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Stutenmrilch und Styria-Steak

1 n einer Zeit, in der das Schlagwort „Bauernsterben" kaum noch jemanden aufregt, in der einander Hiobsbotschaften von überdüngten Böden und verseuchtem Grundwasser ablösen, Einheitskulturen vielerorts der Landschaft ihren monotonen Stempel aufdrükken und Visionen von riesigen agro-industriellen Produktionszentren nicht mehr realitätsfern erscheinen, sind neue, gangbare Pfade gefragt.

In der „Grünen Mark" sind immer mehr auf der Suche nach solchen Pfaden. Nach dem Motto „Heimische Qualität statt Quantität" versuchen sie, mit möglichst umweltschonenden Mitteln zu produzieren und Marktnischen für Spezialitäten aufzuspüren.

So mancher Bauer ist mittlerweile bereits auf biologischen Land-

bau oder die integrierte Produktionsmethode umgestiegen, die weitgehend ohne Pflanzenschutzmittel auskommt und die Ausgewogenheit der natürlichen Wachstumsbedingungen fördert und unterstützt. So liat der Verband organisch- biqlogisch wirtschaftender Bauern Österreichs immerhin 230 steirische Mitglieder, das sind 0,3 Prozent von 55.000 bäuerlichen Betrieben. Der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise des österreichischen Demeterbundes haben sich bis jetzt etwa 1. 5 Landwirte

verschrieben und bereits 20 Prozent der Obstbauern haben sich h'uer für die integrierte Produktion entschieden. „Zurück zur Natur" heißt (wieder einmal) die Devise. Ganzheitliches Denken, Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Natur und den Konsumenten, gleichwertige Gewichtung von ökonomischen und ökologischen Kriterien sind die Grundpfeiler dieser Produktionsphilosophien. Ziel ihrer Vertreter ist es, im Einklang mit dem Naturkreislauf unter Verzicht auf chemisch-syn-

thetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel Lebensmittel von holier Qualität zu erzeugen. Großer Wert wird generell auf ein Nahverhältnis von Bauern und Konsumenten gelegt, das das Vertrauen in die Qualität des Frühstückseies und des Sonntagsbratens vertiefen soll. Markenfleischprodukte aus tiergerechter, natürlicher Haltung wie „Almo" - nur auserwählte steirische Ochsen, di???? den Sommer im Teichalm-Sommeralm- Gebiet in würziger Almluft verbringen, werden ' mit diesem Prädikat geadelt -, Styria Beef, „Porki's" und steirisches Qualitätslammfleisch für den anspruchsvollen Kunden sind ebenso in den Angeboten der Greißler zu finden wie Teemischungen, Stutenmilch, Käsespezialitäten oder Hochgeistiges aus der Flasche. Nicht zu vergessen Raritäten wie das Kürbiskernöl und den Schilcher, an denen sich .zuweilen die Geister scheiden.

4.000 bis 5.000 bäuerliche Klein- Wie Sie am günstigsten zu I h rem neuen Portal oder am schnellsten zur Computeranlage oder am b????sten zur neuen Geschäftsein richtung ko mmen, ist lei cht erklärt. Nützen Sie I h re persönliche Masche fürs Geschäft: Die KommerzFi nanzierung mit der Steiermärkischen. die Aaia1mä1ki1cha???? Die bemärlcenswerte Sparkasse IHR PARTNER in. allen Entsorgungstragen \ . GRAZ ({) 0316/4615 15 GNAS. ({) 0 31 51 /27 00 und Mittelbetriebe setzen mittlerweile auf die direkte Vermarktung ab Hof, dazu kommen Bauernmärkte, E'inzelverkaufsstellen und Vermarktungsgemeinschaften, die die steirischen Schmankerln an den Mann und die Frau bringen. Der „Verein für Schilcherland-Spezialitä:ten", ·die lnteressensgemeinschaft „Qualitätsprodukte aus dem Thermenland" oder das „Ehrenhausner G'wölb" werben mit Produkten, die für ihre Region und die Landschaft typisch sind. Die Bauern an der oststeirischen „Apfelstraße" haben sich ganz dieser Paradiesesfrucht verschrieben.

Die Tendenz zur Vielseitigkeit durch alternative Kulturen läßt sich in letzter Zeit in allen Bereichen beobichten und wird auch von seiten der öffentlichen Hand unterstützt. Die Monotonie der riesigen Weizen- und Maiskulturen wird in zunehmendem Maß von Feldern mit Pferde- und Sojabohnen, Raps, Sonnenblumen, Dinkel, ja sogar mit Flachs unterbrochen. 280 Bauern erwirtschaften mit dem -allerdings mühevollen und arbeitsaufwendi. gen - Anbau von Heilkräutern, die zu 70 Prozent ins Ausland gehen, rund zwei Millionen Schilling Umsatz im Jahr. Zu lOO Prozent für . den Export bestimmt sind 40 verschiedene Wiesenblumensamen, die im Raum von Wies in der Weststeiermark auf kleinster Fläche sehr hohe Erträge liefern und so manchem „g'scherten Rasen" wieder Farbe verleihen sollen.

Allem, was mit Holz zu tun hat, kommt im „grünen Herzen Österreichs" besondere Bedeutung zu. Dieser Umstand macht sich auch in der Energieversorgung bemerkbar: 13 Prozent des gesamten Energiebedarfes werden mit Holzabfällen und Hackschnitzeln gedeckt. Die Steiermark ist bundesweit gesehen führend, was die Fernwärmever- . sorgung über Biomasse-Anlagen betrifft. „Bis zum Jahr 2000 wird der Anteil an Biomasse an der Gesamtenergieversorgung rund ????O Prozent betragen", davon ist Hubert Zankel, der Energiebeauftragte des Landes, überzeugt.

In diesem Zusammenhang ist auch der Energieholz-Anbau auf kleinen Flächen in der Steiermark zu sehen, der auf eine Reduktion der herkömmlichen landwirtschaftlichen Produktion und eine Verbesserung der Bodenstruktur abzielt und derzeit primär den Eigenbedarf von rund 300 Bauern deckt. Noch ist allerdings, erwägt man die niedrigen Preise für fossile Energieträger, der Arbeitsaufwand größer als der Ertrag. -Ähnlich verhält es sich mit dem Energiegras. Seit zwei Jahren laufen Versuche mit dem aus Dänemark importierten, schilfähnlichen „Elefantengras". Wenn alles nach Plan verläuft, könnte sich die ursprünglich in Japan verwurzelte Zierpflanze zur „Energiepflanze" auswachsen.

Man kann die Steiermark aber durchaus auch als Ölland bezeichnen: Neben dem Kürbiskernöl rückt das Rapsöl immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses, denn das südsteirische Unternehmen „Biostar" erzeugt daraus biologisch voll abbaubare Schmiermittel für die Land- und Forstwirtschaft und für die Sägeindustrie. Vor kurzem ist dem findigen . Firmenchef Johann Kellersperg der Beweis gelungen, daß ein Auto auch mit Bio-Schmierstoffen und Rapsmethylester statt Dieselkraftstoff wie geschmiert fährt und fährt und fährt. .. Die Zeitschrift „ Umweltschutz" und die österreichische Gesellschaft für Natur- und' Umweltschutz verliehen ihm für seine Bemühungen um einen Brückenschlag zwischen Ökonomie und Ökologie den Umwelt-Oscar 1989. Bevor man allerdings an der Tankstelle um die 'Ecke Bio-Diesel bekommt, sind noch Tests, Flottenerprobungen und Förderungen notwendig.

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