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Nur erneuerbare Energie hat Zukunft

1945 1960 1980 2000 2020

Das Wort erneuerbar sei, im Zusammenhang mit Energie gebraucht, ein Zauberwort der Öko-Religion, kritisierte Richard Kerschhofer in Furche 14/1999. Eine Replik auf diese Kritik im folgenden Beitrag.

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Das Wort erneuerbar sei, im Zusammenhang mit Energie gebraucht, ein Zauberwort der Öko-Religion, kritisierte Richard Kerschhofer in Furche 14/1999. Eine Replik auf diese Kritik im folgenden Beitrag.

Richard Kerschhofer weiß, daß alles Leben auf der Erde erlischt, wenn der Fusionsreaktor Sonne keine Energie mehr spendet. Dies wird möglicherweise in Milliarden Jahren geschehen. Wir haben darauf keinen Einfluß.

Aber dadurch, daß wir Öl, Gas, Kohle und Uran aus der Erde graben, Erdwärme nutzen und eine chemische Landwirtschaft betreiben, zerstören wir schon jetzt unsere Lebensbedingungen auf der Erdoberfläche (Erwärmung, CO2 aus dem Meer, Pole schmelzen ab, Stürme, Sturzfluten und Klimaextreme nehmen rasch zu). Es sind, wenn wir uns nicht in die ökologischen Kreisläufe der Natur einfügen, zirka eine Milliarde Tote im nächsten halben Jahrhundert (siehe die EU-Studie "The costs of Climate Change") zu erwarten.

Durch die Nutzung der nicht erneuerbaren Energien (Öl, Gas, Kohle, Erdwärme, Kernspaltung und Kernfusion) können wir die Species Mensch in einem Jahrhundert auslöschen. Die unglaubliche Dummheit der fossilen Energienutzung ergründen wir erst, wenn wir uns mit der Entwicklungsgeschichte der Erde und ihrem Endprodukt, dem grünen Kreislauf geschlossenem Produktionssystem, welches die zehnfache heutige Weltbevölkerung ausreichend mit Energie und Lebensmittel über Milliarden Jahre versorgen kann, befassen.

Dann begreifen wir, daß die nicht erneuerbaren Energien nicht "böse" sind, sondern (über Milliarden Jahre aus der Atmosphäre über den Assimilationsprozeß der Pflanzen im Inneren der Erde abgespeichert) unser Überleben nur dann sichern, wenn wir sie nicht nutzen. Die Atmosphäre wurde für uns Menschen erst durch diese Speicher lebensfähig. Diese Abspeicherung vollzieht sich heute noch langsam am Meeresgrund.

Umstieg erzwingen Entsprechend dieser Erneuerbarkeit dürften wir auch tatsächlich fossile Energie nutzen. Die fossile Erneuerbarkeit vollzieht sich aber tausendmal langsamer, als wir Öl, Gas und Kohle aus der Erde graben.

Das Problem liegt nun darin, daß wir in den letzten fünfzig Jahren praktisch die gesamte Weltwirtschaft auf Basis der letztlich für uns tödlichen Energieträger Öl, Gas, Kohle, Erdwärme und Atom gestellt haben und sich nur noch wenige die notwendige, rasche Umstellung auf erneuerbare Energie vorstellen können.

Die Besteuerung - wie auch bei uns geplant - der nicht erneuerbaren Energien würde am sichersten diesen Umstieg erzwingen. Nachdem wir damit ein riesiges und teures Fehlverhalten abschaffen, kann es uns dabei nur besser gehen: So hätte zum Beispiel das große Steuerpaket 50 Milliarden Schilling Ökosteuern bringen können - bei zwei Millionen Haushalten hätte dies eine Belastung von 25.000 Schilling je Haushalt und Jahr bedeutet. Wir hätten uns damit aber im Gegenzug mindestens 60 Milliarden Schilling an Energieimporten erspart, ebenso wie 40 Milliarden Schilling an Arbeitslosengeldern. Denn die inländische, erneuerbare Energie könnte zirka 400.000 neue Arbeitsplätze im Inland schaffen (worüber ich gerne genauer Auskunft gebe). Weitere 2.000 Milliarden Schilling, die uns die fossile Energieumsetzung pro Jahr an Umweltzerstörung beschert, werden in diese Rechnung gar nicht einbezogen.

Wir könnten also mit einer solchen Steuerreform insgesamt rund 100 Milliarden Schilling oder 50.000 je Haushalt sparen. Niemand sagt den Familien, daß, wenn die Ökosteuer richtig eingeführt wird, jeder Haushalt mindestens um 25.000 Schilling pro Jahr besser aussteigt, aber gleichzeitig das Wohlbefinden durch die saubere Umwelt, gesündere Lebensmittel und gesicherte Arbeitsplätze steigt.

Mindestens 50 Prozent des Artikels von Herrn Kerschhofer stellen ein polemisches Wortgeplänkel dar, auf das ich nicht eingehen möchte.

Biomasse nutzen Natürlich ist die Wasserkraft erneuerbar, wie Kerschhofer betont, aber gerade Kleinwasserkraftwerke sind ökologisch mit Vorsicht zu genießen. Außerdem ist das Wasserkraftpotential in den meisten Ländern mindestens eine Zehnerpotenz kleiner als das Biomassepotential.

Die jährliche, direkte Sonneneinstrahlung ist übrigens zehntausendmal größer als der gesamte Jahresverbrauch der Welt an fossiler Energie.

Vielen Wissenschaftern ist die Wirtschafts- und Technikfeindlichkeit ein ernstes Anliegen. Es ist nun aber heute klar, daß wir den Wandel von der ausbeuterischen und tödlichen linearen Wirtschaftsform, die uns ein einseitiges hochwissenschaftliches Spezialistentum im letzten Jahrhundert beschert hat, hin zu einer - der Natur abgeschauten - ökologischen Kreislaufwirtschaft schaffen müssen. Dazu werden wir die Wissenschaft und Technik dringend brauchen, aber eine neue ökologisch orientierte und verfeinerte Wissenschaft und Technik!

Der Autor leitet das Institut für Alternative Energienutzung der Technischen Universität Graz.

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