6962644-1985_01_15.jpg
Digital In Arbeit

Wald und Strom

Uber die politischen Aspekte des unvermeidlichen Themas Hainburg wird in dieser Zeitung an anderer Stelle berichtet. Ich möchte hier nur einige wirtschaftliche Grundüberlegungen anstellen, weil ich auch bei sonst gut informierten Freunden feststellen muß, daß durch die Kriegsberichterstattung aus der Au die energiewirtschaftlichen Fakten mittlerweile völlig unter die Räder gekommen sind.

Vor allem möchte ich nochmals (wie schon in Nr. 46/1984) dem falschen und gefährlichen Argument entgegentreten, es gäbe in Österreich — siehe das ominöse „Geheimpapier” der E-Wirtschaft — ohnehin zuviel Strom.

Dieses Argument würde nur dann zutreffen, wenn man gleichzeitig die Meinung vertritt, Strom dürfe nur dort eingesetzt werden, wo er durch andere Energieträger nicht oder nur sehr schwer ersetzt werden kann (also für die Beleuchtung, zum Betrieb von Elektrogeräten usw.).

Steht man hingegen auf dem — wie ich meine: lebenswichtigen — Standpunkt, es sollte grundsätzlich der umweltfreundlichste Energieträger eingesetzt werden, dann gibt es in Österreich viel zu wenig Strom. Ungeachtet aller Zuwachsraten beim Stromverbrauch, entfallen vom österreichischen Gesamtenergieverbrauch erst 18 Prozent auf elektrische Energie. Zieht man davon die kalorisch erzeugte Elektrizität ab (von der man ja wegkommen will), sind es sogar nur 14 Prozent.

Solange aber gut vier Fünftel der in Österreich verbrauchten Energie mit die Umwelt beeinträchtigenden Energieträgern erzeugt werden, kommt man nicht um den Bau weiterer Wasserkraftwerke herum.

Natürlich lassen sich feste und flüssige Brennstoffe nicht überall durch aus Wasserkraft erzeugten Strom substituieren. Weiß man, daß von den rund 2J Millionen bewohnten Wohnungen Österreichs noch nicht einmal 10 Prozent mit elektrischer Energie, die restlichen aber mit die Umwelt beeinträchtigenden Brennstoffen beheizt werden, dann weiß man auch, daß die Substitutionsmöglichkeiten noch recht groß sind.

Ebenso unhaltbar wie das Argument, es gäbe bereits zuviel Strom, ist übrigens auch das Argument, mit Strom zu heizen, wäre Energievergeudung: So der Strom aus Wasserkraft erzeugt wurde, hat die Elektroheizung, gerechnet von der Energieerzeugung bis zur Energieverwendung, auch den mit Abstand größten Wirkungsgrad (d. h„ sie nützt die Energieressourcen am besten aus).

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau