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Erneuerbare sind ein Zukunftsmarkt

1945 1960 1980 2000 2020
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Eine Steuerreform steht auf dem Programm der neuen Bundesregierung. 2004 und 2005 sollen erste Schritte in Richtung Ökologisierung des Steuersystems gesetzt werden: eine zaghafte Entlastung bei den Lohnnebenkosten und eine stärkere Belastung fossiler Energieträger sind vorgesehen. Ein Energiesystem für das 21. Jahrhundert, das funktionsfähig bleibt, auch wenn das billige Erdöl ausgeht, wird allerdings deutlichere Signale in Richtung erneuerbare Energie brauchen. Österreich hat auf diesem Weg Nachholbedarf. Redaktion: Christof Gaspari

Von einer Ökologisierung des Steuersystems wird seit Jahrzehnten gesprochen. Auch die neue Regierung schmückt ihre Steuerpläne mit diesem Öko-Label. Und dennoch klingen Forderungen nach einem Umstieg auf erneuerbare Energie in den Ohren der meisten immer noch wie Wunschträume von Utopisten. Windkraft und Sonnenkollektoren - schön und gut, aber für eine moderne Wirtschaft nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Um das zurecht zu rücken, sei Folgendes in Erinnerung gerufen:

* Das Zeitalter des billigen Erdöls - mit einem Anteil von 37 Prozent der wichtigste Energieträger - geht aller Voraussicht nach in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts zu Ende. Weil Erdöl (und Erdgas) überwiegend aus Krisenregionen kommt, ist die Abhängigkeit von ihm zusätzlich problematisch.

* Weil enorm viel Kapital langfristig, auf 30 bis 40 Jahre, im Energiesektor gebunden ist, kann dessen Umstellung nur langsam stattfinden. Diese muss also rechtzeitig eingeleitet werden.

* Um umweltverträglich zu sein, muss das zukünftige Energiesystem aus erneuerbaren Energiequellen gespeist sein. Diese können den Bedarf nur dann decken, wenn der Umstieg auf Erneuerbare von gezielten Maßnahmen des Energiesparens begleitet wird.

* Auf dem Sektor der Erneuerbaren hat es enorme technische Fortschritte gegeben. Bei gezielter Förderung sind weitere Durchbrüche bei diesen Zukunftstechnologien zu erwarten.

Die EU-Kommission jedenfalls setzt auf Erneuerbare: Bis 2010 soll der Anteil an "grünem Strom" in der EU auf 22, jener von Biotreibstoffen auf 5,75 Prozent angehoben werden, ihr Anteil insgesamt auf zwölf Prozent verdoppelt werden. Eine Million Photovoltaik-Anlagen sind vorgesehen.

Dieser Umstieg, den Brüssel den EU-Staaten verordnet, findet in den skandinavischen Ländern schon seit Jahren statt. Am Beispiel von Finnland, Schweden und vor allem Dänemark erkennt man, was eine Paket von wirtschaftlichen Impulsen, steuer- und abgabepolitischen Maßnahmen sowie von Förderanreizen bewirken kann. Auf diesem Weg wird Dänemark im Jahr 2005 seinen Einsatz von Biomasse ( Stroh und Holz) in Kraftwerken verdreifachen und insgesamt verdoppeln.

Verantwortlich für diese Entwicklung war ein von der Regierung 1990 beschlossener Plan, der das Ziel verfolgte, die CO2-Emissionen bis 2005 um 20 Prozent zu senken. Energie- und CO2-Steuern wurden eingeführt. Gezielte Förderungen trugen dazu bei, der Wirtschaft den Umstieg zu erleichtern. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um die Energieträger effizient zu nutzen. Neue Kraftwerke sollten sowohl Strom wie auch Fernwärme liefern. Dänemark nimmt nun mit einem Anteil von 55 Prozent einen Spitzenplatz bei der Fernwärmeversorgung ein.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie eine Energiepolitik für morgen aussehen könnte. Die Anhebung einiger Abgaben und Steuersätze ist kein Ersatz für ein umfassendes Konzept, um das Österreich nicht herumkommen wird, zeigen doch die jüngsten CO2-Daten (Seite 22), dass wir uns laufend von der international zugesicherten Marke entfernen.

Mit ihrer konsequenten Politik haben die Skandinavier bei der Verfeuerung von Biomasse in großtechnischen Anlagen heute eine Vorreiter-Rolle. In dänischen Kraftwerk "Avedoere" gelang weiters der Beweis, dass man eine Anlage mit mehreren hundert Megawatt Leistung mit verschiedenen Brennstoffen gleichzeitig befeuern kann: Erdgas, Heizöl und Holzstaub aus Pellets. Erfolgreich waren die Dänen auch bei der Verfeuerung von Stroh in einer Großanlage (ebenfalls in Avedoere).

