Digital In Arbeit

Die Energiewende ist keine Utopie

Die Klima-Konferenz in Den Haag ist gescheitert, aber die dort angeschnittenen Fragen sind deswegen keineswegs vom Tisch. Und schon gar nicht hat sich die Entwicklung des Klimas als weniger bedrohlich erwiesen, als vermutet. In der Wissenschaft herrscht weitgehend Einigkeit: Die Emissionen von Treibhausgasen müssen reduziert werden, je früher und je drastischer umso besser.

Für Österreich gilt nach wie vor das Ziel: -13 Prozent bei CO2 bis 2010, also 16 Millionen Tonnen weniger als 1990. Um diesen Wert zu erreichen, muss sich der Einsatz fossiler Energie verringern, denn der Hauptgrund für den Klimawandel ist das massive Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas.

Fragt sich nur: Ist so ein Umstieg überhaupt durchführbar? Gerade die gestiegenen Erdölpreise (eine Verdreifachung innerhalb von 18 Monaten) haben die Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das trotz der Energiekrisen in den siebziger Jahren verdrängt wurde: Der wichtigste Energieträger, das Erdöl, ist nur begrenzt vorrätig.

In den jüngsten Ölpreissteigerungen wirft diese Begrenzung ihre Schatten voraus. Die Gesamtmenge des verwertbaren Erdöls dürfte weltweit 1.800 Milliarden Fass betragen. Die Hälfte davon wurde bereits verbraucht. Erfahrungsgemäß beginnt Erdöl schon dann weniger ergiebig zu fließen, wenn das jeweilige Ölfeld erst zur Hälfte abgebaut ist. Und in dieser Situation befindet sich ein Großteil jener Reserven, die außerhalb der Opec-Länder liegen.

Da derzeit weltweit pro Jahr rund 28 Milliarden Fass Erdöl verbraucht werden, reichen seine nachgewiesenen und vermuteten Reserven nur noch für etwa 30 bis 35 Jahre. Daher ist eine Abkehr vom Erdöl überfällig. Dazu kommt, dass fossile Brennstoffe überwiegend importiert werden und daher Österreichs Handelsbilanz schwer belasten. 1999 beliefen sich die Importe auf 36,6 Milliarden Schilling. Heuer waren es allein in den ersten acht Monaten schon 38,1 Milliarden! Nicht nur der Abfluss dieser Mittel ist bedenklich, sondern auch der Umstand, dass Erdöl und Erdgas meist aus den Krisenregionen der Erde stammt.

Holzreserven nutzen Gibt es nun ernstzunehmende Alternativen zu Erdöl und Erdgas? Kurzfristig nicht, mittelfristig aber schon, wenn man die Weichen rechtzeitig stellt. Dann könnten sowohl die Klimaprobleme, als auch die Abhängigkeit von einem importierten, zur Neige gehenden Rohstoff verringert werden.

Einen wichtigen Beitrag dazu könnte die energetische Nutzung von Biomasse liefern. Für Österreich heißt das vor allem Einsatz von Holz, von dem mehr zuwächst, als verbraucht wird. Auch Stroh kommt als Brennstoff in Frage und Gülle und Klärschlamm können zur Erzeugung von Gas und damit ebenfalls energetisch genutzt werden.

Beim derzeitigen Stand der Dinge sind jedenfalls die technischen Voraussetzungen für den Einsatz dieser Energieträger weitgehend verwirklicht (siehe die folgenden Beiträge). Hervorzuheben ist besonders die Benutzerfreundlichkeit moderner Holzheizungen. War man bisher gewohnt, vor allem Scheitholz zu verbrennen, so gehört die Zukunft den Hackschnitzel- und Pelletsfeuerungen. Letztere verwenden kleine Holzpresslinge mit hohem Brennwert. Sie kommen zwar heute noch in der Anschaffung teurer als Gas- und Ölheizungen, sind aber bei den derzeitigen Preisen im Betrieb bereits billiger und ebenso bedienungsfreundlich, da vollautomatisch. Trotz des Handicaps höherer Investitionskosten weisen sie beachtliche Steigerungsraten auf, sodass Ende des Vorjahres in Österreich rund 30.000 Anlagen mit einer Leistung von 2.670 MW in Betrieb waren.

Weiters geht es um den effizienten Einsatz dieser Energieträger. Das bedeutet die Einrichtung von Kraft-Wärme-Kupplungen. Darunter versteht man Kraftwerke, die den Brennstoff sowohl zur Strom- wie zur Wärmeerzeugung, also sehr wirksam nutzen. Die Errichtung solcher Kraftwerke ist überall dort sinnvoll, wo man ausreichend viele Abnehmer der Wärme erreichen kann, ohne dass man in allzu weitläufige Leitungsnetze zum Wärmetransport investierten muss.

Solche Systeme der Energieversorgung bewähren sich vor allem dann, wenn in die Wärmedämmung der Gebäude investiert wird. Das wird besonders wirksam durch gezielte Wohnbauförderung erreicht, wie das Beispiel des seit 1993 in Salzburg verwendeten Modells zeigt. Sein Ergebnis: 40 Prozent weniger Energiebedarf in Neubauten, die zu 35 Prozent mit Holz geheizt werden und zu 51 Prozent über eine Solaranlage verfügen.

Politischer Konsens Damit ist ein weiterer wesentlicher Aspekt des Umstiegs auf eine alternative Energieversorgung angesprochen: Sie muss politisch gezielt angesteuert und nicht den Marktkräften allein überlassen werden. Zwei Instrumente sind es, die im wesentlichen zum Einsatz kommen müssen: Steuern und Förderungen. Dass man zur Einführung von Energie- und CO2-Steuern nicht auf die EU warten muss, haben sowohl Schweden wie Dänemark bewiesen. In beiden Ländern werden fossile Brennstoffe massiv besteuert, während erneuerbare Energien steuerfrei bleiben. Somit ergeben sich beachtliche Preisvorteile für die Verwertung von Biomasse.

Bleibt bisher in Schweden die Industrie von dieser Belastung ausgenommen, so wurde in Dänemark ein Modell entwickelt, das auch die Unternehmen einbezieht. Allerdings bietet es großzügige Förderungen an, um einen technischen Umstieg zu ermöglichen.

Gezielte Förderungen sind somit ein notwendiger Bestandteil eines Programms für den Umstieg auf neue Energieformen. So wurden beispielsweise die großen Gemeinschafts-Biogasanlagen in Dänemark (Seite 14) mit 30 bis 40 Prozent gefördert.

Um einen solchen Weg der Umrüstung des Energiesektors konsequent zu beschreiten, bedarf es vor allem eines parteiübergreifenden Konsenses. Der Rahmen für die Energiepolitik muss langfristig erkennbar sein und darf nicht dem Zufall von Wahlausgängen unterliegen. Dann zeigt sich auch die Wirtschaft kooperationsbereit, wie das Beispiel Dänemark zeigt. Diesem kleinen Land ist es dank seiner konsequenten Politik des Vorrangs für effizienten Einsatz erneuerbarer Energien gelungen, seinen Energieverbrauch auf dem Niveau von 1973 zu halten und seine CO2-Emissionen zu stabilisieren. Will Österreich seinen internationalen Verpflichtungen in Sachen CO2-Reduktion und den Zielvorgaben des Weißbuches der Europäischen Kommission gerecht werden, sollte es einen ähnlichen Weg einschlagen.

FURCHE-Navigator Vorschau