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Sparen durch Ändern der Lebensgewohnheit

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Am Donnerstag dieser Woche grübeln Regierung und Regierungspartei bei einer Klausurtagung im Kärntner Ort Mallnitz vor allem auch über Energieprobleme. Man wird sich zuerst wohl auch auf eine gemeinsame Sprache einigen müssen: Bisher redeten alle vom „Pickerl" - und meinten zwei verschiedene. Eine neuerliche Erhöhung der Mineralölsteuer steht bevor. Und auch für eine neue Kfz-Steuer müssen die Weichen gestellt werden: den „Benzinfressern" geht es an den Kragen. Uber die anstehenden Probleme sprach Hannes Schopf mit Professor Peter Weiser, dem Chef der Energieverwertungsagentur (EVA).

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Am Donnerstag dieser Woche grübeln Regierung und Regierungspartei bei einer Klausurtagung im Kärntner Ort Mallnitz vor allem auch über Energieprobleme. Man wird sich zuerst wohl auch auf eine gemeinsame Sprache einigen müssen: Bisher redeten alle vom „Pickerl" - und meinten zwei verschiedene. Eine neuerliche Erhöhung der Mineralölsteuer steht bevor. Und auch für eine neue Kfz-Steuer müssen die Weichen gestellt werden: den „Benzinfressern" geht es an den Kragen. Uber die anstehenden Probleme sprach Hannes Schopf mit Professor Peter Weiser, dem Chef der Energieverwertungsagentur (EVA).

Energiesparen wird auch ein Schwerpunkt der bevorstehenden Regierungsklausur sein. Zuletzt wurde heftig darüber diskutiert, ob der Preis ein geeignetes Instrument ist. Während Vizekanzler Hannes Androsch eher zu dieser Auffassung tendierte, gab sich Kanzler Bruno Kreisky in dieser Frage eher zurückhaltend. Sehen Sie in den Energiepreisen einen Ansatzpunkt zum Energiesparen?

WEISER: Man muß - und darin dürfte die Ursache für die Meinungsverschiedenheit zwischen dem Bundeskanzler und dem Vizekanzler liegen, die ja nicht genau die gleiche Frage gefragt worden sind - zwischen den einzelnen Mineralölprodukten, dem Strom, dem Gas und der Kohle unterscheiden. Dort, wo eine unbedingte Notwendigkeit besteht, eine gewisse Energieart in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel beim Elektro-oder Gasherd, ist der Preis sicherlich kein Instrument zum Energiesparen, sondern eine Belastung der Bevölkerung.

Etwas anderes ist das bei Energiearten, wo kein Zwang zu einem bestimmten Verbrauch vorliegt, etwa bei Super- oder Normalbenzin. Aber schon bei Diesel ist das anders. Nun * hat man'den Bundeskanzler im Zusammenhang mit der Strompreisdebatte gefragt, und da war er sehr zurückhaltend. Der Vizekanzler hat hingegen im Zusammenhang mit den Benzinpreisen dazu Stellung genommen.

Wofür ist nun der Preis ein Instrument?

WEISER: Wenn wir jetzt von dem reden, was auf uns zukommt, nämlich von der Benzinpreiserhöhung, glaube ich an die Richtigkeit der Proske-Studie. Dieter Proske von der Nationalbank hat darin an Hand der Verbrauchs- und Energiepreisentwicklung ausgerechnet, welchen Effekt eine Preiserhöhung bei Benzin hat. Diese Studie sagt, daß bei einer zehnprozentigen Benzinpreiserhöhung ein Spareffekt von vier Prozent zu erwarten ist.

Und bei anderen Energieträgern, etwa bei Strom? Der energiepolitische Operationskalender der Regierung strebt ja ausdrücklich einen progressiv gestalteten Strompreis zur Reduktion des Stromverbrauches in Haushalten an.

