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Ein Ja zum Atomkraftwerk

1945 1960 1980 2000 2020

Vom 3. bis 10. November liegen zwei Volksbegehren zur Unterschrift auf. Es geht um die Art der Weiterverwendung des Kernkraftwerks Zwentendorf, das seit einer Volksabstimmung am 5. November 1978praktisch nur noch eine Ruine darstellt, nachdem sich eine Mehrheit der Österreicher gegen seine Inbetriebnahme ausgesprochen hatte. In dieser Woche kommen die A ntragsteller der Volksbegehren zu Wort. In den nächsten Nummern wird in mehreren Beiträgen ein umfassender Überblick über den Stand der Energiedebatte gegeben.

1945 1960 1980 2000 2020

Vom 3. bis 10. November liegen zwei Volksbegehren zur Unterschrift auf. Es geht um die Art der Weiterverwendung des Kernkraftwerks Zwentendorf, das seit einer Volksabstimmung am 5. November 1978praktisch nur noch eine Ruine darstellt, nachdem sich eine Mehrheit der Österreicher gegen seine Inbetriebnahme ausgesprochen hatte. In dieser Woche kommen die A ntragsteller der Volksbegehren zu Wort. In den nächsten Nummern wird in mehreren Beiträgen ein umfassender Überblick über den Stand der Energiedebatte gegeben.

Warum haben wir uns um die Durchführung eines Volksbegehrens zur Aufhebung des Atomsperrgesetzes bemüht? Weil sich seit 1978 sehr viel geändert hat:

Die erdölfördernden Länder haben den Preis für diesen Energieträger fast um das Dreifache erhöht. Der Preis für Erdgas stieg heuer bisher um 40 % und wird weiter rasant steigen. Die Gesamtenergieimporte sind in den letzten beiden Jahren insgesamt um 18 Prozent gestiegen. Wir haben 1978 für Energieimporte „nur" rund 25 Milliarden. Schilling bezahlt, 1980 werden wir bereits das Doppelte, nämlich rund 50 Milliarden, in Form von wertvollen Devisen ans Ausland bezahlen müssen.

Sämtliche internationalen Vereinigungen haben dieses Problem erkannt und empfehlen ihren Mitgliedsländern im Westen und Osten den verstärkten Einsatz der Kernenergie,' um herkömmliche Energieträger zu ersetzen.

Das Argument, daß Zwentendorf nur 2 Prozent des inländischen Energiebedarfs decken kann, gilt nicht, da Zwentendorf rund 12 Prozent der in Österreich verbrauchten elektrischen Energie, der hochwertigsten und saubersten Energieform überhaupt, liefern könnte. Zwentendorf hätte theoretisch bereits sämtliche erdölbetriebenen Wärmekraftwerke 1979 ersetzen können.

Unsere Nachbarländer setzen voll auf die Kernenergie, um durch billigen und sauberen Strom Erdöl, das zum Heizen verwendet wird, zu ersetzen. 41 Prozent der im Inland verbrauchten Energie wird von Haushalten und Kleinabnehmern abgenommen. Beim weiteren Ausbau der Kernenergie können daher von Ländern, die Kernenergie verstärkt nutzen, beträchtliche Mengen von öl, Gas und Kohle gespart werden.

Kernenergie erhöht sehr wohl die Unabhängigkeit vom Ausland, da die Brennstoffkosten, inklusive Wiederaufarbeitung und Endlagerung um ein Mehrfaches geringer sind als die Kosten herkömmlicher Brennstoffe. Kernbrennstoff für fünf Jahre benötigt nur den Platz eines Einfamilienhauses. Kohle für nur ein Jahr ist ein Berg von 2 Kilometer Länge, 300 Meter Breite und 40 Meter Höhe und könnte wegen der Gefahr der Selbstentzündung gar nicht in dieser Form gelagert werden.

Kernkraftwerke sind die betriebssichersten und saubersten Kraftwerke. Es hat in über 200 Kernkraftwerken noch keinen Toten gegeben. Selbst in Harrisburg kam niemand zu Schaden.

Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist technisch gelöst, in Österreich ist ein Endlager durchaus baubar. Das hat eine Studie der auf diesem Gebiet anerkanntesten Wissenschaftler bestätigt. Die Kosten würden rund 1,7 Milliarden Schilling betragen, die in der Strompreiskalkulation bereits enthalten sind. Auch die Kosten für eine Abtragung des Kraftwerks nach 30 Betriebsjahren ist im Strompreis einkalkuliert.

Strom aus Zwentendorf kostet rund 42 bis 47 Groschen je kWh, aus Kohle, Erdöl und Erdgas rund 60 bis 80 g/kWh (letzter Betrag bei Kohleentschwefelung). Alternativenergien wie Sonne, Wind und Erdwärme bringen aus Platz- und Landschaftserhaltungsgründen wenig und würden bis zehnmal so teuer sein.

Die Wasserkraft wird in fünfzehn Jahren fast zur Gänze ausgebaut sein (auch das letzte Gebirgstal ist dann zubetoniert und der letzte Auwald zerstört), ohne jedoch den Strombedarf, selbst bei gemäßigtem Verbrauchsanstieg, auch nur zu zwei Drittel decken zu können.

Die Kernenergiefrage ist in Österreich verpolitisiert worden und sollte nun aus dem Dunstkreis der Politik und der Emotionen herausgeführt werden. Unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder kann nur mit genügend Energie gesichert werden. Eine Politik des Mangels und das Zurück zur Natur würde zu schweren sozialen Unruhen und in der Folge zum Polizeistaat führen-nbsp;

Ing. Hubert Schöfnagl ist Produktionsleiter der Messer Griesheim Austria GmbH

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