erfolgen. Modernste Brennertechnologie reduziert weitere freiwerdende Schadstoffe auf ein Minimum.

Ein verstärkter Einstieg in die Biomasseproduktion könnte die hohe Abhängigkeit von Importenergie verringern und zudem ein weiteres Standbein für die von Gatt und EU verunsicherten Bauern schaffen.

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