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Kollektoren auch auf große Häuser

Mit mehr als einer Million Quadratmeter installierter Kol-J. V Ilektorfläche gilt Österreich als Vorreiter auf dem Gebiet der aktiven Solarenergienutzung. Derzeit werden Solaranlagen vorwiegend zur Bereitstellung von Warmwasser genutzt. Der Trend geht zur solaren Raumwärmeerzeugung. Da in Osterreich etwa sechsmal mehr Raumwärme verbraucht wird als Warmwasser, gibt es hier viel größere Potentiale zur Verminderung der Umweltbelastungen durch Solarenergienutzung.

Sowohl bei der Warmwasserbereitung, als auch bei der teilsolaren Raumheizung, werden Solarkollektoren bisher hauptsächlich in Ein- und Zweifamilienhäusern eingesetzt. Erst seit kurzer Zeit werden vereinzelt auch Projekte in Mehrfamilienhäusern realisiert.

Dies ist zwar aufgrund der Rahmenbedingungen nachvollziehbar, aber keineswegs kosteneffizient. Denn die Nutzung von Solarenergie in Mehrfamilienhäusern ist viel kostengünstiger als in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Nach Rerechnungen und Recherchen des Ökologie-Institutes kostet die Installation einer industriell gefertigten Warmwasser-Solaranlage in einem Einfamilienhaus etwa 10.000 bis 15.000 Schilling je Quadratmeter Kollektorfläche. Bei Mehrfamilienhäusern liegen die Kosten nur etwa halb so hoch, da zahlreiche Komponenten, wie etwa der Warmwasserspeicherund die Begelung, nur in einfacher Ausfertigung - wenn auch teilweise größer dimensioniert vorhanden sein müssen.

Da der Energieertrag pro Quadratmeter etwa gleich groß ist, sind Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern damit sehr viel kostengünstiger: Die Re-reitstellung einer Kilowattstunde Energie mit einer industriell gefertigten Solaranlage in einem Einfamilienhaus kostet insgesamt etwa 1,60 Schil -ling und ist somit um etwa 90 Groschen teurer als konventionelle Erzeugungsmöglichkeiten (Ölkessel, Elektröspeicher und so weiter). Diese kosten etwa 70 Groschen pro kWh. In einem Mehrfamilienhaus betragen die Krzeugungskosten hingegen etwa 70 Groschen und liegen damit gleich-auf mit konventionellen Systemen. Solare Warmwasserbereitstellung ist somit in Mehrfamilienhäusern selbst auf Rasis industriell gefertigter Systeme konkurrenzfähig mit umweltschädlicheren Energieträgern wie Öl, Gas und Strom.

Angesichts dieses Kostenvergleichs stellt sich die Frage, warum nicht vermehrt Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern errichtet werden. Die Re-gründung liegt unter anderem in der Entwicklungsgeschichte des Solaranlagenbaus.

Viele Häuselbauer konnten sich die anfänglich sehr teuren industriell gefertigten Solaranlagen nicht leisten, griffen zur Selbsthilfe und gründeten Solaranlagen -Selbstbaugruppen.

Mehr als die Hälfte der in Österreich installierten Anlagen wurde so zu wesentlich geringeren Kosten als industriell gefertigte Anlagen errichtet. Die niedrigen Kosten dieser Anlagen waren ein wesentlicher Grund für die weite Verbreitung der Solarenergie in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Ein weiterer Grund für den geringen Einsatz von Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern sind die ungünstigen Rahmenbedingungen. Aufgrund ihrer Größe sind die Kosten pro Anlage hoch. Damit entsteht das Problem, eine geeignete Finanzierung sicherzustellen. Außerdem stellt das Technische Risiko ein wesentliches Martkeinführungshindemis dar. Potentielle Investoren stellen häufig die Funktionsfähigkeit und die zu liefernde Wärmemenge der Anlage in Frage.

Die Garantie der Funktionsfähigkeit der Gesamtanlage durch den An-lagenbauer ist daher eine wesentliche Voraussetzung. Insgesamt ist die Schaffung adäquater Rahmenbedingungen für Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern eine wichtige Zü-kunftsaufgabe für die Energiepolitik.

Die Autorin ist

Mitarbeiterin im Bereich Energie- und Nuklearfragen im Ökologie-Institut in Wien Ihr Beitrag ist der Zeitschrift „energiewende“ 6/96des Ökologie In stituts entnommen.

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