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Das Handy: ein Dauerbegleiter der Österreicher. Praktisch ist es ja - aber es wächst die Zahl der Kritiker, die sich wegen der gesundheitlichen Folgen des Mobiltelefonierens sorgen. von

Es läutet, intoniert die ersten Takte der Eroica oder spielt einen Song - das Handy und zwar immer und überall: in der U-Bahn, im Supermarkt, im Kino. Heute seien die Geräte zu einem persönlichen Gegenstand geworden, der den Träger dauernd begleitet, erhob eine im Auftrag von "mobilcom austria" erarbeitete Studie des "Fessel-GfK-Instituts". 91 Prozent der Handybesitzer führten es immer mit sich und 59 Prozent von ihnen schalteten es nie ab. Am ehesten täten sie es noch im Kino, im Theater oder bei einer romantischen Verabredung. Der Trend gehe jedenfalls dahin, es möglichst dauernd in Betrieb zu haben. "Ohne Handy fühlen wir uns nackt, bekommen Entzugserscheinungen", resümiert Fessel-GfK-Geschäftsführer Rudolf Bretschneider. "Es gibt keine Handy freien Zonen mehr."

Das Handy etabliert sich also mit atemberaubender Geschwindigkeit in unserem Alltag. Hatten es im Vorjahr noch 44 Prozent der Befragten als Störenfried empfunden, so scheint man sich mittlerweile fast an das fortgesetzte Läuten gewöhnt zu haben: Nur mehr 26 Prozent fühlen sich inkommodiert.

Das Mobiltelefon hat somit in Österreich - in der Handy-Begeisterung nach Finnland in Europa an zweiter Stelle - Furore gemacht: 4,7 Millionen Österreicher (71 Prozent) besitzen ein Mobiltelefon, unter den 20- bis 24-Jährigen sind es sogar 95 Prozent. Selbst die 60- bis 69-Jährigen sind mehrheitlich Handy-Besitzer. Das wichtigste Hoffnungsgebiet für "mobilcom" sind die über 70-Jährigen. Da telefoniert derzeit nur jeder Dritte drahtlos.

Zwar passt sich das Verhalten der älteren Jahrgänge zunehmend an das der Jugend an, dennoch haben es aber die Mobilfunkbetreiber in Europa mit einem eher gesättigten Markt zu tun. Dementsprechend stagnieren derzeit die Umsätze mit Mobiltelefonen: Schätzungen von "motorola" zufolge, dem weltweit zweitgrößten Handy-Erzeuger, werden heuer 390 Millionen Geräte verkauft werden. Für das nächste Jahr rechnet Marktführer "Nokia" mit einem Anstieg: Viele Kunden würden demnächst ihre alten Geräte durch neue ersetzen.

Eine neue Generation

Diese werden eine Fülle neuer Möglichkeiten bieten: Das Handy als Mini-Computer, als Informationsquelle, als Kamera, als Allround-Gerät zur Abwicklung von Geschäften. Die nächste Generation von Mobiltelefonen soll all das bieten. In Zukunft würden Handys auch Bilder transportieren, stellt "mobilcom"-Generaldirektor Boris Nemsic fest. Die Jugend sei sehr interessiert an der neuen Technik und: "Das Problem der Sendemasten ist in den Hintergrund getreten."

Das sehen jene, die sich wegen der Nebenwirkungen der Mobiltelefonie sorgen, aber ganz anders. Elektrosmognews (www.elektrosmognews.de) wirbt derzeit intensiv um Unterschriften für den "Freiburger Appell", den bisher (Stand 15. November) 206 Ärzte unterschrieben haben. Darin weisen sie auf das gehäufte Auftreten von Blutdruckproblemen, Herzrhythmusstörungen, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern, Krebserkrankungen hin. Auch bei der Zunahme von Erscheinungen wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, chronischer Erschöpfung, die allesamt kaum zu beheben sind, vermuten sie eine Querbeziehung zu Mobilfunkanlagen, intensiver Handynutzung oder der Anschaffung von Schnurlos-Telefonen.

Bezweifelt wird, dass der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwert für die Strahlungsintensität der Mobiltelefone, der von den Geräte-Herstellern auch durchwegs eingehalten wird, ausreichend Schutz für die Benützer bietet. Diese Grenze berücksichtige nämlich nur die thermischen Wirkungen der Strahlung auf das Gewebe. Und das sei, wie die vielen anderen Erscheinungen zeigen, eben zu wenig.

Wie berechtigt diese Sorgen sind, ist nach wie vor umstritten. Daher wies Ende September ein US-Bundesgericht die 800-Millionen-Dollar-Klage eines Arztes gegen "motorola" ab. Dieser führte seinen Gehirntumor auf die Benützung eines Mobiltelefons zurück. Das Gericht befand, die wissenschaftliche Evidenz reiche nicht, um eindeutig einen Zusammenhang zwischen Mobil-Telefonie und Krebserkrankung herzustellen.

Einiges stehe jedoch fest, erklärt Wilhelm Mosgöller, Abteilungsleiter am Institut für Krebsforschung in Wien und zuständig für Fragen der biologischen Verträglichkeit elektromagnetischer Felder: Mäuse, die man im Rahmen einer Untersuchung zweimal täglich eine halbe Stunde so bestrahlte, als würden sie mit einem Handy telefonieren, zeigten eine doppelt so hohe Krebsrate wie nicht bestrahlte.