Dieser Erfolg hatte übrigens die Hoffnung genährt, dass so ein Werk auch in Wien errichtet werden könnte, liegt doch das Marchfeld, das auf über 100.000 Hektar Getreide produziert, in direkter Nachbarschaft - genug Stroh, um ein Großkraftwerk zu versorgen. Nun hat sich Wien zwar erfreulicherweise dazu entschlossen, ein Biomasse-Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung in Simmering zu errichten. Dieses Kraftwerk wird jedoch mit Holz befeuert werden, das über längere Strecken herangekarrt werden muss, als das Stroh, das fast vor der Tür wächst. Diese Beispiel zeigt, dass Österreich noch einen weiten Weg zur einer konsistenten Energiepolitik vor sich hat, obwohl es in manchen Bereichen schon jetzt über attraktive Regelungen verfügt (interessante Ökostrom-Tarife, Seite 23).

Ein Biodiesel-Boom

Österreich wird vor allem Maßnahmen setzen müssen, um Investitionen in neue Energie-Technologien attraktiv zu machen. Solche Impulse sollten rasch gesetzt werden. Denn außer den Skandinaviern haben sich auch andere Länder auf diesen Zukunftsmärkten einen Vorsprung erarbeitet: So erlebt Deutschland seit dem Jahr 2000 einen Boom beim Biodiesel. Im kurzen Zeitraum seither hat sich seine Produktionskapazität vervierfacht. Dank seiner Befreiung von der Mineralölsteuer ist Biodiesel derzeit um elf Cents billiger als normaler Treibstoff.

Spitzenreiter beim Einsatz von Alkohol als Treibstoff sind wiederum Schweden, die USA und Brasilien. Bioethanol wird - bis zu 25 Prozent - dem Benzin beigemischt. Brasilien deckt bereits ein Viertel seines Treibstoffbedarfes mit Alkohol. Große Fortschritte gibt es auch bei der Windenergie, die weltweit enorme Produktionszuwächse und stark fallende Produktionskosten (auf die Hälfte bis ein Drittel) aufweist.

Zum Zukunftsmarkt entwickelt sich auch die Erzeugung von Biogas. Hier liegt China mit fünf Millionen Anlagen an der Spitze. Das Marktpotenzial liegt dort aber bei 200 Millionen! Das macht deutlich, welche Möglichkeiten sich im Bereich Alternativ-Energie abzeichnen, übrigens auch in Indien, das über eines der größten staatlichen Förderprogramme für Erneuerbare verfügt. Länder nämlich, die noch über kein ausgebautes System traditioneller Energieversorgung verfügen, setzen vernünftigerweise schon jetzt verstärkt auf die neuen Technologien. Es gilt, auf diesem Zukunftsmarkt nicht den Anschluss zu verpassen.

Eine Steuerreform steht auf dem Programm der neuen Bundesregierung. 2004 und 2005 sollen erste Schritte in Richtung Ökologisierung des Steuersystems gesetzt werden: eine zaghafte Entlastung bei den Lohnnebenkosten und eine stärkere Belastung fossiler Energieträger sind vorgesehen. Ein Energiesystem für das 21. Jahrhundert, das funktionsfähig bleibt, auch wenn das billige Erdöl ausgeht, wird allerdings deutlichere Signale in Richtung erneuerbare Energie brauchen. Österreich hat auf diesem Weg Nachholbedarf. Redaktion: Christof Gaspari

Von einer Ökologisierung des Steuersystems wird seit Jahrzehnten gesprochen. Auch die neue Regierung schmückt ihre Steuerpläne mit diesem Öko-Label. Und dennoch klingen Forderungen nach einem Umstieg auf erneuerbare Energie in den Ohren der meisten immer noch wie Wunschträume von Utopisten. Windkraft und Sonnenkollektoren - schön und gut, aber für eine moderne Wirtschaft nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Um das zurecht zu rücken, sei Folgendes in Erinnerung gerufen:

* Das Zeitalter des billigen Erdöls - mit einem Anteil von 37 Prozent der wichtigste Energieträger - geht aller Voraussicht nach in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts zu Ende. Weil Erdöl (und Erdgas) überwiegend aus Krisenregionen kommt, ist die Abhängigkeit von ihm zusätzlich problematisch.

* Weil enorm viel Kapital langfristig, auf 30 bis 40 Jahre, im Energiesektor gebunden ist, kann dessen Umstellung nur langsam stattfinden. Diese muss also rechtzeitig eingeleitet werden.

* Um umweltverträglich zu sein, muss das zukünftige Energiesystem aus erneuerbaren Energiequellen gespeist sein. Diese können den Bedarf nur dann decken, wenn der Umstieg auf Erneuerbare von gezielten Maßnahmen des Energiesparens begleitet wird.

* Auf dem Sektor der Erneuerbaren hat es enorme technische Fortschritte gegeben. Bei gezielter Förderung sind weitere Durchbrüche bei diesen Zukunftstechnologien zu erwarten.

Die EU-Kommission jedenfalls setzt auf Erneuerbare: Bis 2010 soll der Anteil an "grünem Strom" in der EU auf 22, jener von Biotreibstoffen auf 5,75 Prozent angehoben werden, ihr Anteil insgesamt auf zwölf Prozent verdoppelt werden. Eine Million Photovoltaik-Anlagen sind vorgesehen.

