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Energiewälder statt Überschußfelder

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Sinkende Erdölpreise lösen unsere Energiezukunft nicht. Regenerierbare Energiequellen bleiben die Lösung. Energiewälder sind ein äußerst hoffnungsvoller Ansatz.

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Sinkende Erdölpreise lösen unsere Energiezukunft nicht. Regenerierbare Energiequellen bleiben die Lösung. Energiewälder sind ein äußerst hoffnungsvoller Ansatz.

Österreichs Energiepolitik wird eine düstere Zukunft prophezeit. Eine Fortsetzung des derzeitigen Weges droht unweigerlich in eine energiewirtschaftliche Sackgasse zu führen. Die Förderleistung an inländischen fossilen Energieträgern geht zurück und wird innerhalb von 15 Jahren weitgehend erschöpft sein. Der Rückgang muß zu rund 70 Prozent durch Zukaufe aus dem Ausland ausgeglichen werden, die die Handelsbilanz mit über 60 Milliarden Schilling belasten. Als neue Dimension gewinnt der Umweltaspekt bei den energiepolitischen Entscheidungen zunehmend an Bedeutung.

Immer mehr Fachleute sehen in der Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare Energien die langfristig einzig richtige und mögliche Reaktion auf die Endlichkeit der fossilen Energieträger. Der Energie aus Biomasse werden dabei rasch wachsende Chancen eingeräumt. Ihr Beitrag liegt bereits heute bei über sechs Prozent und ist somit etwas größer als der von inländischer Kohle.

Eine große Zukunft hat die Energiepflanzenproduktion in Form von „Energiewäldern“. Nach Meinung der Energiewaldexperten des Verbandes der Europäischen Landwirtschaft werden Energiewälder im nächsten Jahrtausend in einigen Ländern voraussichtlich nicht nur die bisherigen fossilen Energieträger verstärkt ersetzen, sondern auch die Atomenergie zum Teil ablösen.

Die Pflanzung von Energiewäldern wird zum Beispiel in Schweden als nationale Aufgabe betrachtet und stark gefördert: Bis zu einer Million Hektar könnten als Energiewald genutzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland wiederum werden durch die stetig steigende Produktivität in der Landwirtschaft bis zu drei Millionen Hektar frei, die der Rohstoffversorgung dienen könnten.

In Italien sind 133 Hektar mit Pappeln bepflanzt, die 25 Prozent der gesamten italienischen Holzproduktion liefern. Die Energiebilanzen dieser Kulturen sind -wenngleich eine wirtschaftliche Beurteilung von Land zu Land unterschiedlich ist - äußerst positiv.

Die mit Energiewäldern erzielbaren Erträge liegen zwischen zehn und 20 Tonnen Trockensubstanz, das sind vier bis acht Tonnen öläquivalent pro Hektar und Jahr. Als Baumarten kommen vor allem Weide, Pappel, Erle, aber auch Birke und Robinie in Betracht.

Seit 1980 laufen auch in Österreich derartige Energiewaldprogramme. In Praxisversuchen und wissenschaftlich betreuten Exaktversuchen will man Erfahrungen sammeln, mit welchen schnellwüchsige Baumarten und unter welchen Bedingungen Höchstleistungen in der Produktion der energetisch verwertbaren Biomasse mit Energiewäldern erreichbar sind.

Energiewälder werden im Kurzumtrieb von einem Jahr bis zu maximal 15 Jahren bewirtschaftet. Ausschlaggebend für die Wahl der Umtriebszeit sind die durchschnittliche jährliche Energieholzproduktion und der finanzielle Ertrag. Der Zuwachs hängt dabei vor allem von der Qualität des Bodens, der Baumsorte, der Düngung und dem Abstand der Bäume ab. Das Zusammenwirken dieser Einflüsse wird derzeit getestet.

Während Biomasse als Erdölersatz ökonomisch (noch) im Nachteil ist, kann Biomasse für Wärmezwecke preislich bereits mithalten. Der Hackgutpreis für Holz aus Energiewäldern liegt zehn Prozent unter dem Preis für ,JJeiz-öl extraleicht“. Ein Einfamilienhaus mit 200 mJ bzw. 530 m3 und einem Spitzenlastbedarf von 30 Kilowatt bei Heizung und Warmwasser benötigt ca. 3.360 Kilo „Heizöl extraleicht“ pro Jahr.

Bei gleichem Wirkungsgrad für beide Heizungsarten von 70 Prozent ergibt sich, daß mit zehn Hektar Energiewald 13 Einfamilienhäuser versorgt werden. Die Umstellung von zehn Prozent der österreichischen Heizölzentralheizungen würde mindestens 35.000 Hektar Energiewald erfordern.

Voraussetzung für die verstärkte Produktion von Hackgut durch Energiewälder ist der Aufbau eines Marktes in Form von Heizanlagen und Fernheizwerken auf Biomassebasis. Die Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft in der Steiermark, Vorreiter in punkto Energiewälder, wird ihre derzeitigen Versuchsflächen im Ausmaß von zwölf Hektar in den kommenden Jahren auf mehr als 30 Hektar ausweiten.

Parallel dazu sollen spezielle Förderaktionen und Förderungskonzepte für Heizungen, in denen Biomasse als Brennstoff verwendet wird, den Markt „anheizen“. Heizzentralen auf Biomassebasis bieten sich vor allem für größere Schulen, verdichtete Ortskerne sowie größere Siedlungen im ländlichen Raum ebenso wie für Krankenhäuser, Kasernen, Gewerbebetriebe an.

Für die Anlage von Energiewäldern kommen in erster Linie landwirtschaftliche Flächen in Betracht. Ein „Energieproduzent“ Land- und Forstwirtschaft könnte durch gezielte Produktionsumschichtungen die überschußgeplagten Agrarmärkte entlasten, die Auslandsabhängigkeit Österreichs im Energiebereich verringern und zusätzliche Arbeits- und Einkommensquellen in den Regionen erschließen. Energie- (und Alternativ-)kul-turen tragen auch wesentlich zur Regenerierung der Böden bei.

Der Beitrag der Biomasse zur Energieversorgung in Österreich könnte über die Wärmeerzeugung innerhalb einer Generation auf 15 bis 20 Prozent angehoben werden. Zusätzliche Energieeinsparungen, insbesondere bessere Ausnützung und photovoltaische Sonnenenergienutzung, schaffen die Möglichkeiten für eine lebens-und umweltfreundliche Energiebedarfsdeckung.

So gesehen ist es keinesfalls mehr Utopie, daß der derzeitige Primärenergiebedarf Österreichs allein mit Biomasse das Auslangen findet. Zwischen Energiepolitik, Umweltschutz und Land- und Forstwirtschaft gibt es starke, aber bisher zuwenig beachtete Verknüpfungspunkte, die einer koordinierten Vorgangsweise bedürfen.

Der Autor ist Redakteur der „Agrarischen Rundschau“.

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