7014251-1988_20_16.jpg
Digital In Arbeit

Energie vom Feld

FURCHE: Welches sind die konkreten Möglichkeiten für die Landwirtschaft, neben Nahrungsmittelproduktion und Landschaftspflege auch die Energieproduktion zu bewerkstelligen?

RUDOLF SCHWARZBOCK: Ich glaube sagen zu können, daß mit Minister Josef Riegler für die Landwirtschaft ein neues Zeitalter angebrochen ist. Mit dem Alternativanbau werden den Bauern neue Möglichkeiten geboten. Nach der Flächenausweitung auf über 120.000 Hektar Ol- und Eiweißpflanzenanbau ist nun die Nutzung der Biomasse im Bereich der Energieerzeugung und als Rohstoff für die chemische Industrie von hervorragender Bedeutung.

FURCHE: Welche Ansätze gibt es da?

SCHWARZBÖCK: Es bieten sich die Veresterung von Rapsöl als Dieselersatz, die Alkoholerzeugung, die Produktion von hochwertigen Eiweißfuttermitteln und die Wärmeerzeugung aus biogenen Rohstoffen wie Hack-schnitzel und Stroh an. Das ist die prinzipielle Linie.

Konkret sieht es so aus, daß wir uns in Niederösterreich kurz nach der Energiekrise mit Energiealternativen für die Landwirtschaft befaßt haben: Bereits 1976 konnten wir den ersten Strohofen in Osterreich vorstellen. In den zwölf Jahren seither ist viel geschehen, die Versorgung ländli-

cher Gemeinden mit Fernwärme, die von den Bauern aus Biomasse in Form von Stroh oder Hackgut beliefert werden, funktioniert Gott sei Dank zur Zufriedenheit aller.

FURCHE: Welche Vorteile bringt diese Verwendung von Biomasse?

SCHWARZBOCK: Es handelt sich um eine Heizart, die nicht nur umweltfreundlich ist, sondern die auch Devisen erspart, weil weniger Energie aus dem Ausland importiert werden muß. Die für einen neutralen Staat viel zu große Auslandsabhängigkeit - 70 Prozent der Primärenergie muß Österreich importieren — könnte durch die Leistungen der Bauern verringert werden. Gerade das ist ein Punkt, der bisher zu wenig Beachtung in den Überlegungen gefunden hat.

FURCHE: Warum soll der Normalverbraucher eine Hackschnitzelheizung einbouen, wenn der Olpreis kontinuierlich sinkt?

SCHWARZBÖCK: Das anhaltend niedrige Preisniveau für f os-sile Energieträger übt sicher eine bremsende Wirkung auf den Einsatz heimischer Biomasse aus. Als Interessenvertretung der Landwirtschaft haben wir daher anläßlich der großen Steuerreform die Einführung einer Energieabgabe auf fossile Rohstoffe gefordert, um die Umstellung auf Biomasse fördern zu können. Es war zweifellos ein Fehler, daß diese Anlie-

gen der Landwirtschaft aus kurzsichtigen Motiven nicht erfüllt wurden. Denn früher oder später wird der ölpreis und auch der Dollar naturgemäß wieder steigen, und wir alle werden wieder mehr für die Lieferungen aus dem Nahen Osten zahlen müssen. Das bedeutet wieder Milliardenabgänge an Devisen, die man sich hätte ersparen können, wenn man langfristig gedacht hätte.

FURCHE: Was geschieht unter den gegebenen Bedingungen für die Förderung der Biomasse-Nutzung?

SCHWARZBÖCK: In diesem Zusammenhang freue ich mich besonders über das Verhalten unserer Landjugend, die seit Jahren unbeirrt und unablässig für die Biomasse eintritt. Auch die Nö Landesregierung hat die Förderungsmittel für Biomasse-Heizungen noch heuer auf 30 Millionen Schilling aufgestockt. Ebenso wird die EVN zwei bis drei Projekte auf Biomasse durchführen. So kommt es doch zu einer positiven Entwicklung der installierten Hackschnitzelheizungen: 1980 waren in ganz Osterreich nur 24 Hackschnitzelheizungen in Be-

trieb, heute — nur acht Jahre später - sind es 5300, davon mehr als ein Drittel in Nieder Österreich!

FURCHE: Wie sieht es auf den anderen Sektoren der Biotechnologie aus?

SCHWARZBOCK: Gott sei Dank konnten auch auf den Gebieten der Bioforschung und bei den Rapsmethylestern gerade in jüngster Zeit zahlreiche beachtliche Aktivitäten gesetzt werden. So wurde von der Raif f eisen-Bio-forschung in Tulln aus der Futtererbse das Eiweißfuttermittel Austroprot gewonnen, das nach Auffassung der Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur in der Qualität voll und ganz dem importierten Soja entspricht.

Besonders erfreulich ist weiters, daß die Ölmühle in Bruck an der Leitha bereits die Dachgleiche erreicht hat und im Frühjahr 1989 den Betrieb aufnehmen wird. Die Ölmühle wird fast die Hälfte des derzeitigen Pflanzenölimportes und zehn Prozent des derzeitigen Eiweißschrotimportes ersetzen, wodurch es zu beachtlichen Deviseneinsparungen kommt.

FURCHE: Was bedeutet das für den Bereich Energie aus Biomasse?

SCHWARZBÖCK: In den weiteren Verarbeitungsstufen kann die Ölmühle aber nicht nur Raps und Sonnenblumen verarbeiten, sondern nach einer problemlosen Umrüstung könnte auch Dieselersatz in Form von Rapsmethylester hergestellt werden. Flottentests mit Traktoren sind bisher durchwegs positiv verlaufen, auch die Forschungsarbeiten in der Landtechnischen Anstalt Wieselburg gehen zügig voran.

Mit dem Präsidenten der NO Landwirtschaftskammer, Rudolf Schwarzböck, sprach Gerd Rittenauer.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau