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Strom aus heimischen Quellen

Der gesamte Energieverbrauch betrug 1978 in Österreich 848 PJ und damit etwa 0,37% des gesamten Weltenergieverbrauches. Zur Dek-kung des Inlandverbrauches mußten 666 PJ Energie, das sind 67,3%, eingeführt werden, während die Ausfuhr nur 27,2 PJ betrug. Es heißt dies, daß Österreich 1978 um 24,9 Milliarden Schilling Energie importieren mußte und um 2,7 Milliarden Energie exportierte.

Der Netto-Importaufwand betrug daher 22,2 Milliarden Schilling und stieg damit seit 1970 auf das Vierfache an.

Der gesamte Inlandstromverbrauch betrug 1978 35,3 TWh. Davon entfielen:

31,2% auf Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft;

54,8% auf Industrie, öffentliche Versorgung, Verkehr;

14,6% auf Verluste und Eigenverbrauch der Energiewirtschaft.

Der Anteil des Verbundkonzerns an der öffentlichen Stromversorgung beträgt rund 50%, wobei zu 87% der Erzeugung heimische Energieträger eingesetzt werden.

Die Energiereserven Österreichs

Unsere Wasserkräfte (Flüsse) werden in der ersten Hälfte der neunziger Jahre praktisch bis an die Grenze der Möglichkeiten ausgeschöpft sein.

Die Braunkohlevorräte sind gering. Die derzeit in Aufschließung befindlichen werden nur für den Betrieb des in Bau befindlichen Wärmekraftwerkes Voitsberg 3 auf dessen Lebensdauer ausreichen. Weitere Prospektierungen sind im Gang, doch ist mit der Verfügbarkeit des Brennstoffes in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Die Erdölvorräte werden bei gleichbleibender Förderung wie 1978 in etwa 15 Jahren erschöpft sein. Da das heimische Rohöl überdies nur 20% des Inlandbedarfes zu decken vermag, wird es zur Stromerzeugung nur nachrangig zur Verfügung stehen.

Die inländischen Erdgasreserven reichen nur mehr weniger als ein Jahrzehnt und werden hauptsächlich in der chemischen Industrie und bei den Wärmeverbrauchern eingesetzt werden.

Da alternative Technologien für die Stromerzeugung noch nicht absehbar sind, ist die österreichische Elektrizitätswirtschaft gezwungen, sich in Zukunft vermehrt auf importierte Energieträger zu stützen.

Sorgfältige Analysen lassen für das begonnene Jahrzehnt eine jährliche Verbrauchssteigerung von etwa 5% im Mittel erwarten. Diese Annahme stellt sicherlich einen unteren Wert dar, weil alle Sparappelle bisher nur geringen Erfolg zeitigten und eher bei anderen Energiearten, wie öl, Benzin oder Gas, wirksam werden dürften. Es wird vielmehr in einzelnen Bereichen mit einer Substitution verschiedener Energiearten durch elektrische Energie und damit mit einem zusätzlichen Ansteigen des Stromverbrauches gerechnet werden müssen.

Auch die angestrebte Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und •Energieverbrauch wird nur in begrenztem Umfang möglich sein und sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Da der Stromverbrauch je Einwohner in Österreich derzeit um rund 20% niedriger ist als in der Schweiz oder der Bundesrepublik Deutschland, wird ein gewisser Aufholeffekt auch in Zukunft zu erwarten sein. Alles in allem wird der Inlandstromverbrauch bis Ende dieses Jahrzehnts auf etwa 50 TWh ansteigen, was einem Verbrauchszuwachs von rund 20 TWh entspricht.

Die Lösung der energiewirtschaftlichen Probleme im Sinne der Versorgungssicherheit war Ende der siebziger Jahre besonders belastet durch das Verbot der Inbetriebnahme des fertiggestellten Kernkraftwerkes Tullnerfeld. Dadurch entstand einerseits ein Investitionsverlust von rund 9 Milliarden Schilling und andererseits die Notwendigkeit, die ausgefallene Kraftwerksleistung durch neu zu errichtende konventionelle Anlagen zu ersetzen. Der neuerlich in Bewegung geratene ölpreis erforderte dabei eine weitgehende Abkehr vom öl als Rohenergieträger.

Diesem Umstand Rechnung tragend, haben die Verbundgesellschaft und die Landesgesellschaften im Juni 1979 für die folgenden zehn Jahre ein koordiniertes Ausbauprogramm beschlossen, das für diesen Zeitraum die Errichtung neuer Kraftwerke mit einem gesamten jährlichen Arbeitsvermögen von rund 19.000 GWh und einen Leistungszuwachs von insgesamt 5300 MW vorsieht. Davon sollen etwa 62% in Wasserkraftwerken, 7,25% in Wärmekraftwerken auf Kohlebasis, 8% in Wärmekraftwerken auf Öl-/Gasbasis und 5% in Gasturbinenanlagen installiert werden. Rund 70% der zuwachsenden Leistung werden auf inländischen und ;30% auf importierten Energieträgern beruhen.

Das Ausbauprogramm der Verbundgesellschaft sieht bis 1988 die Errichtung von je drei Laufkraftwerksstufen an der Donau, der Drau und der mittleren Salzach vor, sowie zwei weitere Stufen an der unteren Salzach.. Hinzu kommen noch die Speicherkraftwerke Walgau und Zil-lergründl sowie die kalorischen Kraftwerke Voitsberg 3 zur Nutzung inländischer Braunkohle und Moosbierbaum (auf der Basis importierter Steinkohle) als Ersatz für das Kernkraftwerk Tullnerfeld.

Trotz der größtmöglichen Beschleunigung beim Bau der Kraftwerke ist in den nächsten vier Jahren, insbesondere in trockenen Wintermonaten, die ausreichende Bereitstellung elektrischer Energie nur mit Hilfe zusätzlicher Stromimporte möglich. Deshalb hat die Verbundgesellschaft entsprechende Stromlieferungsverträge mit Polen (derzeit 600 GWh jährlich und ab 1983 r600 GWh jährlich), der CSSR und Ungarn abgeschlossen.

Für die Importe aus Osteuropa muß das ost- und westeuropäische Netz durch Zwischenschalten einer Gleichstromkurzkupplung miteinander verbunden werden. Die Verbundgesellschaft wird diese Anlage beim Umspannwerk Dürnrohr mit einem Investitionsaufwand von 360 Millionen Schilling (inklusive den erforderlichen Netzausbauten und Bauzinsen rund eine Milliarde) bis 1983 errichten.

Die Versorgungssicherheit und der internationale Stromaustausch bedingen weiter einen verstärkten Ausbau des überregionalen Netzes.

Das Planungskonzept der Verbundgesellschaft sieht deshalb bis 1988 die Erweiterung der 380.000-Volt-Verbindungen um mehr als 600 km Gesamtlänge und die Errichtung der dazugehörenden Umspannanlagen vor.

(Gen.-Dir. KR. Mag. Dr. Walter Fremuth ist Generaldirektor und Vorsitzender des Vorstandes der österreichischen Elektrizitätswirt-schafts-AG - Verbundgesellschaft)

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