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Wirtschaft

Erfolgreich auf Holzwegen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In Finnland entstand das größte Biomasse-Kraftwerk der Welt.Ein Lokalaugenschein in Pietarsaari.

Kältewelle nicht nur in Österreich, sondern vor allem im Norden Europas. Finnland registrierte am 7. Jänner den höchsten Stromverbrauch aller Zeiten: 14.090 Megawatt (MW), von denen 2.000 importiert werden mussten. Obwohl Skandinaviens Länder, vor allem Schweden, Dänemark und Finnland seit gut einem Jahrzehnt politisch die Weichen auf erneuerbare Energie und Energiesparen gestellt haben, gibt es in Skandinavien immer noch zu viele Elektroheizungen, wie sich jetzt bei Temperaturen um minus 25 Grad gezeigt hat.

Gerade am Beispiel Finnland wird jedoch auch deutlich, was eine gezielte Politik der Umorientierung auf dem Sektor Energie erreichen kann. Seit der Energiekrise der siebziger Jahre hat das Land zunächst darauf hin gearbeitet, seine Abhängigkeit von Erdölimporten abzubauen. Das Ergebnis: Mit 27 Prozent ist der Erdölanteil am Primärenergieverbrauch heute relativ niedrig für ein Industrieland. Schon an zweiter Stelle unter den Energieträgern steht eine erneuerbare Energiequelle: mit fast 20 Prozent Holz. Diese starke Ausrichtung auf Holz ist nicht verwunderlich, sind doch 69 Prozent des Landes von Wald bedeckt, ein Fläche, die fast dreimal so groß ist wie Österreich.

Einen zusätzlichen Impuls zum Umstieg auf erneuerbare Energie brachten die im Kyoto-Vertrag zugesagte Beschränkung des CO2-Ausstoßes. Der derzeit gültige Aktionsplan der Regierung zielt auf eine Verringerung des Ausstoßes dieses Klimagases um rund vier bis fünf Millionen Tonnen bis 2010 ab. Durch eine Palette von Maßnahmen sollen auch die Entwicklung und Kommerzialisierung energiesparender Technologien, strengere Vorschriften im Wohnbau, sowie der Abschluss von Energiespar-Übereinkommen mit Unternehmen forciert werden. In den letzten Jahren lösten allein diese Vereinbarungen staatlich geförderte Investitionen aus, dank derer sich der Energieverbrauch jährlich um 2,2 Millionen Megawattstunden (MWh) verringert hat.

Hohe Energiesteuern

Auch die Energiebesteuerung soll den Umstieg Finnlands auf Erneuerbare begünstigen. Sie ruht auf drei Säulen: einer Abgabe auf Erdölprodukte, weiters einer zusätzlichen, CO2-bezogenen Abgabe auf Heiz- und Treibstoffe (17,16 Euro je MWh) und schließlich auf einer nach Industrie und privaten Haushalten gestaffelten Elektrizitätsverbrauchs-Abgabe (4,20 Euro bzw. 6,90 Euro je MWh). Bis 2010 will Finnland auf diesem Weg den Einsatz von erneuerbarer Energie im Vergleich zu 1999 verdoppeln.

Als Parade-Beispiel für den Erfolg der finnischen Energiepolitik gilt das an der Westküste gelegene Werk "Pietarsaari", der Welt größtes Biomasse-Kraftwerk, das im Dezember 2001 eröffnet wurde. Es erzeugt Strom (240 MW), Dampf für das angrenzende Werk des Papierriesen "UPM-Kymmene" (100 MW) und Wärme für rund 50 Prozent der Haushalte der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Pietarsaari (60 MW). Mit diesem Werk ist der Beweis gelungen, daß Biomasse auch in großtechnischen Anlagen wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Allerdings ist festzuhalten: Mangels ausreichender Abnahme von Fernwärme wird der im Kraftwerk eingesetzte Brennstoff nicht dem Stand der Technik entsprechend (80 bis 90 Prozent) genutzt. Der erzielte Wert von 60 Prozent ist jedoch im Vergleich zu konventionellen kalorischen Kraftwerken immer noch beachtlich.

