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Öl und Gas dominieren weiterhin

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Beachtliche Zuwächse beim Verbrauch und hohe Anteile fossiler Brennstoffe kennzeichnen weiterhin Struktur und Entwicklung des Energiesektors.

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Beachtliche Zuwächse beim Verbrauch und hohe Anteile fossiler Brennstoffe kennzeichnen weiterhin Struktur und Entwicklung des Energiesektors.

Setzt sich der bisherige Trend im Einsatz von Primärenergie fort, dann nimmt der Energieverbrauch jährlich um 1,4 Prozent zu. Dabei gehen die Prognosen in den Industriestaaten von einer geringeren Zuwachsrate aus. Dafür ist der Nachholbedarf der Entwicklungsländer so groß, daß auch in 50 Jahren die Bevölkerung dieser Länder noch deutlich weniger Energie zur Verfügung haben wird als wir.

In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Kohle der dominante Energieträger. Der historisch überwiegende Einsatz von Biomasse zur Wärmegewinnung nimmt seit Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich ab. 1920 erreicht die Kohleverbrennung ihren Höhepunkt. Seither geht ihr Einsatz zurück und der Verbrauch an Erdöl und Erdgas nimmt zu. Erst Ende der siebziger Jahre wird dieser Trend gestoppt. Schuld daran war die Ölkrise.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann man mit dem Ausbau der Wasserkraft. Zehn bis 15 Jahre später setzte die kommerzielle Nutzung der Kernenergie ein. Moderne Verfahren zum Einsatz regenerativer Energien wurden überhaupt erst in den letzten 20 Jahren entwickelt.

Der gesamte Primärenergieeinsatz der Welt betrug im Jahr 1996 beachtliche 9.400 Megatonnen Öläquivalent, der Endenergieverbrauch 6.750 Megatonnen (also rund 70 Prozent des Primärenergieverbrauchs). Wie sich diese Werte auf die Energieträger aufteilen, ist den Graphiken zu entnehmen.

In Österreich hat der Verbrauch an Primärenergie von 1973 bis 1994 um fast 20 Prozent zugenommen. Der Mix an Primärenergieträgern hat sich dabei aber zugunsten jener Energieträger verschoben, die weniger sichtbare Umweltbelastungen verursachen. Nicht nur der Anteil von Kohle und Erdöl am Energiemix hat abgenommen (von 52 auf 41 Prozent bei Öl und von 18 auf 11 Prozent bei Kohle), sondern auch der Verbrauch an diesen Energieträgern. Der Gasverbrauch und die aus Wasserkraft erzeugte elektrische Energie haben sich hingegen (fast) verdoppelt: Die jeweiligen Anteile am Primärenergieeinsatz betrugen 1994 22 Prozent (Gas) und 12 Prozent für Wasserkraft. Sonstige erneuerbare Energieträger hatten immerhin schon einen Anteil von ebenfalls zwölf Prozent.

Der Endverbrauch von Energie hat im gleichen Zeitraum um 17 Prozent zugenommen. Auch hier hat sich die Struktur wesentlich verändert: Der Anteil der Kohle hat sich halbiert, der Anteil der Mineralölprodukte ist um zehn Prozent gesunken. Gas- und Stromverbrauch sind im gleichen Zeitraum gestiegen, ebenso die Biomasse- und Fernwärmenutzung.

Interessante Details zur Entwicklung des Einsatzes unterschiedlicher Energieträger für verschiedene Zwecke gewinnt man aus den Energieberichten der österreichischen Bundesregierung.

Beispielsweise ist der Gesamtenergieverbrauch der industriellen Produktion in den 20 Jahren von 1973 bis 1994 um acht Prozent gefallen, während die Produktion um fast 70 Prozent gestiegen ist. Damit gelang eine deutliche Entkopplung von Produktion und Energieverbrauch.

Besonders hohe Effizienzsteigerung erzielten Bergwerke, die Chemieindustrie, die Eisen- und Metallwarenerzeugung sowie die Glasindustrie. Unter den Energieträgern spielen Gas und Strom mit einem Anteilvon jeweils rund 30 Prozent die wichtigste Rolle. Kohle hat in der Industrie noch einen Anteil von 17 Prozent und Öl von 14 Prozent.

Im Verkehr fast nur Erdölprodukte Im Verkehrssektor ist der Verbrauchsanstieg hingegen weitgehend ungebremst. Im erwähnten Zeitraum ist der Verbrauch hier um rund 45 Prozent gestiegen. Die Ursache dafür liegt in der nahezu gleichzeitigen Verdoppelung des Fahrzeugbestandes.

Im Verkehr dominieren logischerweise Erdölprodukte mit etwa 95 Prozent als Energieträger. Der Rest entfällt auf die elektrische Energie bei der Eisenbahn. Eine wesentliche Verbesserung ließe sich in diesem Sektor nur durch eine Einschränkung des Transportaufkommens erreichen. Die Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs, die Reduktion von Gütertransporten auf der Straße durch die Einbeziehung externer Kosten sowie die Entwicklung regionaler Wirtschaftsstrukturen könnten hier zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen.

Andere Lösungen - wie etwa der Einsatz von Rapsmethylesther und Rapsöl als Treibstoff - sind sowohl ökonomisch als auch ökologisch stark umstritten. Auch die Nutzung von Solarzellen und Batterien in Fahrzeugen ist bisher technisch noch wenig befriedigend gelöst. Angesichts des schlechten Wirkungsgrades des Straßentransportes gegenüber dem Schienenverkehr läge die Lösung wohl eher in einer Verlagerung auf die Bahn.

