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IST DIE BIOMASSE EINE ALTERNATIVE?

In Österreich wird in etwa 20 Prozent aller Haushalte mit Biomasse geheizt. Im Waldviertel sind es gar 70 bis 80 Prozent, die auf den erneuerbaren Rohstoff Holz zurückgreifen. Erich Wagner vom Institut für Energiewirtschaft an der Technischen Universität (TU-) Wien weist darauf hin, daß vor allem ältere Ofenmodelle um den Faktor 200 bis 300 schlechter heizen als Anlagen, die etwa mit Heizölleicht betrieben sind. „Moderne Heizungen mit automatischer Regelung, die kontinuierlich Hackgut verbrennen, kommen jedoch viel eher an die Leistung der Heizölanlagen heran."

Die geringe Leistung alter Heizanlagen ist aber eher noch ein geringes Problem, gemessen an den gesundheitlichen Belastungen, die durch sie entstehen können. Die kritische Phase bei der Holzverbrennung ist die Anbrennphase. Bei ihr muß Energie zugeführt werden, um Feuchtigkeit und flüchtige Stoffe aus dem Holz zu bringen. Die anfangs niedrigen Temperaturen und eine oftmals schlechte Luftzufuhr während des ansonsten unproblematischen Brennvorgangs bewirken, daß eine Reihe von giftigen Stoffen unverbrannt entweicht, unter anderem polyzyklische Aromate, die krebserregend sind.

Viel weniger Probleme macht da ein Kachelofen, da die Anbrennphase verkürzt und die Wärmespeicherfä-higkeit viel höher ist. Größere Anlagen arbeiten nach dem Prinzip, daß dauernd genügend Luft für die Verbrennung vorhanden ist und die Heizleistung mittels Zufuhr von neuem Brennstoff geregelt wird.

Wagner verweist auf Anlagen im ländlichen Raum, die mit Hackschnitzeln, gepreßten Spänen aus Holzabfällen und Rinde, arbeiten. Gerade in der Nähe von Sägewerken sind solche Anlagen sinnvoll. Sie versorgen mehrere Haushalte zugleich. Strittig ist, ob Holz„abfälle" aus dem Wald gesammelt werden sollen, um weiteres Heizmaterial zu bekommen. Denn alte Äste und sonstiges Material spielen eine nicht unwesentliche Rolle im ökologischen Gleichgewicht eines Waldes. Besonders das systematische Sammeln von Klaubholz ist eher problematisch.

Viel Energie verpufft ungenutzt, wenn auf den Feldern Stroh verbrannt wird. Für moderne Biomasseanlagen wäre das ein relativ gutes Brennmaterial. Größere Bedeutung mißt Wagner allerdings der Nutzung von Biogas bei. Aus der in Silos gelagerten Gülle sowie bei Mülldeponien entweicht Methangas, das den Treibhauseffekt stärker anheizt als COr

Wird dieses Gas aufgefangen, kann es in entsprechenden Anlagen verbrannt, oder direkt für Motoren eingesetzt werden. Auch über Wärme-Kraft-Kupplungen ist Energiegewinnung möglich. So kann ein Hof mit 30 bis 50 Rindern den gesamten Energiebedarf für Heizung und Warmwasser mit Biogas decken.

Angesichts der Probleme, die durch exzessiv auf die Felder aufgebrachte Gülle (Gefährdung des Grundwassers) und durch die Explosionsgefahr des Methangases bei Mülldeponien entstehen, kommt der Biogasnutzung auch eine große umweltpolitische Bedeutung zu. Bei Deponien, in denen ohnehin Anlagen vorhanden sind, um das Gas abzupumpen, wäre der technische Aufwand für eine solche Nutzung gar nicht sehr groß. Auch bei Komposthaufen ist eine sinnvolle Verwendung der entstehenden Wärme leicht zu verwirklichen.

In den letzten Jahren ist auf dem Gebiet der Energiegewinnung aus Biomasse ein neuer Hoffnungsträger aufgetaucht: das sogenannte Elefantengras oder auch Chinaschilf. Es enthält drei- oder vierwertige Kohlenstoffverbindungen und birgt deswegen mehr Energie, etwa als Holz.

Seine Vorteile: es wächst schnell und ist leicht anzubauen. Derzeit sind die mit Elefantengras betriebenen Anlagen, von denen es auch eine in Österreich gibt, allerdings alle im Versuchsstadium. Wagner gibt zu bedenken, daß importierte Pflanzen meist auch unbekannte Schädlinge miteinschleppen, die dann große Probleme machen können.

Für viele Schlagzeilen sorgte eine andere Form der Energiegewinnung aus erneuerbaren Stoffen: der Biosprit. Auch wenn die Anwendung technisch möglich ist, kann jedoch der Anbau seines Rohstoffs (etwa der von Raps) mit dem Einsatz von viel Stickstoffdünger verbunden sein. Das bringt nicht nur Grundwasserprobleme, sondern erfordert selbst wieder einen erheblichen Energieeinsatz.

Momentan ist vor allem die technische Verbesserung bestehender Biomasseanlagen das vordringlichste Ziel, um die Emissionen in den Griff zu bekommen. Der wesentliche Grund, warum es nicht viel mehr solcher Anlagen gibt, ist, daß sie kostenmäßig unrentabel sind. Öl und Kohle ist eben viel billiger, obwohl deren Belastungen für Mensch und Umwelt noch viel größer sind.

.Letztlich ist jede Form der erneuerbaren Energie, also auch die aus der Biomasse, eine Abart der Sonnenenergie. Es stellt sich die Frage, ob die direkte Nutzung dieser Energie nicht viel sinnvoller und zukunftsweisender ist. Da ließe sich viel zu einer besseren Energiebilanz beitragen." (Wagner)

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