Eine neue Technik

Neben Torf und Kohle verbraucht das Kraftwerk pro Jahr etwa 200.000 Kubikmeter Holz. Diese Menge herbeizuschaffen war eine der großen Herausforderungen bei dessen Konzeption. Im Zuge der Lösung dieses Problems wurde ein neues Verfahren der Ernte von Schwachholz entwickelt.

Dabei kommen Maschinen zum Einsatz, die jene Baumreste, die nach dem Abtransport der Stämme auf dem Waldboden verbleiben, mit Greifern erfassen und mittels einer eigenen Vorrichtung zu Bündeln pressen. 3,3 Meter lang haben diese ein Gewicht von etwa 500 Kilo.

Ganz erstaunlich wie rasch dieser Vorgang der Bündelung vor sich geht: Alle zwei bis drei Minuten legt dieses Gerät ein Bündel von 0,5 Kubikmetern Volumen ab. Von der Waldstraße schaffen Langholz-Transporter diese dann ins Kraftwerk. Dort werden sie in Schreddern zerkleinert und über Laufbänder dem Kessel als Brennstoff zugeführt. Nur durch dieses Verfahren kann dieses sonst ungenutzte Restholz zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen befördert werden, allerdings auch nur unter der Voraussetzung, dass die dabei zurückgelegte Strecke nicht länger als 80 Kilometer ist.

Eines wird bei dieser Form der Nutzung jedenfalls zu beachten sein: Dass dem Waldboden nicht zu viele Nährstoffe entzogen werden. Einschlägige Untersuchungen sollen herausfinden, wo die Grenzen dieser Nutzung liegen, damit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht gefährdet ist.

Am Beispiel Finnlands wird also deutlich: Länder, die ihren Zusagen der CO2-Verringerung gerecht werden wollen, müssen eine umfassende Neuorientierung der Energiepolitik initiieren. Das gilt auch für Österreich. Durchaus erfolgreiche Einzelmaßnahmen wie bisher reichen da nicht. Von der neuen Regierung wird ein umfassendes Konzept erwartet - inklusive Öko-Steuerreform.

In Finnland entstand das größte Biomasse-Kraftwerk der Welt.Ein Lokalaugenschein in Pietarsaari.

Kältewelle nicht nur in Österreich, sondern vor allem im Norden Europas. Finnland registrierte am 7. Jänner den höchsten Stromverbrauch aller Zeiten: 14.090 Megawatt (MW), von denen 2.000 importiert werden mussten. Obwohl Skandinaviens Länder, vor allem Schweden, Dänemark und Finnland seit gut einem Jahrzehnt politisch die Weichen auf erneuerbare Energie und Energiesparen gestellt haben, gibt es in Skandinavien immer noch zu viele Elektroheizungen, wie sich jetzt bei Temperaturen um minus 25 Grad gezeigt hat.

Gerade am Beispiel Finnland wird jedoch auch deutlich, was eine gezielte Politik der Umorientierung auf dem Sektor Energie erreichen kann. Seit der Energiekrise der siebziger Jahre hat das Land zunächst darauf hin gearbeitet, seine Abhängigkeit von Erdölimporten abzubauen. Das Ergebnis: Mit 27 Prozent ist der Erdölanteil am Primärenergieverbrauch heute relativ niedrig für ein Industrieland. Schon an zweiter Stelle unter den Energieträgern steht eine erneuerbare Energiequelle: mit fast 20 Prozent Holz. Diese starke Ausrichtung auf Holz ist nicht verwunderlich, sind doch 69 Prozent des Landes von Wald bedeckt, ein Fläche, die fast dreimal so groß ist wie Österreich.

Einen zusätzlichen Impuls zum Umstieg auf erneuerbare Energie brachten die im Kyoto-Vertrag zugesagte Beschränkung des CO2-Ausstoßes. Der derzeit gültige Aktionsplan der Regierung zielt auf eine Verringerung des Ausstoßes dieses Klimagases um rund vier bis fünf Millionen Tonnen bis 2010 ab. Durch eine Palette von Maßnahmen sollen auch die Entwicklung und Kommerzialisierung energiesparender Technologien, strengere Vorschriften im Wohnbau, sowie der Abschluss von Energiespar-Übereinkommen mit Unternehmen forciert werden. In den letzten Jahren lösten allein diese Vereinbarungen staatlich geförderte Investitionen aus, dank derer sich der Energieverbrauch jährlich um 2,2 Millionen Megawattstunden (MWh) verringert hat.

