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Pioniere der Bionergie

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Die Steiermark hat was Umweltfragen anbelangt, in einigen Bereichen eine Vorreiterrolle, so auch bei der Nutzung von Biomasse als Energielieferant.

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Die Steiermark hat was Umweltfragen anbelangt, in einigen Bereichen eine Vorreiterrolle, so auch bei der Nutzung von Biomasse als Energielieferant.

In der Steiermark wurden 1979 die ersten damals in Europa weitgehend unbekannten Hackschnitzelfeuerungen auf landwirtschaftlichen und Sägebetrieben errichtet, und die Steirische Landwirtschaftskammer erstellte damals einen Vorschlag für ein grünes Energieprogramm. Anfang der achtziger Jahre verabschiedete die Steiermärkische Landesregierung einen Energieplan, der den Vorrang der heimischen erneuerbaren vor importierten fossilen Energieträgern vorsah.

Daneben wurde in der Effizienzverbesserung des Energiesystems der zweite große Schwerpunkt vorgegeben. Auch wenn diese Verordnung keinen unmittelbar verpflichtenden Charakter für die energierelevanten Entscheidungen im Lande hat, war sie doch eine wichtige Orientierungshilfe und psychologische Unterstützung.

Als die Olpreise in der zweiten Hälfte der 80er Jahre fielen, mußten für die Errichtung von Hackschnitzelfeuerungen und Biomasse-Wärmenetzen Investitions-Förderungen installiert werden. Die Einrichtung von Energieberatungsstellen wurde unterstützt. Damit konnte trotz der niedrigen Preise von Erdöl und Erdgas der Anteil der Rioenergie auf knapp 16 Prozent des steirischen Energiebedarfes angehoben werden.

So sind heute 97 Biomasse-Nahwärmeanlagen mit 142 Megawatt (MW) Heizleistung in Betrieb. Bund 2.900 kleine Hackschnitzelheizungen und zirka 10.000 Scheiterholzkessel sind mit modernster Verbrennungstechnik im Einsatz. Der Jahresbrennstoffverbrauch dieser Anlagen beträgt rund 500.000 Festmeter Holzäquivalent oder 3,6 Petajoule.

Neben diesen Neuentwicklungen auf dem Holzheizungssektor wurde besonders im Biotreibstoffbereich Pionierarbeit geleistet. Zunächst wurde nur aus Baps Bapsölmethylester hergestellt. In den letzten Jahren wurde die Biodieselerzeugung aus Altspeiseöl als zweites Standbein entwickelt. Auch wurde die Entwicklung von Schmierölen aus Baps vorangetrieben.

Im Bereich der nachwachsenden Bohstoffe wurde die Faserherstellung aus Flachs in einer neu errichteten Flachsschwinge aufgenommen. Die bei der Langfasergewinnung anfallenden Kurzfasern und Schaben werden mittlerweile erfolgreich als Dämmstoff in der Bauwirtschaft verwendet. Versuche, mit der Maisstärke in eine industrielle Produktion von Kunststoffersatz-Produkten einzusteigen, wurden unternommen.

Die Stromerzeugung aus Biomasse kam in den letzten Jahren verstärkt zum Tragen. Herkömmliche Dieselmotoren erzeugen Strom und Wärme mit Biodiesel. Zur Stromerzeugung wurden in den beiden letzten Jahren auch eine Anzahl von Biogasanlagen in Betrieb genommen. Leider sind die jüngsten Entscheidungen auf Bundesebene über die Einspeisetarife für Strom aus erneuerbaren Energieträgern nicht sehr förderlich für diese Initiativen.

Die Papier-Zellstoffmdustrie in der Steiermark betreibt zwei biomassebefeuerte Eigenstromerzeugungsanla-gen. In den nächsten Monaten geht ein Pilotprojekt - Biomassevergaser als Zusatzfeuerung bei einem Kohlekraftwerk - in den Probebetrieb.

