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Hoffnungsträger

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In drei Stunden strahlt die Sonne gleich viel Energie zur Erde, wie die gesamte Weltbevölkerung pro Jahr verbraucht. Dieses technisch bisher weitgehend ungenützte Potenzial erlebt derzeit endlich einen Aufschwung: Weg vom Hobby Umweltbewegter, hin zur industriellen Produktion. Sehr zur Verbreitung dieser Technologien tragen EU-Förderungen bei (Seite 14). Sie begünstigen die Verbesserung der Solar-Techniken (Seite 15) und die Entwicklung von Konzepten energiesparenden Bauens (Seite 16). Redaktionelle Gestaltung: Christof Gaspari

Ein Blick auf die Energiebilanzen Europas zeigt: Solarenergie spielt so gut wie keine Rolle: In Österreich deckten im Jahr 2000 Sonnenkollektoren - sie wandeln Sonnenenergie in Wärme um - gerade nur 1,06 Prozent des Warmwasser- und Raumheizungsbedarfs. Und die Photovoltaik, jene Technik, die Sonnenenergie direkt in Elektrizität wandelt, spielt eine noch geringere Rolle. Dabei gehört Österreich eher zu den Pionieren der Solartechnik. Ist diese also nach wie vor nur das Hobby von Bastlern und ökobegeisterten Häuslbauern?

Keineswegs, betonte Werner Weiß, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) anlässlich der Samstag zu Ende gegangenen Tagung "Solar 2002" im oststeirischen Gleisdorf. "Vor zehn Jahren, als die AEE die erste Fachtagung organisierte, fristeten sowohl Solarthermie als auch Photovoltaik ein Nischendasein." Damals hätten Handwerksbetriebe und Selbstbaugruppen Anlagen zur Warmwassernutzung gebaut. Heute würden solarthermische Anlagen aber industriell gefertigt und zu 50 Prozent zur Raumheizung eingesetzt. Tatsächlich kann Solarthermie heute als ausgereifte Technik mit beachtlichem Wachstumspotenzial angesehen werden (Seite 15): Plus 17 Prozent im Jahr. Mit einem Anteil von 60 Prozent an neu installierter Fläche (900.000 Quadratmeter) lag Deutschland im Jahr 2001 weit voran in der EU, gefolgt von Griechenland und Österreich (zwölf bzw elf Prozent).

25 Prozent Wachstumsraten

Wachsende Märkte auch bei der Photovoltaik (PV): "Während die technische Entwicklung weiter voranschreitet, kann festgehalten werden, dass PV heute für den Einsatz in dezentralen Energiesystemen und für die Energieerzeugung im kleinen Rahmen technisch ausgereift ist," erklärte Stefan Nowak, Direktor der "International Energy Agency" bei einer Tagung Ende September in Wien. Die industrielle Fertigung von PV-Modulen schreite voran, die Märkte für diese Produkte verzeichneten beachtliche Wachstumsraten von 25 Prozent im Jahr. Multinationale Konzerne investierten in neue Produktionsstätten.

Für die nächsten zehn Jahre könne man damit rechnen, dass "Stand-alone-Systeme" (ohne Netzanschluss) vor allem im ländlichen Raum und Systeme, die in Gebäude integriert und ans Netz angeschlossen sind, stark an Bedeutung gewinnen werden.

In beiden Bereichen gäbe es enorme Potenziale: 400 Millionen Haushalte in der Dritten Welt hätten keinen Zugang zu Elektrizität. Da sei PV die ideale Lösung, liefere sie doch Elektrizität, ohne dass teure Stromversorgungsnetze errichtet werden müssten. Und in den Industrieländern könne man etwa 20 bis 40 Prozent des Strombedarfs durch PV-Anlagen auf Häusern decken (Siehe Graphik Seite 15).

Woran liegt es aber, dass diese unerschöpfliche Energiequelle so wenig genutzt wird? Schließlich liefert die Sonne 15.000-mal mehr Energie, als jährlich aus Atomkraftwerken und der Verbrennung fossiler Energieträger kommen. Allein die auf Italien niedergehende Strahlung ist sechsmal größer als der jährliche Weltenergieverbrauch.

Derzeit Vorrang für Fossile

Die Bevorzugung fossiler Energieträger ist ein Erbe der industriellen Revolution. Der Einsatz von Kohle eröffnete damals ungeahnte Möglichkeiten der Energieverarbeitung und damit industrieller Produktion in großen Einheiten. Mittlerweile wurde Kohle von Erdöl und Erdgas verdrängt. Da sie ähnliche Merkmale wie die Kohle aufweisen, konnten sie jedoch ohne Schwierigkeiten die Märkte erobern: Große Unternehmen förderten mit einer anspruchsvollen, kapitalintensiven Technologie Bodenschätze, um in wachsenden Ballungsräumen Industrie und Konsumenten zentral zu versorgen. Und: Verbrennung ist das Grundprinzip der Energieumwandlung aller drei fossiler Brennstoffe.

