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Ressource Rauchfang

1945 1960 1980 2000 2020

Der Chef der Oberösterreichischen Kraftwerke AG begründet in diesem Beitrag, warum man mehr Strom verbrauchen muß, um Energie zu sparen, und Strom nötig ist, um die Umweltzerstörung zu stoppen.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Chef der Oberösterreichischen Kraftwerke AG begründet in diesem Beitrag, warum man mehr Strom verbrauchen muß, um Energie zu sparen, und Strom nötig ist, um die Umweltzerstörung zu stoppen.

Hundert Jahre Stromversorgung in Osterreich. Dieses Jubiläumsdatum soll nicht nur Anlaß sein, die Leistungen der Vergangenheit zu überdenken, sondern vor allem einen Blick auf die vernünftige Energieversorgung zu werfen.

Die Elektrizität hat die zweite industrielle Revolution mit sich gebracht. Sie hat unsere Arbeitsplätze und unsere Wirtschaft ebenso verändert wie den Haushalt und die Freizeiteinrichtungen. Damit ist Elektrizität auch zu einer treibenden Kraft der gesellschaftspolitischen Entwicklung in den Industrieländern geworden.

Heute stehen wir wiederum am Beginn einer neuen wirtschaftlichen und damit auch gesellschaftspolitischen Entwicklung, nämlich am Beginn des Computerzeitalters. Die Industrie wird sich völlig umstellen müssen. Die Energieversorgung braucht eine neue, saubere Basis. Elektrizität wird in der Wirtschaft von morgen eine noch wichtigere Rolle spielen müssen als heute, weil Elektrizität die sauberste und am universellsten verwendbare Energieform ist.

1973 fielen die Industrieländer aus allen Wolken. Die Erdölländer erhöhten die Ölpreise4im ein Vielfaches. Die westliche Wirtschaft kam in Turbulenzen. Der zweite ölschock von 1979/80 verstärkte diese Entwicklung. Eine der Folgen ist die hohe Arbeitslosigkeit. Aber der ölschock war auch heilsam. Er brachte das große Umdenken, daß Energie teuer und damit kostbar ist. Die Geburtsstunde des Energiesparens hatte geschlagen. Neue Techniken wurden entwickelt, Energiesparkonzepte erarbeitet.

Die Oberösterreichische Kraftwerke AG hat zwei große Energiesparuntersuchungen durchgeführt. Das Ergebnis: An Ober-Österreichs Pflichtschulen allein könnten bei vernünftigen Investitionen 90 Millionen Schilling jährlich an Heizkosten eingespart werden, in den Ein- und Zweifamilienhäusern des Landes sogar 2,5 Milliarden Schilling jährlich. Das Geld liegt also nicht nur auf der Straße, es entschwindet durch den Rauchfang. Diese Verluste zu verhindern, bedeutet die Nutzung einer gewaltigen Ressource.

Die Energieverwendung der Zukunft wird nach zwei Kriterien gemessen werden: Sparsamkeit und Umweltfreundlichkeit. Für die Industrie heißt das Umsteigen auf neue Prozesse, neue Technologien, ferner Entstaubung, Entschwefelung und Wasserreinhaltung.

Auch im Haushalt muß sich vieles ändern. Einsparung von Energie beim Heizen durch Isolierung, durch bessere Regelung, Änderung der Lebensgewohnheiten und neue Technologien. Vieles ist auf diesem Gebiet geschehen. Oberösterreich gehört gerade auf , diesem Gebiet der neuen Technologien — etwa bei den Wärmepumpen — zu den führenden Ländern in Europa.

Die Oberösterreichische Kraftwerke AG hat diese Technologien aus zwei Gründen gefördert: weil sie energiesparend und umweltfreundlich sind. Heute stehen in Oberösterreich rund 5000 Wärmepumpen, die jedes Jahr 11.500 Tonnen öl einsparen, das bedeutet 92 Tonnen weniger Schwefeldioxid und 19 Tonnen weniger Stickoxide.

Wie die Energiekonzepte anderer europäischer Länder, vor allem Frankreich und Schweden, zeigen, sind die Möglichkeiten der Wärmepumpe erst im Anfangsstadium. Wärmerückgewinnung im großen Stil, Ausnützung dqr Geothermie und viele andere Techniken werden durch die Wärmepumpe in Zukunft verstärkt einsetzbar sein. Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, daß die Wärmepumpe praktisch überall verwendbar ist.

Die Oberösterreichische Kraft«-werke AG hat sich auch mit der Windenergie, der Solarenergie und der Geothermie ausführlich befaßt. So wurde vom Unternehmen die Windenergieanlage auf der Adamekhütte am Dachstein miterrichtet und die erste große photovoltaische Anlage der Ostalpen am Hochleckenhaus gebaut. Bei der Photovoltaik wird Licht durch Solarzellen direkt in elektrische Energie umgesetzt.

Klassische Aufgabe der Elektrizitäts-Wirtschaft ist die Erzeugung und Verteilung elektrischer Energie. Sie muß sich der neuen Technologien und vor allem der Beratung des Bürgers zur sinnvollen Energieanwendung annehmen. Seit dem ölschock hat sich diese Aufgabe erweitert. Damit ist eine neue Aufgabe erwachsen, deren Erfüllung mit Recht vom Bürger erwartet wird.

Da das größte Energiepotential unseres Landes in der sinnvollen Anwendung liegt, muß dies vor allen Dingen dort, wo es am erfolgversprechendsten ist, nämlich bei der Raumheizung, genutzt werden. Dazu ist in erster Linie die umfassende Information des Bürgers über alle Möglichkeiten erforderlich. Die meisten Landes-Elektrizitätsgesellschaften kommen dieser Beratungsaufgabe durch ausgebildetes Fachpersonal, das den Bürger und Stromkonsumenten zur Verfügung steht, nach.

„Strom spart Energie“ — das ist ein Schlagwort;, das imers^teijMo- , ment widersprüchlich erscheinen mag. Am Beispiel der Wärmepumpe hat es seine Richtigkeit jedoch bewiesen. Bei industriellen Prozessen wird, wie das schwedische und französische Beispiel zeigt, durch den Einsatz von Elektrizität in der Industrie noch wesentlich mehr Erdöl eingespart werden können. Das bedeutet für die Stromversorger eine Herausforderung, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu bewältigen sein wird.

Energie, Technik und Umwelt sind keine grundsätzlichen Gegensätze. Wirksamer Umweltschutz ist ohne Technik nicht denkbar, auch nicht ohne saubere Energie. Die Umstellung auf eine umweltfreundliche Produktion wird große Strommengen erfordern.

Filteranlagen und Kläranlagen benötigen große Mengen Elektrizität. Technik und Energie werden in Zukunft die natürlichen Verbündeten des Umweltschutzes sein müssen.

Der Autor ist Generaldirektor der Oberösterreichischen Kraftwerke AG (OKA).

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