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In Österreich: seihe Fehler

Wie ähnlich sind doch die Probleme der Industrieländer! Auch bei uns wird der Bau von Kraftwerken mit dem Argument vorangetrieben, daß die zukünftige Stromversorgung sichergestellt werden müsse. Doch auch hierzulande liegt die Kapazität der Elektrizitätserzeugung weit über der Nachfrage.

Die Höchstlast, das ist die höchste gleichzeitig aufgetretene Nachfrage nach Strom, liegt bei rund 6000 MW. Sie fällt in die Wintermonate. Ihr steht ein Angebot von 13.000 MW gegenüber! Also mehr als das Doppelte, mehr als in der Bundesrepublik Deutschland.

Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Laufkraftwerke (3500-1000 MW Leistling) im Winter wegen niedriger Wasserführung der Flüsse nur etwa 20 bis 30 Prozent ihrer Kapazität leisten, bleibt auch dann noch ein riesiger Überhang des Angebots (1,6 zu 1, immer noch über dem deutschen Wert)!

Sollte das nicht reichen? Darf man unter solchen Voraussetzungen immer noch landschaftlich so schöne Gebiete wie die Alpentäler Osttirols oder das untere Kamptal für die Erzeugung von Strom opfern, den wir in diesen Mengen gar nicht brauchen?

Stellt man solche Fragen, bekommt man die Antwort, daß in Zukunft der Stromverbrauch steigen wird und daß man rechtzeitig Vorsorge treffen müsse. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, daß die Nachfrage zumindest derzeit stabil ist: 1981 stieg der Verbrauch um 0J8 und 1982 um Oß Prozent. Die Höchstlast ist seit 1980 unverändert.

Wohl werden auch in Österreich die Energieprognosen laufend nach unten korrigiert, das Ausbauprogramm der E-Wirtschaft hat sich aber immer noch nicht auf diese neue Situation eingestellt. Ende 1980 wurde immer noch mit Verbrauchszuwächsen von 4,5 Prozent jährlich bis 1990 gerechnet.

Gern wird auch das Argument verwendet, daß wir eben Ersatz für das Erdöl brauchen. Da dieses zu einem großen Teil für Heizungszwecke aufgeht, wäre das Angebot von Fernwärme eine naheliegende Ersatzlösung. Wie Haenschke und Schuster feststellen, ist die Nutzung von Abwärme in kalorischen Kraftwerken für solche Zwecke besonders geeignet.

Zumindest mit dem Kraftwerk Dürnrohr hat die E- Wirtschaft diese Chance verpaßt: Mit 720 MW Leistung ist es viel zu groß geraten, erzeugt daher zuviel Umweltbelastung und ist daher weit von Ballungsräumen, die es mit Fernwärme versorgen könnte.

Daher werden nur 40 bis 42 Prozent der eingesetzten Energie (Kohle) in Strom umgewandelt. Der Rest verpufft ungenützt. Damit wird in Dürnrohr die Energie zwar besser als im österreichischen Durchschnitt genutzt (36 Prozent). Das Kraftwerk ist aber weit von heute gegebenen Möglichkeiten entfernt.

Warum dauert es so lange, bis vernünftige Konzepte sich zu den Verantwortlichen durchsprechen?

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