WEISER: Darunter soll eine Veränderung der Tarifstruktur und nicht eine Preiserhöhung verstanden werden. Es ist also durchaus möglich, bei einer Änderung des Tarifs den Arbeitspreis beizubehalten. Dafür sagt man, das ist ein Modell, das in der BRD ausprobiert wird: der, der im Durchschnitt mehr verbraucht, wird zur Kasse gebeten. Es ist kompliziert, aber doch zu erklären:

Wir haben in Österreich genug Strom, sonst würde ja die Versorgung nicht klappen. Wir haben nur manchmal nicht genug Spitzenstrom: in den Spitzenbelastungszeiten morgens früh, mittags und am Abend. Das resultiert aus den Verbrauchsgewohnheiten. Gleichzeitig mit dem Anlaufen der Industrie kommt es etwa auch in den Haushalten zur größten Belastung. Am Tagesende ebenso: Abends kommen die Leute nach Hause und dann läuft das Warmwasser, der Elektroherd, die Waschmaschine, vielleicht sogar die Geschirrspülmaschine, natürlich

auch das Fernsehgerät. Zur gleichen Zeit sind in Österreich alle Saunen, die sehr viel verbrauchen, in Betrieb. Und da gibt es ein Modell, wo man sagt: Bei einer gleichzeitigen Inanspruchnahme von zu vielen Geräten läuft eifi zweiter Stromzähler, der den Mehrverbrauch anzeigt. Dieser Mehrverbrauch über dem Durchschnitt würde dann teurer.

Berufstätige können aber oft gar nicht anders ihre Haushaltsarbeit bewältigen. Es muß ja gekocht werden, man duscht sich, sieht fern. Brächte das nicht eine Benachteiligung?

WEISER: Es wird eine Umstellung in den Lebensgewohnheiten geben, aber das ist das mindeste, was man in der Zeit verlangen kann. Es geht ja nicht darum, etwas zu" tun, was eine Belastung bedeutet, sondern etwas zu verhindern, was man aus Bequemlichkeit tut. Die Leute verbringen ja nach Arbeitsschluß im Schnitt etwa fünf Stunden daheim; in diesen fünf Stunden kann man alles aufteilen. Wer das nicht will, muß mehr zahlen.

Und wie schaut das bei Elektro-Nachtspeicherheizungen aus? Da und dort besteht die vielleicht nicht ganz unberechtigte Angst, daß man, weil man einmal auf öffentliche Ratschläge gehört und eine umweltfreundliche Heizung mit gar nicht so geringen Investitionskosten angeschafft hat, in Zukunft durch den insgesamt natürlich höheren Stromverbrauch unter die Räder kommt.

WEISER: Hier ist eine Aufklärungsarbeit seitens der Elektrizitätsgesellschaften notwendig. Jetzt hat der Nachtstrom einen eigenen Tarif. Und niemand hat daran gedacht, in das vorher genannte System Nachtspeicherstrom einzubeziehen. Das kann man auch gar nicht.

Im energiepolitischen Operationskalender der Regierung ist noch eine zweite fiskalische Gestaltungsmöglichkeit angeführt: die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Strom und Ofenheizöl von derzeit 8 auf 18 Prozent. Halten Sie eine derartige Steuererhöhung für sinnvoll?

WEISER: Ich halte sie für sinnvoll. Es war bereits bei der Einführung der Mehrwertsteuer ein Fehler, die Energie nicht so wie alle anderen Güter, die Lebensmittel ausgenommen, zu

besteuern. Eine solche Erhöhung würde die Wirtschaft überhaupt nicht belasten, weil sich die Wirtschaft die Mehrwertsteuer im Wege des Vorsteuerabzuges wieder abziehen kann. Der Letztverbraucher, darüber gibt es überhaupt keinen Zweifel, würde belastet werden. Für die Bezieher geringer Einkommen, etwa für Mindestrentner, kann man diese Belastung durch eine Erhöhung der Mihdestrente aber ausgleichen.

Zeichnet sich eine Mehrwertsteuererhöhung schon ab?

WEISER: Nein. Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, daß sie in den nächsten zwei Jahren kommen wird.