Im Bereich der Kleinverbraucher (das sind im wesentlichen Haushalte, Gewerbebetriebe und die Landwirtschaft) ist der Energieverbrauch insgesamt um rund 20 Prozent gestiegen. Der Einsatz von Kohle und Öl ist auch hier wesentlich zurückgegangen: der Kohleverbrauch um zwei Drittel und die Nachfrage nach Öl immerhin um die Hälfte. Der Einsatz von Gas und Fernwärme hat sich dagegen nahezu verdreifacht und jener von elektrischer Energie verdoppelt. Betrachtet man nur die Beheizung der Wohnungen, wird deutlich, daß Biomasse, Öl und Gas überwiegen. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, daß vor allem Gas und Fernwärme Marktanteilsgewinne zu Lasten vornehmlich der Kohle und der Biomasse erzielen konnten.

Die Gründe für den fallenden Einsatz von Biomasse liegen zum einen bei den Ansprüchen der Konsumenten im Hinblick auf die Bequemlichkeit: Heizen mit Holz (vor allem Scheitholz) bedeutet im Vergleich zu einer vollautomatischen Öl- oder Gasheizung mehr Arbeit. Das Holz muß eingelagert, zum Ofen transportiert und eingelegt werden. Außerdem bleibt der Ofen während der Abwesenheit kalt. Lösen kann man diese Probleme mittels moderner Technologie: Hackschnitzel- oder Pelletsheizungen bieten einen nahezu gleichen Komfort wie Öl- oder Gasheizungen, konnten sich allerdings noch nicht in großem Ausmaß durchsetzten.

Hürden für Erneuerbare Auch andere innovative Energiesysteme setzen sich nur zögerlich durch. Einer der Gründe liegt darin, daß Planer und Handwerker oft nicht das notwendige Fachwissen haben. Der Know-how-Erwerb etwa für die Installation einer Solaranlagen ist zeit- und kostenintensiv. Außerdem sind die Gewinnspannen für den Installateur bei Öl- und Gaskesseln oft höher. Dies und höhere Transaktionskosten führen oft dazu, daß der Installateur eine Öl- oder Gasheizung empfiehlt. Auch Bauherren und zum Teil Architekten lehnen erneuerbare Energieträger aus ähnlichen Gründen ab.

Dazu kommt, daß Öl- und Gassysteme meist über bessere Werbemöglichkeiten verfügen. Die Hersteller von alternativen Energieanlagen sind zum Großteil Klein- und Mittelbetriebe, die sich professionelles Marketing, Werbung und Lobbying im Stil der großen Energieversorgungsunternehmen nicht leisten können.

Im Bereich der Elektrizitätserzeugung liegt Österreich mit seinem hohen Wasserkraftanteil unter den europäischen Spitzenreitern. Gerade in diesem Bereich hat man sich in den letzten Jahren in den Industriestaaten bemüht, die Treibhausgasemissionen zu verringern. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger ist hingegen vorerst nur eine Randerscheinung geblieben.

Das grundlegende Problem der Elektrizitätsnutzung ist, daß sich Strom zum Unterschied von konventionellen Energieträgern in den benötigten Mengen praktisch nicht speichern läßt. Gas, Kohle- oder Ölvorräte lassen sich leicht anlegen.

Die Größe der benötigten Batterien erweist sich bereits bei den Solarautos als ein Nutzungshindernis - wie viel größer ist dieses erst, wenn damit auch nur ein kleines Kraftwerk ersetzt werden soll.

Überschüssiger Strom aus Lauf- oder anderen Grundlastkraftwerken kann indirekt "gespeichert" werden, indem er zur Füllung von Pumpspeichern genutzt wird, deren Wasservorräte dann zur Verfügung stehen, wenn zusätzliche Kapazität gebraucht wird (Spitzenstrom). Große Wasserkraftwerke werden in Europa allerdings nicht mehr gebaut. Die großen Flüsse sind weitgehend aufgestaut, für neue Kraftwerke fehlt die Akzeptanz bei der Bevölkerung. Der benötigte Strom muß also praktisch zeitgleich erzeugt werden. Das zu regeln ist die Kunst der Netzbetreiber. Traditionell setzen diese auf große, zentrale Anlagen. Seit 1950 sind viele kleine Kraftwerke der Errichtung dieser großen Anlagen zum Opfer gefallen. Die Abstimmung großer Anlagen auf den schwankenden Verbrauch funktioniert heute klaglos.

Die Nutzung alternativer Energien wie Kleinwasserkraft, Wind, Sonne und Biomasse ist ortsgebunden, von Natur aus dezentral und teilweise stark witterungsabhängig. Viele kleine Kraftwerke stellen eine neue Herausforderung in Hinsicht auf Netzstabilität und Lastanpassung dar. Hier sind noch viele technische und logistische Probleme zu lösen, sollen Alternativenergien eine wichtigere Rolle in der Stromversorgung spielen.

Zu den Autorinnen: Ing. Antonia Wenisch ist Leiterin und Mag. Heidi Adensam Expertin für Umweltökonomie des Österreichischen Ökologie-Instituts für angewandte Umweltforschung in Wien.

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