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50 Prozent weniger Strom bis 2011

Energieforschung hat einen wichtigen Schwerpunkt im Bereich von Naturwissenschaft und Technik. Hier stehen Fragen im Vordergrund, bei denen es um die technische Nutzung verschiedenster Energiequellen (Kohle, Wasserkraft, Atom-, Sonnen- oder Windenergie) und deren Umsetzung in bestimmte Formen von Energiedienstleistungen (Wärme, Beweglichkeit, Licht...) geht.

Technische Fragen stehen aber in engem Zusammenhang zum wirtschaftlichen Umfeld. Daher hat Energieforschung sich auch mit Fragen der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung auseinanderzusetzen.

Von wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen hängt zum Beispiel auch die Beantwortung der

Frage ab: Läßt sich in Zukunft Energie einsparen?

Eine Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Ökologie im Auftrag des Umwelt- und des Verkehrsministeriums erhebt derzeit die „Energiesparpotentiale für Österreich”. In einem Zwischenbericht wurden erste Ergebnisse festgehalten:

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die weiter oben angedeutete Erkenntnis, daß Energieverbrauch kein Selbstzweck sein kann. Energie ist vielmehr ein Mittel zum Zweck: Menschen und Güter zu befördern, Räume zu heizen oder zu beleuchten... Dies läßt sich aber, je nach der verwendeten Technik mit mehr oder weniger Energie erzielen.

Wie energiesparend die eingesetzte Technik ist, hängt von den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen ab. Mißt man der effizienten Nutzung erneuerbarer Energieträger, wie es die Untersuchung tut, einen hohen

Stellenwert zu, so zeichnen sich für Österreich durchaus beachtliche Einsparungsmöglichkeiten ab.

Das ergibt sich aus den Szenarien, die im Rahmen der Untersuchung herausgearbeitet wurden: • Die erste Variante geht davon aus, daß die Dinge sich so weiterentwickeln wie bisher: Szenario A zeichnet einen wirtschaftspolitischen Rahmen, in dem die Entscheidungen so getroffen werden, daß der Energieverbrauch nur ja nicht unterschätzt wird. Diese

Variante entspricht in etwa der Verbrauchsprognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes. Sie rechnet mit einem Anstieg des Gesamtverbrauchs bis zum Jahr 2011 um zehn Prozent im Vergleich zu 1990.

Selbst im Szenario A wird allerdings mit bestimmten verbrauchsmindernden Effekten gerechnet: Bei Raum wärme und Warmwasser werden die bereits bestehenden Bauvorschriften und die absehbare Erneuerung von Heizungsanlagen ebenso zum Tragen kommen wie Regelungen über Luftreinhaltung für Kesselanlagen und Mindestwirkungsgrade in der Industrie. Das Wirtschaftswachstum, die steigende Nachfrage und das Unterlassen einer gezielten Energiesparpolitik fallen aber insgesamt mehr ins Gewicht als die Einsparungen in diesem Szenario.

• Dieser möglichen Entwicklung wird das Umwelt-Szenario B gegenübergestellt, das eine realisierbare, ökologisch vertretbare Energiezukunft beschreibt. Zur Verwirklichung dieser Variante bedarf es gezielter Bemühungen zum Energiesparen. Es wird aber der Verzicht auf massive Eingriffe zur Umstrukturierung des Lebensstils der Bevölkerung und zur Neugestaltung der Wirtschaftspolitik unterstellt.

Szenario B ist geprägt von Bemühungen, alles an Verbesserungen durchzuführen, was schon heute als betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheint. Darüber hinaus sollten durch maßvolle gesetzliche Änderungen wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die zu weitergehender Energieeinsparung beitragen: Verbesserung der Wärmedämmung, Entwicklung weiterer energiesparender Technologien, Einsatz moderner und energietechnisch verbesserter Dampfkessel und Industrieöfen...

Auf diesem Entwicklungspfad ließe sich den Rechnungen zufolge der Energieverbrauch bis 2011 um 24 Prozent verringern, obwohl auch bei Szenario B von anhaltendem Wirtschaftswachstum und höherer Ausstattung mit Anlagen und Geräten ausgegangen wird. Betont wird, daß diese Variante einen Weg beschreibt, der es ermöglicht, die bei der Weltklima-Konferenz in Toronto festgelegte Zielvorgabe: „Reduktion der CO,-Emissionen bis 2005 (bezogen auf 1987) um 20 Prozent” zu verwirklichen.

• Als drittes wird ein Niedrig-Ener gie-Szenario gezeichnet. Es basiert auf der Annahme, daß in Österreich praktisch alle (auch zukünftigen) technischen und organisatorischen Möglichkeiten auch tatsächlich und rasch genutzt werden.

Szenario C setzt also eine massive Reglementierung voraus, kommt dabei aber auch zu einer Verringerung des Endenergieverbrauchs bis 2011 um 38 Prozent. Das Einschlagen dieses Weges würde sich vor allem in sehr beachtlichen Einsparungen beim Stromverbrauch niederschlagen:

In 20 Jahren könnte Österreich mit knapp der Hälfte der 1990 verbrauchten Elektrizität auskommen. Das ist ein Drittel von dem, was laut Szenario A erforderlich wäre, also wenn nichts Entscheidendes unternommen wird!

Daraus wird erkennbar, welche Bedeutung der politischen Entscheidung gerade auf dem Gebiet der zukünftigen Energieversorgung zukommt. Offenkundig wird auch, daß es keiner neuer Kraftwerke, wohl aber einer neuen Energiepolitik in Österreich bedarf.

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