Viele Kleinprojekte

Die Umwandlung der Solarenergie funktioniert jedoch nach anderen Prinzipien. Das erfordert neue Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen, die im Zeitalter billiger Energie jedoch schwer zu finanzieren sind. Außerdem passt Sonnenenergie nicht so recht in das System der großen Einheiten: Sie wird nicht zentral abgebaut und kommt vor allem in kleinen Einheiten zum Einsatz. An die Stelle von Großinvestitionen treten viele Kleinprojekte und an die Stelle der zentral gesteuerten Fremd- die Eigenversorgung mit Energie.

Damit ist die Umstellung auf Solartechnik mehr als nur der Ersatz einer Form der Energieversorgung durch eine andere. Man könnte sie als Vorreiter eines Paradigmenwechsels in der Wirtschaft ansehen: hin zur Nutzung erneuerbarer Ressourcen, zu Herstellungsverfahren mit wenig Nebenwirkungen, zum Abbau von Abhängigkeit im wirtschaftlichen Schlüsselbereichen.

Letzteres ist ein wesentliches Motiv dafür, dass die EU erneuerbare Energie, also auch Photovoltaik und Solarthermie (Seite 14) fördert. Denn die Union ist zu mehr als 50 Prozent von Energie-Importen abhängig. Wenn sie nun Solarenergie gezielt fördert, sollte dies zur erwähnten Dynamisierung der Märkte für Solarthermie und PV führen, damit diese Technik allgemein Verbreitung findet.

Denn derzeit ist sie immer noch sehr von Einzel-Initiativen geprägt, wie ein Blick auf die Verbreitung der PV in Österreich zeigt. Unter www.eurosolar.at ist der derzeitige Stand in der "Solarbundesliga der österreichischen Kommunen" nachzulesen: An der Spitze Gleisdorf mit 32,5 Watt pro Kopf gefolgt von Zwischenwasser in Vorarlberg. Am Ende Wien, Wolkersdorf und Schwechat (Plätze 68 bis 70). Sie scheinen wenigstens noch in der Liste auf - im Gegensatz zu Klagenfurt oder Graz.

In drei Stunden strahlt die Sonne gleich viel Energie zur Erde, wie die gesamte Weltbevölkerung pro Jahr verbraucht. Dieses technisch bisher weitgehend ungenützte Potenzial erlebt derzeit endlich einen Aufschwung: Weg vom Hobby Umweltbewegter, hin zur industriellen Produktion. Sehr zur Verbreitung dieser Technologien tragen EU-Förderungen bei (Seite 14). Sie begünstigen die Verbesserung der Solar-Techniken (Seite 15) und die Entwicklung von Konzepten energiesparenden Bauens (Seite 16). Redaktionelle Gestaltung: Christof Gaspari

Ein Blick auf die Energiebilanzen Europas zeigt: Solarenergie spielt so gut wie keine Rolle: In Österreich deckten im Jahr 2000 Sonnenkollektoren - sie wandeln Sonnenenergie in Wärme um - gerade nur 1,06 Prozent des Warmwasser- und Raumheizungsbedarfs. Und die Photovoltaik, jene Technik, die Sonnenenergie direkt in Elektrizität wandelt, spielt eine noch geringere Rolle. Dabei gehört Österreich eher zu den Pionieren der Solartechnik. Ist diese also nach wie vor nur das Hobby von Bastlern und ökobegeisterten Häuslbauern?

Keineswegs, betonte Werner Weiß, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) anlässlich der Samstag zu Ende gegangenen Tagung "Solar 2002" im oststeirischen Gleisdorf. "Vor zehn Jahren, als die AEE die erste Fachtagung organisierte, fristeten sowohl Solarthermie als auch Photovoltaik ein Nischendasein." Damals hätten Handwerksbetriebe und Selbstbaugruppen Anlagen zur Warmwassernutzung gebaut. Heute würden solarthermische Anlagen aber industriell gefertigt und zu 50 Prozent zur Raumheizung eingesetzt. Tatsächlich kann Solarthermie heute als ausgereifte Technik mit beachtlichem Wachstumspotenzial angesehen werden (Seite 15): Plus 17 Prozent im Jahr. Mit einem Anteil von 60 Prozent an neu installierter Fläche (900.000 Quadratmeter) lag Deutschland im Jahr 2001 weit voran in der EU, gefolgt von Griechenland und Österreich (zwölf bzw elf Prozent).

