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Wasserkraft ist zukunftsorientiert

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Sowohl die EU als auch die Internationale Energieagentur empfehlen den Ausbau der Wasserkraft. Ihr Ausbau bietet sich daher in Osterreich an.

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Sowohl die EU als auch die Internationale Energieagentur empfehlen den Ausbau der Wasserkraft. Ihr Ausbau bietet sich daher in Osterreich an.

Durch die politischen Änderungen in Mittel- und Osteuropa sowie den Beitritt Österreichs zur EU befindet sich unser Land an einem wichtigen, epochalen Wendepunkt. Auch die österreichische E-Wirtschaft ist von diesem Wandel betroffen. Neue Visionen und neue Aufgaben, weltoffenes Handeln und hohe Flexibilität bei gleichzeitigem Wahren der Wertvorstellungen unseres Landes sind gefordert. Kooperation mit dem Ausland und Autarkie müssen verknüpft werden.

In diesem neuen Umfeld kommt der Nutzung der Wasserkraft in unserem Lande besondere Bedeutung zu. Osterreich legt auf ökonomisch und ökologisch erstklassige Produktionsstätten großen Wert. Österreich ist arm an nennenswerten, großtechnisch nutzbaren Energiequellen. Mit einer Ausnahme, der Wasserkraft. Ihre forcierte Nutzung wird nicht nur von der EU empfohlen, sondern auch von der internationalen Energieagentur in Paris. Und auch der Energiebericht der österreichischen Bundesregierung spricht sich mit aller Deutlichkeit für die Nutzung der Wasserkraft in Österreich aus.

Die Gründe sind vielfältig. Wasserkraftwerke sind volkswirtschaftlich, energiewirtschaftlich, ökonomisch und ökologisch sinnvolle und zukunftsorientierte Projekte. Österreichs gesamter Energiebedarf stützt sich zu zwei Drittel auf Importe. Was den Strombedarf betrifft, so entfallen bereits heute zwölf Prozent davon auf Atomstromimporte. Wasserkraft ist heimisch. Keine Brennstoffzukäufe, kein Devisenabgang, keine Abhängigkeit, keine begrenzt vorhandenen Lagerstätten müssen zusätzlich dezimiert werden. Und Wasser rinnt ständig nach.

Wasserkraftwerke beruhen auf einer außergewöhnlich ausgereiften Technik und haben nur geringe laufende Betriebskosten bei einer Lebensdauer von 100 Jahren und mehr. Der Effekt: Von Jahr zu Jahr sinkende Produktionskosten und damit eine stabilisierende Wirkung auf den Strompreis. Im Gegensatz dazu die zu einem großen Teil auf Atomkraft beruhende Stromaufbringung in der EU. Die Lebensdauer dieser Kraftwerke ist vielfach schon bald erreicht.

Wasserkraftwerke zeichnen sich aber auch durch ihre Belebung des heimischen Marktes aus. Universitätsprofessor Schneider, Universität Linz, kam bei seiner Analyse des regionalen Wertschöpfungseffektes durch den Kraftwerksbau in Lambach zu der Erkenntnis, daß in einem Zeitraum von zehn Jahren jährlich das Bruttoinlandsprodukt um 825 Millionen Schilling steigen wird, das Volkseinkommen um 188 Millionen und jähr lieh 557 Arbeitsplätze gesichert werden.

Der ökologische Effekt der Wasserkraft ist zweigeteilt. Zum einen ist die österreichische E-Wirtschaft aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in der Lage, Wasserkraftwerke im Einklang mit der Natur zu errichten. Die Innstauseen, die Traunpromena-den bei Gmunden und Wels oder das Kraftwerk Klaus sind eindrucksvolle Zeugen davon. Hier sind neue Erho-lungs- und Naturräume entstanden, die wie in Klaus eine Bereicherung der regionalen Infrastruktur darstellen oder wie die Innstaus teilweise sogar unter Naturschutz gestellt worden sind.

Zum anderen ist es die absolut schadstofflose Stromproduktion, die in Wasserkraftwerken gewährleistet wird. Österreich hat sich im Torontoabkommen zu einem spürbaren Abbau des C02-Ausstoßes verpflichtet. Wasserkraftwerke leisten da einen wichtigen Beitrag. Würde zum Beispiel der in den Wasserkraftwerken Österreichs erzeugte Strom mit fossilen Energien produziert, würde laut Umweltbundesamt die C02-Emission aus der Stromerzeugung nicht elf Millionen Tonnen pro Jahr betragen, sondern 35 Millionen Tonnen.

Auch wenn heute vielfach gefordert wird, statt der konventionellen Kraftwerke neue Techniken wie die Photovoltaik oder die Windenergie zur Stromerzeugung heranzuziehen, so können sie zwar eine interessante Additive und bei gewissen Anwendungen durchaus sinnvoll sein, jedoch zu Wasserkraftwerken keine Alternative bilden.

Um das in Bau befindliche Kraftwerk Lambach zu ersetzen, es wird jährlich 71 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, wären 2.100 Solaranlagen wie jene am Loser erforderlich. Abgesehen vom enormen Platzbedarf und der unregelmäßigen Stromerzeugung würde das Kosten von rund 15 Milliarden Schilling erfordern. Lambach wird 600 Millionen Schilling kosten!

Österreich hat einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie. Daher ist Österreich auch bei der Wasserkraftnutzung gemeinsam mit Norwegen und der Schweiz führend in Europa. Welche Bedeutung der Wasserkraft international zugemessen wird, zeigt, daß der deutsche Energieriese BWE vier Unterseekabeln nach Norwegen verlegen läßt, um Wasserkraftstrom zu beziehen.

Der Autor ist

Generaldirektor der OÖ Kraßwerke AG.

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