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Verschwendung bewußt machen

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Energiesparen: Obwohl seit 20 Jahren vom Sparen geredet wird, bleibt es eine wichtige „Energiequelle” der Zukunft. Im folgenden ein Uberblick.

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Energiesparen: Obwohl seit 20 Jahren vom Sparen geredet wird, bleibt es eine wichtige „Energiequelle” der Zukunft. Im folgenden ein Uberblick.

Ob in Oberösterreich gegen das Wasserkraftwerk Lambach oder in Deutschland gegen den Transport der Castor-Behälter mit Atombrennstäben demonstriert wird - immer wieder taucht die These auf, daß Energiesparen die billigere Alternative sei. Als Gegenargument wird dann in die Schlacht geworfen, daß hier wohl ein Leben in der Höhle bei Kerzenschein oder frieren bei 16 C Raumtemperatur gemeint sei.

Beschäftigt man sich jedoch genauer mit der Problemstellung, so erkennt man sehr schnell, daß es sich hier lediglich um Killerargumente handelt. Energie wird zumeist sorglos verwendet und allein der bewußtere Umgang mit dieser könnte ein erhebliches Einsparpotential realisieren. Auch die heutige Technik ermöglicht es, immer effizienter mit der Energie umzugehen.

Energiesparen kam in den frühen siebziger und in der Mitte der achzi-ger Jahre durch den ersten und zweiten Ölschock in „Mode”. Seit Beginn der neunziger Jahre steht nun nicht mehr die Verknappung der Rohstoffe im Mittelpunkt der Diskussion, sondern vielmehr ein geändertes Bewußtsein hinsichtlich der Schöpfung. Seither geht es um den Verzicht auf ökologisch oder gesellschaftspolitisch bedenkliche Energiequellen. Neben dem „effizienterem Einsatz ————>

der Energie” auch als Energiesparen bezeichnet - besteht die Möglichkeit, verstärkt auf erneuerbare Energie wie Biomasse, Solarenergie und Windkraft zurückzugreifen. Die dabei verwendeten Technologien sind sozial akzeptiert und stellen eine sinnvolle Verbreitung der Versorgung mit lokal erzeugter Energie dar.

Rund 40 Prozent der österreichischen Endenergie (863 Petajoule, PJ) werden für Raumwärme und Warmwasser aufgewendet. Das Einsparpotential in diesem Rereich wird auf über 50 Prozent geschätzt. Während österreichische Haushalte pro Jahr im Durchschnitt zum Heizen rund 180 Kilowattstunden je Quadratmeter (kWh/m2) benötigen, gelang es in Dänemark, durch gezielte Steuerpolitik diesen Wert auf etwa 70 kWh/m2 zu senken, Tendenz weiterhin fallend.

Eine Untersuchung über den Energieverbrauch im Salzburger Fremdenverkehr wies nach, daß im Sommer eigentlich jeder Gast zwei Vollbäder pro Übernachtung nehmen müßte - so ineffizient findet die Warmwasseraufbereitung in den Hotels statt. Der Einsatz von Solarenergie bietet sich da geradezu an.

Im Rereich der verbesserten Gebäudedämmung bei Neubauten ist Osterreich aktiv. Vorreiter auf diesem Sektor ist Vorarlberg. Durch die allemanische Sparneigung, aber auch durch ein gutes Förderinstrument gelang es, den Heizenergiebedarf von Neubauten auf durchschnittlich 55 kWh/m2 pro Jahr zu senken. Auch im Bundesland Salzburg wurde durch eine auf Energieeffizienz ausgerichtete Förderungspolitik in den letzten Jahren erhebliche Erfolge erreicht.

Die Mehrkosten von lediglich zwei bis drei Prozent werden zumeist durch die Förderung gedeckt, wobei die damit finanzierten Maßnahmen Einsparungen von bis zu 30 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planungsvariante ergeben. Trotz der Erfolge in diesem Bereich kommt es deswegen nicht zu einer wirklichen Energieeinsparung, weil die Gesamtnachfrage durch den Zuwachs an Wohnfläche nach wie vor steigt. Wirkliche Energieeinsparungen ergäben sich nur bei der Sanierung des Altbestandes. Hier ist in Österreich noch viel Kreativität gefragt.

Aber nicht nur durch die Gebäudehülle kann Energie gespart werden - auch die Umwandlung der Energie in Raumwärme und Warmwasser verursacht erhebliche, vermeidbare Verluste. Sowohl durch den Einsatz der Regelungstechnik als auch durch bessere Isolierung der Heizkessel konnten in den letzten Jahren die Jahreswirkungsgrade von Heizkesseln um über 25 Prozent gesteigert werden. In Österreich dürfte es einen überalterten Kesselbestand von rund 960.000 Anlagen geben. Deren Ersatz durch Neuanlagen würde eine Energieeinsparung von etwa vier Prozent der Endenergie bringen, was einer Energiemenge von einer Million Tonnen Heizöl entspricht.

Auch bei elektrischer Energie gibt es erhebliche Sparpotentiale. Das Vorarlberger Energieinstitut (früher: „Energiesparverein Vorarlberg”) untersuchte vor kurzem dieses Stromsparpotential. Schon in der Untersuchungsphase konnte allein durch die bessere Information über die Energienachfrage der Stromverbrauch um bis zu zehn Prozent gesenkt werden. Insgesamt wird das Stromsparpotential für diesen Bereich auf bis zu 30 Prozent angegeben.