25 Prozent Wachstumsraten

Wachsende Märkte auch bei der Photovoltaik (PV): "Während die technische Entwicklung weiter voranschreitet, kann festgehalten werden, dass PV heute für den Einsatz in dezentralen Energiesystemen und für die Energieerzeugung im kleinen Rahmen technisch ausgereift ist," erklärte Stefan Nowak, Direktor der "International Energy Agency" bei einer Tagung Ende September in Wien. Die industrielle Fertigung von PV-Modulen schreite voran, die Märkte für diese Produkte verzeichneten beachtliche Wachstumsraten von 25 Prozent im Jahr. Multinationale Konzerne investierten in neue Produktionsstätten.

Für die nächsten zehn Jahre könne man damit rechnen, dass "Stand-alone-Systeme" (ohne Netzanschluss) vor allem im ländlichen Raum und Systeme, die in Gebäude integriert und ans Netz angeschlossen sind, stark an Bedeutung gewinnen werden.

In beiden Bereichen gäbe es enorme Potenziale: 400 Millionen Haushalte in der Dritten Welt hätten keinen Zugang zu Elektrizität. Da sei PV die ideale Lösung, liefere sie doch Elektrizität, ohne dass teure Stromversorgungsnetze errichtet werden müssten. Und in den Industrieländern könne man etwa 20 bis 40 Prozent des Strombedarfs durch PV-Anlagen auf Häusern decken (Siehe Graphik Seite 15).

Woran liegt es aber, dass diese unerschöpfliche Energiequelle so wenig genutzt wird? Schließlich liefert die Sonne 15.000-mal mehr Energie, als jährlich aus Atomkraftwerken und der Verbrennung fossiler Energieträger kommen. Allein die auf Italien niedergehende Strahlung ist sechsmal größer als der jährliche Weltenergieverbrauch.

Derzeit Vorrang für Fossile

Die Bevorzugung fossiler Energieträger ist ein Erbe der industriellen Revolution. Der Einsatz von Kohle eröffnete damals ungeahnte Möglichkeiten der Energieverarbeitung und damit industrieller Produktion in großen Einheiten. Mittlerweile wurde Kohle von Erdöl und Erdgas verdrängt. Da sie ähnliche Merkmale wie die Kohle aufweisen, konnten sie jedoch ohne Schwierigkeiten die Märkte erobern: Große Unternehmen förderten mit einer anspruchsvollen, kapitalintensiven Technologie Bodenschätze, um in wachsenden Ballungsräumen Industrie und Konsumenten zentral zu versorgen. Und: Verbrennung ist das Grundprinzip der Energieumwandlung aller drei fossiler Brennstoffe.

Viele Kleinprojekte

Die Umwandlung der Solarenergie funktioniert jedoch nach anderen Prinzipien. Das erfordert neue Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen, die im Zeitalter billiger Energie jedoch schwer zu finanzieren sind. Außerdem passt Sonnenenergie nicht so recht in das System der großen Einheiten: Sie wird nicht zentral abgebaut und kommt vor allem in kleinen Einheiten zum Einsatz. An die Stelle von Großinvestitionen treten viele Kleinprojekte und an die Stelle der zentral gesteuerten Fremd- die Eigenversorgung mit Energie.

Damit ist die Umstellung auf Solartechnik mehr als nur der Ersatz einer Form der Energieversorgung durch eine andere. Man könnte sie als Vorreiter eines Paradigmenwechsels in der Wirtschaft ansehen: hin zur Nutzung erneuerbarer Ressourcen, zu Herstellungsverfahren mit wenig Nebenwirkungen, zum Abbau von Abhängigkeit im wirtschaftlichen Schlüsselbereichen.

Letzteres ist ein wesentliches Motiv dafür, dass die EU erneuerbare Energie, also auch Photovoltaik und Solarthermie (Seite 14) fördert. Denn die Union ist zu mehr als 50 Prozent von Energie-Importen abhängig. Wenn sie nun Solarenergie gezielt fördert, sollte dies zur erwähnten Dynamisierung der Märkte für Solarthermie und PV führen, damit diese Technik allgemein Verbreitung findet.

Denn derzeit ist sie immer noch sehr von Einzel-Initiativen geprägt, wie ein Blick auf die Verbreitung der PV in Österreich zeigt. Unter www.eurosolar.at ist der derzeitige Stand in der "Solarbundesliga der österreichischen Kommunen" nachzulesen: An der Spitze Gleisdorf mit 32,5 Watt pro Kopf gefolgt von Zwischenwasser in Vorarlberg. Am Ende Wien, Wolkersdorf und Schwechat (Plätze 68 bis 70). Sie scheinen wenigstens noch in der Liste auf - im Gegensatz zu Klagenfurt oder Graz.