Ziel der steirischen Energiepolitik -niedergeschrieben im letzten Landes-energieplan 1995 - ist die Anhebung des Bioenergieanteiles auf 20 Prozent bis zum Jahre 2000. Der Hauptanteil der zusätzlichen Bioenergie wird dabei im Baumwärmemarkt unterzubringen sein. Dabei hofft man vor allem, daß Holzpellets verstärkt für Zentralheizungen in kleinen Einfamilienhäusern Verwendung finden werden.

Durch die vollautomatische Einlagerung mittels Lankwagen für Holzpellets (ähnlich wie bei der Heizölzustellung) und den geringen Lagerraumbedarf (sechs bis acht Schüttraummeter für den Jahresbedarf eines Einfamilienhauses) erwarten wir eine starke Verbreitung dieser Anlagen. Eine Förderaktion für Ein-und Mehrfamilienhausbesitzer soll eine Starthilfe bringen. Längst ist Bioenergie nicht mehr nur ein Thema für die Land- und Forstwirtschaft. Die Hersteller von Hackschnitzelfeuerun-gen, Biomassenwärmeanlagen, Pelletfeuerungen und allen dazugehörigen Komponenten stellen einen nicht unbedeutenden Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor dar. Die erwähnten Investitionen in Bioenergieanlagen ergeben ein Auftragsvolumen von 3,5 Milliarden Schilling. Bei einer Intensivierung der Investitionstätigkeit wird jährlich in der Steiermark rund eine Milliarde Schilling an Aufträgen für Industrie- und Gewerbebetriebe mobilisiert. Dank des derzeit noch vorhandenen Technologievorsprungs werden damit auch die Exportchancen für Anlagenhersteller erhöht.

Österreichweit könnten durch ein forciertes Bioenergie-Ausbauprogramm Investitionen von jährlich rund sieben Milliarden Schilling ausgelöst und damit mindestens 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft, Gewerbe und Industrie geschaffen werden. Die CCvEin-sparung wird mit etwa 3,5 Millionen Tonnen angegeben. (Derzeit 61 Millionen Tonnen CCvEmissionen jährlich in Osterreich.) Die Bioenergie kann so einen nicht unbedeutenden Beitrag zur 20prozentigen Beduktion der fossilen CCvEmissionen zum Erreichen des Torontozieles beisteuern. Entscheidend für die Bealisierung dieser innovativen Programme ist die Herstellung fairer Wettbewerbsver hältnisse zwischen alten fossilen Ener gieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas und den erneuerbaren nachhaltigen Energiesystemen wie Bioenergie, Solar- oder Windenergie. Die Entlastung der Arbeitskraftstunden von Steuern und Abgaben sowie die Bereitstellung von ausreichend Investitionsanreizen ist erforderlich.

Aus historischer Sicht betrachtet stellt die derzeitige intensive Ausbeutung der fossilen Energieträger eine äußerst kurze Episode dar. Es ist dabei ziemlich unerheblich, ob die fossilen Vorräte noch weitere 100,200 oder 300 Jahre reichen. Das Urteil unserer Nachwelt über die exzessive Ausbeutung der fossilen Vorräte durch unsere Generationen wird schon jetzt ge schrieben. Es wird vernichtend ausfallen. Die Menschen verbrauchen gegenwärtig pro Jahr Vorräte, die in 500.000 Jahren entstanden sind. 1 )abei strahlt die Sonne jährlich 16.000mal mehr Energie auf die Erde als die Menschheit pro Jahr verbraucht.

Es kann also keinen Energiemangel auf der Erde geben. Woran es mangelt, ist die Innovations- und Entscheidungskraft der politischen Entscheidungsträger. Die Bolle der Medien soll dabei nicht vergessen werden. Wem) jeder vernünftige Vorschlag für ein rascheres Umsteuern in der Energiepolitik in der Luft zerrissen wird, tragen sie eine wesentliche Mitverantwortung und damit eine Mitschuld an der Verurteilung unserer Generation.

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