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Technologisch führend führend

Derzeit stehen wir am Beginn einer Trendwende hinsichtlich der Rolle von Erdöl bei der Energieversorgung. In den meisten Fördergebieten der Erde mit Ausnahme des arabischen Raums sind die Fördermengen bereits rückläufig. Die durchschnittliche Größe der neugefundenen Ölfelder sinkt seit Ende der 60er Jahre beständig. Eine Auseinanderentwicklung der ständig steigenden Nachfrage und des Angebots und damit eine nachhaltige Verteuerung von Rohöl sind aus der Sicht anerkannter Experten nur mehr eine Frage der Zeit (HYPERLINK http://www.energiekrise.de).

Damit ändern sich die Perspektiven für die Nutzung von biogenen Rohstoffen grundlegend. Es wird in Zukunft nicht mehr um die Verwertung von Überschüssen gehen, sondern um eine Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen, die aus energetischer Sicht optimal ist. Ziel werden höchste Energieerträge bei gleichzeitiger Minimierung des Energieaufwandes bei der landwirtschaftlichen Produktion und der Veredelung der Rohstoffe sein. Damit wird der Hauptzielmarkt der Wärmemarkt sein, da hier der energetische Einsatz bei der Produktion und die Veredelungsverluste am geringsten sind. Stromerzeugung mit Biomasse wird nur dort sinnvoll sein, wo eine bestimmte Anlagengröße erreicht wird und die gesamte Wärme verwertet werden kann. Heizkraftwerke, die an die Fernwärmenetze größerer Städte angeschlossen sind, oder große Industriebetriebe, die sowohl die Wärme, als auch den Strom nutzen können, wären günstige Standorte.

Innovationen in der Landwirtschaft Für die Landwirtschaft bieten sich damit zweifellos neue Chancen. Das Problem der Überproduktion könnte in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Die Notwendigkeit energieoptimal zu produzieren wird allerdings die Entwicklung ganz neuer Anbausysteme erforderlich machen, die höchstwahrscheinlich auch aus ökologischer Sicht günstiger sein werden, als die heutigen Produktionsformen. Hier wird jedenfalls sowohl Forschung als auch viel Flexibilität und Innovationsbereitschaft von der Landwirtschaft gefordert sein. Kurzumtriebswälder, Gräser für die Biogasproduktion und strohreiche Getreidesorten, die eine Koppelproduktion von Energieträger und Lebensmittel ermöglichen, könnten umweltfreundliche Optionen für die agrarische Energieproduktion der Zukunft sein.

Wie ist der Stand der Technologien auf der Nutzungsseite biogener Rohstoffe? In den letzten Jahren haben sich Technologien zur Nutzung von biogenen Rohstoffen durch direkte Verbrennung in Klein-, wie auch in Großanlagen zur vollen Marktreife entwickelt. Die enormen Fortschritte bei der Steigerung der Wirkungsgrade wurden bereits erwähnt. Noch dramatischer als die Wirkungsgrade haben sich die Emissionswerte verbessert, die auf rund ein Hundertstel der Werte, die Anfang der achtziger Jahre erzielt wurden, abgesunken sind. International ist damit das technische Niveau der österreichischen Produkte fast konkurrenzlos. Damit bestehen derzeit gute Chancen, eine blühende Exportwirtschaft in diesem Bereich zu etablieren.

Eine pionierhafte Entwicklung hat es in Österreich bei kleinräumigen Fernwärmeversorgungen mit Holzbrennstoffen im ländlichen Raum gegeben. Bereits 500 solcher Anlagen wurden inzwischen errichtet und die Zahl der Anlagen steigt weiterhin stark an. Dagegen gab es in den vergangenen Jahren einen Rückgang bei der Nutzung von Holz im Hausbrand. Mit der Einführung von Holzpellets bahnt sich eine neue Situation an. Pellets, die durch die Verpressung von Hobel- und Sägespänen hergestellt werden, stellen einen homogenen, rieselfähigen Biobrennstoff mit hoher Energiedichte dar, der nunmehr flächendeckend zur Verfügung steht. Pelletkessel für Einfamilienhäuser, die einen mit Öl vergleichbaren Komfort bieten, im Betrieb aber derzeit deutlich billiger sind, erleben einen Boom. In Österreich haben sich die Verkaufszahlen in den letzten 4 Jahren jedes Jahr verdoppelt. In Schweden gibt es derzeit Lieferfristen von 7 Monaten für Pelletfeuerungen, in Dänemark hat sich die Zahl der verkauften Kessel im vergangenen Jahr verdoppelt. Auch in einer Reihe anderer Länder beginnt der Markt dynamisch zu wachsen.

Ein neuer Markt sind Holzheizungen im verdichteten Wohnbau. Im Land Salzburg wird bereits mehr als ein Drittel der gesamten errichteten Wohnfläche mit Holz beheizt. Auch in anderen Bundesländern bestehen günstige Fördermöglichkeiten, die allerdings zum Teil von den Wohnbauträgern aufgrund des Mangels an Erfahrungen mit der neuen Technik noch nicht angenommen werden. Rückständig ist bislang die öffentliche Hand: weniger als 1 Prozent der öffentlichen Gebäude werden derzeit mit Holzbrennstoffen beheizt. Wenn der Eindruck einer glaubwürdigen Klimapolitik aufrechterhalten werden soll, wird es hier eine aktive Neuorientierung geben müssen. Aber auch im Großen sind sehr effiziente Lösungen möglich. In Schweden werden mittlerweile die überwiegende Mehrheit der großen kommunalen Fernheizkraftwerke mit Biomasse beheizt. So wird zum Beispiel die Stadt Växjö mit 50.000 Einwohnern durch ein Heizkraftwerk versorgt das 38 MW elektrische Leistung und 66 MW thermische Leistung hat. Der Gesamtwirkungsgrad des Heizkraftwerks liegt bei über 90 Prozent. Für solche Lösungen wird es in Zukunft auch in Österreich gute Chancen geben.

Sind das nun alles Spekulationen, die in sich zusammenbrechen, wenn der Ölpreis im nächsten Frühjahr wieder sinkt? In der Diffusionsforschung ist es ein bekanntes Phänomen, dass es bei der Ablösung einer dominanten Technologie durch eine andere zu einer Phase der chaotischen Entwicklung kommt. Aus dieser Sicht wären stark schwankende Energiepreise sogar zu erwarten. Zu hoffen ist, dass mit den jüngsten Entwicklungen das Vertrauen in die konventionellen Energieträger soweit erschüttert ist, dass der zielstrebige Aufbau eines nachhaltigeren Energiesystems durch solche Schwankungen nicht in Frage gestellt wird.

Der Autor ist Mitarbeiter der Energieverwertungsagentur in Wien.

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