5G-Antenne - Bis zum Jahr 2023 sollen erste 5G-Dienste in Österreich nutzbar sein. In der Schweiz werden bereits 5G-Optionen angeboten (Bild: Antenne in Neuchatel). - © picturedesk.com / Adrien Perritaz / Keystone
Wissen

Ins Blaue hinein

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Für die einen ist es die neue Stufe der Digitalisierung, für die anderen ein unkontrolliertes Experiment mit der öffentlichen Gesundheit: Wie bedenklich ist der neue Mobilfunk 5G?

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Für die einen ist es die neue Stufe der Digitalisierung, für die anderen ein unkontrolliertes Experiment mit der öffentlichen Gesundheit: Wie bedenklich ist der neue Mobilfunk 5G?

Unsichtbar, smart und allgegenwärtig: Das "Internet der Dinge" soll die Objekte des Alltags verknüpfen und unsere Wohnungen, Häuser und Städte durchdringen. Die elektronische Vernetzung weitet sich zunehmend auf Maschinen und Geräte aus. Drei Viertel der heimische Haushalte sind laut Forum Mobilkommunikation (FMK) mit einem Smartphone ausgestattet. Internet-gestützte Assistenten finden sich in elf Prozent der Haushalte, bei den Unter-30-Jährigen sind es bereits rund 30 Prozent. Der neue Funkstandard der 5G-Technologie gilt nicht nur als Turbo für den Mobilfunk, sondern auch als Treibstoff für die Vision smarter Städte und einer datengesteuerten Umgebung.

Neues Übertragungsprotokoll
"Im städtischen Umfeld springen unsere digitalen Geräte ständig zwischen den Netzwerken, was zu Verbindungsproblemen führt", so IT-Forscher Knud Skouby von der Aalborg Universität Kopenhagen in einer Presseaussendung. Eine abgebrochene Verbindung bei einem Telefonat sei ärgerlich, aber harmlos. "Wenn aber ein voll autonomes Fahrzeug in einer komplizierten Verkehrssituation unterwegs ist, könnte ein Verlust der Verbindung zur Katastrophe führen." Bisherige Netzwerke seien inadäquat, um die für solche Szenarien nötigen Datenmengen verlässlich zu übertragen. Mit dem Umstieg auf das ultraschnelle Breitbandnetz 5G könnten viel diskutierte Innovationen reibungslos umgesetzt werden: selbstfahrende Autos, smarte Energieversorgung, "Augmented" und "Virtual Reality"-Anwendungen oder komplexe Robotik. Industrie und Wirtschaft sehen in 5G einen Angelpunkt, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Konsumenten erwarten bei der Datenübertragung schnellere und stabilere Verbindungen. Zugleich aber wächst die Sorge vor einer höheren Strahlenbelastung.
So verwundert es nicht, dass angesichts der bevorstehenden Einführung von 5G (siehe unten) die Wogen hoch gehen. Anfang des Jahres haben europäische Ärzte und Wissenschafter ein Moratorium für 5G gefordert, weil die gesundheitlichen Folgen des neuen Mobilfunkstandards nicht ausreichend untersucht seien. Zu dieser Besorgnis mischen sich wilde Mythen und Verschwörungstheorien. "Immer wieder sind wir mit argen Vorwürfen konfrontiert", berichtet Gregor Wagner vom Forum Mobilkommunikation. "Aufgrund von 5G-Tests sollen Vögel tot vom Himmel gefallen und Brücken zusammengestürzt sein. Das ist natürlich völliger Unfug." Die Mobilfunk-Industrie führt vor allem zwei Argumente ins Treffen, um die Unbedenklichkeit von 5G zu unterstreichen: Physikalisch handle es sich lediglich um ein neues Übertragungsprotokoll; die Technologie der Funkübertragung sei unverändert. Die 5G-Frequenzbereiche seien "Nachbarbereiche" der bisherigen Technologien oder würden bereits heute für die Funkübertragung genutzt. "Das ist so, wie wenn ein Radiosprecher schneller spricht", so Wagner: "Die Frequenz verändert sich, das Medium bleibt gleich." Und statistisch gesehen habe sich seit der Einführung des Mobilfunks in den 1990er-Jahren keine nennenswerte Erhöhung von Krebserkrankungen gezeigt -obwohl "die Mehrheit der Österreicher seit mehr als 20 Jahren mit dem Handy telefoniert", wie Wagner betont.

Umstrittenes Krebsrisiko
Doch ganz so einfach sei das nicht, wie Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien im Gespräch mit der FURCHE betont. Der Umweltmediziner verweist auf die Analogie zur Chemie: "Es gibt chemische Substanzen, die unterscheiden sich nur geringfügig, etwa in der Position eines Benzolrings. Und doch kann dies darüber entscheiden, ob ein Stoff krebserregend ist oder nicht. In Bezug auf gesundheitliche Risiken ist Chemie also nicht gleich Chemie, und ebenso wenig kann man hier sagen 'Funk ist gleich Funk'." Es sei nicht automatisch davon auszugehen, dass Frequenz und Übertragungsprotokoll bei der 5G-Technologie unbedenklich wären, so Hutter. Bei der Installation neuer 5G-Antennen ist zwar eine geringere Sendeleistung als bisher zu erwarten. Diese würden aber wahrscheinlich auch näher an Orten betrieben, an denen sich tatsächlich Menschen aufhalten. "Wie sich dann die Strahlenexposition der Bevölkerung verändert, ist eine wichtige, aber noch offene Frage", so der Umweltmediziner.
Wie auch andere Experten kritisiert Hutter, dass sich bislang keine Studien zu den biologischen Effekten von 5G finden: "Die aktuelle Situation gleicht der Einführung des GSM-Netzes in den 1990er-Jahren. Damals wie heute wird eine neue Technologie eingeführt, über deren gesundheitliche Folgen es keine Untersuchungen gibt. Uns fehlen die Grundlagen." Ähnlich sieht es Präventionsforscher Maximilian Moser vom Human Research Institut in Weiz: "Man kann auch keine chemischen Substanzen ungeprüft auf den Menschen loslassen."