Kurzfristig hat sich die Regierung vorgenommen, im heurigen Jahr drei bis fünf Prozent bei den ölimporten einzusparen. Da müssen aber auch andere konkrete Maßnahmen gesetzt werden, um dieses Ziel zu erreichen.

WEISER: Das ist eines der kompliziertesten Probleme. Zuerst haben ein paar Heißsporne geglaubt, na wunderbar, die Prozente sparen wir auf dem Verkehrssektor oder in der Industrie. So einfach ist das nicht. Das Rohöl wird zu einer Palette von Mineralölprodukten verarbeitet. Die Schwierigkeit ist nun die, bei allen Produkten dieser Palette gleichmäßig zu sparen. Man muß also, um nur die wichtigsten Punkte herauszugreifen, bei Heizöl schwer sparen. Hier gibt es in der Industrie die Möglichkeit, dort, wo sie im Sommer mit Heizöl schwer Strom erzeugt, billigen österreichischen Strom aus Wasserkraft zur Verfügung zu stellen. Oder beim Ofenheizöl: Die Bundesländer Tirol, Vorarlberg, Steiermark und -ab März, glaube ich - auch Salzburg haben vorbildliche Kehrordnungen erlassen, mit einer Kehr- und Meßpflicht für alle ölzentralheizungen. Das hat dazu geführt, daß in diesen Bundesländern der Heizölverbrauch um fünf Prozent zurückgegangen ist.

Und wo liegen die Möglichkeiten beim Verkehr?

WEISER: Bei Benzin gibt es zwei Möglichkeiten: Die eine ist die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen. Das wird nicht gemacht. Nun hat das Innenministerium die erforderlichen Geräte angeschafft, womit anzunehmen ist, daß ab 1. April die Kontrollen wirklich Qualität haben werden. Der größte Verbrauch liegt aber beim Auto selbst. Da ist zwar mit der Sicherheitsüberprüfung auch die Uberprüfung des Brennstoffzyklus eingeführt worden, aber die Autos brauchen nur im ersten, im vierten und dann erst ab dem siebenten Betriebsjahr jährlich das Pickerl. Im ersten Betriebsjahr wird der Wagen außerdem erst eingefahren - und das meist falsch. Jetzt gehen die Bestrebungen dahin, jährlich eine obligatorische Uberprüfung durchführen zu lassen. Das würde eine enorme Ersparnis bringen.

Diesem Pickerl geben Sie gegenüber dem Pickerl für einen autolosen Tag also den Vorzug?

WEISER: Beim autofreien Tag ist die psychologische Wirkung größer als die tatsächliche Energieersparnis. Nur kommt man in echten Krisenzeiten auch um psychologische Maßnahmen nicht herum.

Trotz der Ölkrise 1973 haben sich die Österreicher nicht'kleinere Autos gekauft, der Trend geht sogar eher zu größeren Modellen. Nun soll bereits im heurigen Oktober eine verbrauchsbezogene Kfz-Steuer eingeführt werden. Sie wird aber, um einen Effekt zu erzielen, doch sehr progressiv gestaltet werden.

WEISER: Die wird bei größeren Wagen sehr ins Gewicht fallen."

Bei welchem Verbrauch beginnt bei

Ihnen ein Auto ein „Benzinfresser" zu sein?

WEISER: Wenn man Stadt- und Uberlandverkehr zusammenrechnet, braucht in Österreich kein Fahrzeug zu fahren, das im Durchschnitt mehr als 10 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Ich sehe in Österreich keine Notwendigkeit, einen benzinfressenden Wagen zu fahren. Ich weiß

nicht, warum sich jemand - außer aus Repräsentationsgründen - einen solchen zulegt. Ich bin aber für Dienstwagen, die groß sind. Wenn man sich die Tageseinteilung eines Ministers oder Landeshauptmannes anschaut, dann sieht man nämlich, daß man den Tag nicht bewältigen kann, wenn man nicht auch im Auto arbeitet. Das ist etwas ganz anderes.

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