Hohe Energiesteuern

Auch die Energiebesteuerung soll den Umstieg Finnlands auf Erneuerbare begünstigen. Sie ruht auf drei Säulen: einer Abgabe auf Erdölprodukte, weiters einer zusätzlichen, CO2-bezogenen Abgabe auf Heiz- und Treibstoffe (17,16 Euro je MWh) und schließlich auf einer nach Industrie und privaten Haushalten gestaffelten Elektrizitätsverbrauchs-Abgabe (4,20 Euro bzw. 6,90 Euro je MWh). Bis 2010 will Finnland auf diesem Weg den Einsatz von erneuerbarer Energie im Vergleich zu 1999 verdoppeln.

Als Parade-Beispiel für den Erfolg der finnischen Energiepolitik gilt das an der Westküste gelegene Werk "Pietarsaari", der Welt größtes Biomasse-Kraftwerk, das im Dezember 2001 eröffnet wurde. Es erzeugt Strom (240 MW), Dampf für das angrenzende Werk des Papierriesen "UPM-Kymmene" (100 MW) und Wärme für rund 50 Prozent der Haushalte der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Pietarsaari (60 MW). Mit diesem Werk ist der Beweis gelungen, daß Biomasse auch in großtechnischen Anlagen wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Allerdings ist festzuhalten: Mangels ausreichender Abnahme von Fernwärme wird der im Kraftwerk eingesetzte Brennstoff nicht dem Stand der Technik entsprechend (80 bis 90 Prozent) genutzt. Der erzielte Wert von 60 Prozent ist jedoch im Vergleich zu konventionellen kalorischen Kraftwerken immer noch beachtlich.

Eine neue Technik

Neben Torf und Kohle verbraucht das Kraftwerk pro Jahr etwa 200.000 Kubikmeter Holz. Diese Menge herbeizuschaffen war eine der großen Herausforderungen bei dessen Konzeption. Im Zuge der Lösung dieses Problems wurde ein neues Verfahren der Ernte von Schwachholz entwickelt.

Dabei kommen Maschinen zum Einsatz, die jene Baumreste, die nach dem Abtransport der Stämme auf dem Waldboden verbleiben, mit Greifern erfassen und mittels einer eigenen Vorrichtung zu Bündeln pressen. 3,3 Meter lang haben diese ein Gewicht von etwa 500 Kilo.

Ganz erstaunlich wie rasch dieser Vorgang der Bündelung vor sich geht: Alle zwei bis drei Minuten legt dieses Gerät ein Bündel von 0,5 Kubikmetern Volumen ab. Von der Waldstraße schaffen Langholz-Transporter diese dann ins Kraftwerk. Dort werden sie in Schreddern zerkleinert und über Laufbänder dem Kessel als Brennstoff zugeführt. Nur durch dieses Verfahren kann dieses sonst ungenutzte Restholz zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen befördert werden, allerdings auch nur unter der Voraussetzung, dass die dabei zurückgelegte Strecke nicht länger als 80 Kilometer ist.

Eines wird bei dieser Form der Nutzung jedenfalls zu beachten sein: Dass dem Waldboden nicht zu viele Nährstoffe entzogen werden. Einschlägige Untersuchungen sollen herausfinden, wo die Grenzen dieser Nutzung liegen, damit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht gefährdet ist.

Am Beispiel Finnlands wird also deutlich: Länder, die ihren Zusagen der CO2-Verringerung gerecht werden wollen, müssen eine umfassende Neuorientierung der Energiepolitik initiieren. Das gilt auch für Österreich. Durchaus erfolgreiche Einzelmaßnahmen wie bisher reichen da nicht. Von der neuen Regierung wird ein umfassendes Konzept erwartet - inklusive Öko-Steuerreform.