Die Palette der Möglichkeiten reicht vom Einsatz von Energiesparlampen (die bei gleicher Beleuchtungsstärke 80 Prozent weniger Energie benötigen) bis zum Ersatz veral teter Haushalts gerate. Ihr Eher gieverbrauch (etwa der einei Kühlschranks) kann bis zum Zehnfachen höher sein als der eines Neugerätes. Aber selbst bei Neugeräten gibt es erhebliche Unterschiede. Eine effiziente Waschmaschine benötigt im Vergleich zu einem schlechten Neugerät lediglich die Hälfte, ein Kühlgerät lediglich ein Drittel.

Noch dramatischer schaut es bei den Geräten mit einer sogenannten „Stand-By”-Schaltung aus. Zwar geht es hier meist nur um einige wenige Watt, über das Jahr jedoch ergibt dies einen erheblichen Betrag. Niedrige Verbrauchswerte liegen bei zwei Watt, schlechte - aber durchaus marktübliche - bei zwölf Watt und mehr. Umgelegt auf alle österreichischen Fernseher würde dieser Unterschied eine Einsparung von 50.000 Tonnen Heizöl in einem kalorischen Kraftwerk bedeuten. Und dabei:

Stand-By-Schaltungen gibt es jedoch nicht nur bei Fernsehgeräten!

In öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Universitäten oder Schulen, wird zumeist sehr sorglos mit Energie umgegangen, da man ja für die Kosten nicht herangezogen wird. Den Leuten ist dabei viel zu wenig bewußt, wieviel Energie sie benötigen. Als einmal im Bahmen eines Projektunterrichtes die Schüler einer Volksschule jeden Tag den Stromverbrauch erfassen mußten, sank dieser schlagartig um 30 Prozent. Plötzlich war den Schülern bewußt, was ihr Handeln bewirkte.

Zum Teil gelingt es, den Einfluß ungünstigen Benutzerverhaltens durch Gebäudemanagementsysteme zu minimieren: Über einen zentralen Bechner erfolgt die Steuerung der Heizanlage, wobei es möglich ist, für die Bäume einen zeitlichen Temperaturverlauf vorzugeben (Einzelraumregelung).

Ein Beispiel: In der Hauptschule Großraming konnte auf diese Weise der Wärmeverbrauch um fast 30 Prozent reduziert werden. Dabei entstanden der Gemeinde nicht einmal Investitionskosten. Die Investition wurde im nachhinein über die eingesparten Energiekosten finanziert. Mit einer solchen Form der Finanzierung - sie wird Contracting genannt - läßt sich in Zukunft die Realisierung erheblicher Energieeinsparpotentiale erwarten.

Energiesparpotentiale bestehen aber nicht nur beim Verbrauch, sondern auch bei der Erzeugung von Energie. Wird Strom und Fernwärme im selben Kraftwerk erzeugt, so ergibt sich dadurch ein bis zu 30 Prozent geringerer Primärenergieeinsatz als bei getrennter Erzeugung. In Österreich wird dieser Weg seit langem gegangen, sodaß die kombinierte Erzeugung bereits den etwa dreifachen Umfang der reinen Stromerzeugung hat.

Einsparungen im Bereich des Verkehrs sind am schwierigsten zu erreichen. Die realen Preise für Treibstoff haben sich in den letzten Jahren erheblich reduziert, und eine auf Österreich beschränkte Verteuerung der Treibstoffe bewirkt vor allem Tanktourismus, aber kaum weniger Verbrauch. Derzeit gibt es lediglich die Möglichkeit, über Verkehrseinschränkung (etwa Parkpickerl) und „Road Pricing” relevante Erfolge zu erreichen, wobei gleichzeitig mögliche Alternativen (öffentlicher Verkehr, Radwegnetz) attraktiver zu machen sind.

Erst durch die Verteuerung der variablen Fahrzeugkosten wird dem Autofahrer bewußt, daß jeder Kilometer auch für ihn Kosten verursacht. Der spezifische Treibstoffverbrauch ist seit 1970 um über 22 Prozent gesunken, die Fahrleistung jedoch ungleich stärker gestiegen. Nach allen Prognosen wird der Energieverbrauch in diesem Bereich auch weiterhin zunehmen, was nicht zuletzt durch eine fehlerhafte Raumordnung, die Einkaufszentren auf der grünen Wiese ermöglichen, verursacht wird.

Generell - ob im privaten Bereich oder in einem Unternehmen - wird der Aufwand zur Steigerung der Energieeffizienz und somit auch zur Senkung der Energiekosten überbewertet. Der einfachste und billigste Einstieg dazu ist die Führung einer Energiebuchhaltung. Sie ist mit einem Controllinginstrument zu vergleichen, durch das es möglich wird, die Effizienz des Energieverbrauches besser zu bewerten: Regelmäßig wird der Energieverbrauch erfaßt und den Verbrauchern zugeordnet. Die Re-wertung erfolgt dann über die Analyse von Zeitreihen oder auch durch Vergleiche mit ähnlichen Objekten.

Auch hier sei aber noch einmal betont: Rereits das Transparentmachen des Energieverbrauches bewirkt meist einen effizienteren Umgang mit Energie, der es in Folge ermöglicht, auf ökologisch und sozialpolitisch bedenkliche Energie zu verzichten.

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