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Von Ol auf „Pellets” umsteigen

Etwa 26 Prozent des Energieverbrauchs unseres Landes werden mit erneuerbaren Energieträgern gedeckt. Nahezu die Hälfte davon stammt aus der Nutzung von Biomasse. Die besteht in erster Linie in der Verbrennung von Holz in Hackschnitzelanlagen oder Stückholzkesseln, aber auch in der Vergärung organischer Abfälle (Biogas).

In Osterreich erfolgt die Verfeue-rung von Biomasse zur Energiegewinnung zu 59 Prozent in Kleinanlagen (im wesentlichen Haushalte), zu 35 Prozent durch Industrie und Gewerbe und zu sechs Prozent in der Nahwärmeversorgung. Erneuerbare Energieträger sind ein zentraler Hoffnungsträger bei der Verminderung des Treibhauseffekts: Das bei der Verbrennung von Biomasse freigesetzte Kohlendioxid wird durch das Nachwachsen des Bohstoffs wieder gebunden.

Biomasse wird jedoch viel zu wenig genutzt. Bäume aus der Durchforstung und Feldabfälle bleiben liegen, weil sich ihre Verwertung für die Eigentümer nicht rentiert. Das Schließen der Stoffkreisläufe unterbleibt wegen einer unvernünftigen Preispolitik: Eine Kilowattstunde (kWh) Energie aus Hackschnitzel-Kleinanlagen kostet durchschnittlich 1,90 Schilling. Beim Einsatz von Erdgas zahlt der Konsument nur etwa 1,40 Schilling/kWh.

Neben dem finanziellen Argument sprechen oft die zum Teil mangelhafte Versorgungslogistik, der große Lagerbedarf für Brenngut und technische Probleme gegen eine Biomasse-Feuerungsanlage. Bei Kleinanlagen war von 1993 bis 1995 ein Bückgang des Holzheizkesselabsatzes in der Höhe von 15 Prozent zu verzeichnen.

Im letzten lahr war wenigstens bei Hackschnitzelheizungen wieder ein positiver Trend zu erkennen: 1996 wurden um 40 Prozent mehr Anlagen in Betrieb genommen als im Jahr davor. Trotzdem rechnen kritische Beobachter selbst bei einem Ausbau der

Biomasse:

Ein klimafreundlicher, also zukunftsträchtiger Energieträger, kommt wegen allzu billiger fossiler Energie nicht richtig zum Zug.

Förderungen mit einem leicht abnehmenden oder gleichbleibenden Trend des Biomasseeinsatzes in Haushalten.

Optimistischere Varianten erwarten bei der Durchsetzung bereits geplanter Förderungen eine Stagnation und Steigerungsraten von zwei bis drei Prozent bei Erhöhung der Energiesteuer. Erst ab 2005 kann man vielleicht mit einem moderat steigenden Anteil der Biomasse rechnen. Dies unter anderem deshalb, weil immer mehr komfortable vollautomatische Hackschnitzel- und vor allem Pelletheizungen zum Einsatz kommen sollten.

Starke Zuwächse der Altholznutzung werden schon jetzt bei Industrie und Gewerbe erwartet, wie eine Umfrage des Ökologie Institutes unter österreichischen Experten über die Einschätzung der zukünftigen Biomasse-Nutzung in Österreich ergab.

Auch das Energieszenario des nationalen Umweltplanes (NUP) und das Szenario des Wirtschaftsforschungsinstitutes prognostizieren einen leichten Bückgang oder eine Stagnation des dezentralen Einsatzes von Biomasse.

Statt zur Baumheizung in Etagen-, Einzel- und Zentralheizungen soll Biomasse verstärkt in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eingesetzt werden. Außerdem werden, so die Prognosen, andere erneuerbare Energieträger und Fernwärme überdurchschnittlich stark expandieren.

Der Einsatz von Biomasse in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen ist ebenso sinnvoll wie der Ausbau der Fernwärmeversorgung und die forcierte Nutzung anderer erneuerbarer Energieträger. Das bedeutet jedoch nicht, daß Kleinanlagen ihre Bedeutung verlieren. Denn wichtig ist die Ausgewogenheit von Energienachfrage und -angebot.

Bei der Wahl der optimalen Energieversorgung ist die regionale Struktur von großer Bedeutung. Folgende Fragen müssen beantwortet wer-den:Ist die Begi-on durch landwirtschaftliche Produktion gekennzeichnet, deren Abfälle sich zur Vergärung und zur Biogasgewinnung eignen? Gibt es Beserven an Durchforstungsholz? Ist die Begion durch holzverarbeitende Betriebe geprägt, die die Energieversorgung der unmittelbaren Umgebung mitgestalten könnten? Und: welche Energiekonsumenten gibt es in der Begion?

Für Nahwärmeversorgungsnetze sind hohe Anschlußdichten erforderlich. Sind diese nicht gegeben, können Biomasse-Kleinanlagen eine sinnvolle Form der Energieversorgung darstellen. Zumindest unter dem Aspekt der Verminderung des Klimagases Kohlendioxid. Aber unter Kostengesichtspunkten? Hier wird die Preisentwicklung für fossile Energieträger und eine steuerliche Begünstigung erneuerbarer Energieträger eine entscheidende Bolle für den Anteil der Biomassenutzung spielen.

Für einen weiteren wichtigen Aspekt, nämlich die komfortable Handhabung der Biomasse, scheint eine Lösung gefunden: Die Pellets kommen. Diese dicht gepreßte Biomasse in Form von rieselfähigem Schüttgut hat viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Hackschnitzeln oder Stückgut: hohe Energiedichte und damit geringer Lagerbedarf, pro: blemloser Brennstofftransport und geringe Emissionen. Dem Pelletmarkt werden daher hohe Steigerungsraten vorausgesagt. Es wird sogar der Umstieg von Öl auf Pelletheizungen erwartet.

Hackschnitzelöfen sind mit wenigen Adaptionen auch mit Pellets befeuerbar. Pellets scheinen die Biomasse-Hof fnungsträger zu sein. Doch unter Umständen fehlt es am Boh-stoff für ine kostengünstige Pelletproduktion. Derzeit werden Pellets aus Hobelspänen hergestellt, die nur begrenzt zur Verfügung stehen.

Günstig sind Hobelspäne deshalb, weil sie bereits trocken anfallen und direkt verpreßt werden können. Bei einem Ausbau der Pelletheizungen würden Hobelspäne in Österreich bald zur Mangelware werden. Um den steigenden Bedarf zu decken, müßten zusätzlich etwa Sägespäne eingesetzt werden. Diese muß man jedoch vor der Verarbeitung trocknen, was zusätzliche Kosten verursacht und energetisch weniger effizient wäre. Mit zunehmender Nachfrage und Produktion würden daher die Preise der Pellets steigen.

Derzeit könnten in Österreich insgesamt 20.000 bis 25.000 Tonnen Pellets pro Jahr erzeugt werden. Für die Versorgung von 100.000 Wohneinheiten (diese Zahl soll laut Umfrage des Ökologie-Institutes in zehn Jahren erreicht sein) wären jährlich 400.000 Tonnen Pellets notwendig. Dafür müßten die Produktionskapazitäten vervielfacht werden.

Der klimafreundliche Energieträger Biomasse sieht im Moment keinen hoffnungsvollen Zeiten entgegen. Ohne höhere Preise für fossile Energieträger, die Lösung der unbefriedigenden Fördersituation und vor allem eine koordinierte Biomassestrategie für Österreich wird sich daran nichts ändern.

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