Dieser Umstieg, den Brüssel den EU-Staaten verordnet, findet in den skandinavischen Ländern schon seit Jahren statt. Am Beispiel von Finnland, Schweden und vor allem Dänemark erkennt man, was eine Paket von wirtschaftlichen Impulsen, steuer- und abgabepolitischen Maßnahmen sowie von Förderanreizen bewirken kann. Auf diesem Weg wird Dänemark im Jahr 2005 seinen Einsatz von Biomasse ( Stroh und Holz) in Kraftwerken verdreifachen und insgesamt verdoppeln.

Verantwortlich für diese Entwicklung war ein von der Regierung 1990 beschlossener Plan, der das Ziel verfolgte, die CO2-Emissionen bis 2005 um 20 Prozent zu senken. Energie- und CO2-Steuern wurden eingeführt. Gezielte Förderungen trugen dazu bei, der Wirtschaft den Umstieg zu erleichtern. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um die Energieträger effizient zu nutzen. Neue Kraftwerke sollten sowohl Strom wie auch Fernwärme liefern. Dänemark nimmt nun mit einem Anteil von 55 Prozent einen Spitzenplatz bei der Fernwärmeversorgung ein.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie eine Energiepolitik für morgen aussehen könnte. Die Anhebung einiger Abgaben und Steuersätze ist kein Ersatz für ein umfassendes Konzept, um das Österreich nicht herumkommen wird, zeigen doch die jüngsten CO2-Daten (Seite 22), dass wir uns laufend von der international zugesicherten Marke entfernen.

Mit ihrer konsequenten Politik haben die Skandinavier bei der Verfeuerung von Biomasse in großtechnischen Anlagen heute eine Vorreiter-Rolle. In dänischen Kraftwerk "Avedoere" gelang weiters der Beweis, dass man eine Anlage mit mehreren hundert Megawatt Leistung mit verschiedenen Brennstoffen gleichzeitig befeuern kann: Erdgas, Heizöl und Holzstaub aus Pellets. Erfolgreich waren die Dänen auch bei der Verfeuerung von Stroh in einer Großanlage (ebenfalls in Avedoere).

Dieser Erfolg hatte übrigens die Hoffnung genährt, dass so ein Werk auch in Wien errichtet werden könnte, liegt doch das Marchfeld, das auf über 100.000 Hektar Getreide produziert, in direkter Nachbarschaft - genug Stroh, um ein Großkraftwerk zu versorgen. Nun hat sich Wien zwar erfreulicherweise dazu entschlossen, ein Biomasse-Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung in Simmering zu errichten. Dieses Kraftwerk wird jedoch mit Holz befeuert werden, das über längere Strecken herangekarrt werden muss, als das Stroh, das fast vor der Tür wächst. Diese Beispiel zeigt, dass Österreich noch einen weiten Weg zur einer konsistenten Energiepolitik vor sich hat, obwohl es in manchen Bereichen schon jetzt über attraktive Regelungen verfügt (interessante Ökostrom-Tarife, Seite 23).

Ein Biodiesel-Boom

Österreich wird vor allem Maßnahmen setzen müssen, um Investitionen in neue Energie-Technologien attraktiv zu machen. Solche Impulse sollten rasch gesetzt werden. Denn außer den Skandinaviern haben sich auch andere Länder auf diesen Zukunftsmärkten einen Vorsprung erarbeitet: So erlebt Deutschland seit dem Jahr 2000 einen Boom beim Biodiesel. Im kurzen Zeitraum seither hat sich seine Produktionskapazität vervierfacht. Dank seiner Befreiung von der Mineralölsteuer ist Biodiesel derzeit um elf Cents billiger als normaler Treibstoff.

Spitzenreiter beim Einsatz von Alkohol als Treibstoff sind wiederum Schweden, die USA und Brasilien. Bioethanol wird - bis zu 25 Prozent - dem Benzin beigemischt. Brasilien deckt bereits ein Viertel seines Treibstoffbedarfes mit Alkohol. Große Fortschritte gibt es auch bei der Windenergie, die weltweit enorme Produktionszuwächse und stark fallende Produktionskosten (auf die Hälfte bis ein Drittel) aufweist.

Zum Zukunftsmarkt entwickelt sich auch die Erzeugung von Biogas. Hier liegt China mit fünf Millionen Anlagen an der Spitze. Das Marktpotenzial liegt dort aber bei 200 Millionen! Das macht deutlich, welche Möglichkeiten sich im Bereich Alternativ-Energie abzeichnen, übrigens auch in Indien, das über eines der größten staatlichen Förderprogramme für Erneuerbare verfügt. Länder nämlich, die noch über kein ausgebautes System traditioneller Energieversorgung verfügen, setzen vernünftigerweise schon jetzt verstärkt auf die neuen Technologien. Es gilt, auf diesem Zukunftsmarkt nicht den Anschluss zu verpassen.