Nicht endgültig bewiesen

Und: Eine epidemiologische Untersuchung in Schweden habe bei Handy-Nutzern eine zwei- bis dreimal so hohe Rate von Gehirntumoren wie in der übrigen Bevölkerung ergeben. Festzuhalten sei jedoch, dass solche Ergebnisse die Schädlichkeit nicht hieb- und stichfest beweisen. Beim derzeitigen Stand des Wissens "können wir nicht behaupten, es sei bewiesen, dass Handys schädlich sind," ergänzt Mosgöller. Aber eine umfassende Forschung sei dringend erforderlich.

Der Tiroler Umweltmediziner Klaus Rhomberg weist auf ein großes Problem solchen Forschens hin: "Hier ist ein Problemfeld, das an die Frage Atomenergie erinnert. Es gibt kritische Wissenschafter, die Nebenwirkungen und Gefahren erkennen - aber es dauert Jahrzehnte, bis endgültig klargestellt ist, welche Folgen auftreten." Vor allem sei es schwierig, die Effekte von Elektrosmog von anderen Belastungen zu trennen. Aber: "Es gibt eine große Fülle von Indizien, dass hier eine Gefährdung vorliegt."

Univ. Prof. Michael Kundi vom Wiener Institut für Umwelthygiene weist auf solche Gefährdungen hin: Eine Studie von 2001 zeigt ein signifikantes Risiko des Auftretens von Augen-Melanomen bei häufiger Handy-Nutzung. Eindeutig sei auch der zeitliche Zusammenhang zwischen Dauer des Telefonierens und dem Auftreten von Kopfschmerzen. Aber: Jede einzelne Studie "für sich genommen lässt noch keinen Schluss auf eine gesundheitliche Gefährdung durch hochfrequente Felder des modernen Mobilfunks zu".

Unhaltbarer Zustand

Zusammenfassend hält Kundi fest ("Gesundheitliche und psychische Auswirkungen der Mobilfunktechnologie - Probleme und Grenzwertableitung", 2001): "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass eine heute milliardenfach verbreitete Technologie nicht einer einzigen Untersuchung unterzogen wurde, die den Kriterien entspricht, die für andere Expositionen heute eine Selbstverständlichkeit darstellen."

Zur Vorsicht mahnt auch das Deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): "Zur Zeit gibt es bei Einhaltung der Grenzwerte keine wissenschaftlichen Beweise für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Trotzdem hält es das BfS aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes für zweckmäßig, dass diese elektromagnetischen Felder so gering wie möglich gehalten werden. Vorsorge ist sinnvoll, weil es noch offene Fragen über die gesundheitlichen Wirkungen der Felder gibt."

Und daher empfiehlt das Bundesamt:

*Eher mit Festnetz als mit Handy telefonieren und Handy-Telefonate kurz halten.

*Nicht bei schlechtem Empfang telefonieren (die Handy-Leistung erhöht sich dann) und Handys mit möglichst geringen Feldern verwenden.

*Head-Sets verwenden, weil die Entfernung zur Antenne steigt, und SMS nutzen.

*Die Empfehlungen gelten besonders für Kinder.

Bei der enormen Beliebtheit und der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Mobiltelefonie geht es somit nicht darum, diese Technik aus unserem Alltag zu verbannen, wohl aber kontrolliert und sinnvoll mit ihr umzugehen. Besonderes Gewicht hat außerdem die Forderung, dass weniger strahlungsintensive Geräte auf den Markt kommen. Technisch sei das kein Problem, versichern die Handy-Kritiker.

Das Handy: ein Dauerbegleiter der Österreicher. Praktisch ist es ja - aber es wächst die Zahl der Kritiker, die sich wegen der gesundheitlichen Folgen des Mobiltelefonierens sorgen. von

Es läutet, intoniert die ersten Takte der Eroica oder spielt einen Song - das Handy und zwar immer und überall: in der U-Bahn, im Supermarkt, im Kino. Heute seien die Geräte zu einem persönlichen Gegenstand geworden, der den Träger dauernd begleitet, erhob eine im Auftrag von "mobilcom austria" erarbeitete Studie des "Fessel-GfK-Instituts". 91 Prozent der Handybesitzer führten es immer mit sich und 59 Prozent von ihnen schalteten es nie ab. Am ehesten täten sie es noch im Kino, im Theater oder bei einer romantischen Verabredung. Der Trend gehe jedenfalls dahin, es möglichst dauernd in Betrieb zu haben. "Ohne Handy fühlen wir uns nackt, bekommen Entzugserscheinungen", resümiert Fessel-GfK-Geschäftsführer Rudolf Bretschneider. "Es gibt keine Handy freien Zonen mehr."

Das Handy etabliert sich also mit atemberaubender Geschwindigkeit in unserem Alltag. Hatten es im Vorjahr noch 44 Prozent der Befragten als Störenfried empfunden, so scheint man sich mittlerweile fast an das fortgesetzte Läuten gewöhnt zu haben: Nur mehr 26 Prozent fühlen sich inkommodiert.

Das Mobiltelefon hat somit in Österreich - in der Handy-Begeisterung nach Finnland in Europa an zweiter Stelle - Furore gemacht: 4,7 Millionen Österreicher (71 Prozent) besitzen ein Mobiltelefon, unter den 20- bis 24-Jährigen sind es sogar 95 Prozent. Selbst die 60- bis 69-Jährigen sind mehrheitlich Handy-Besitzer. Das wichtigste Hoffnungsgebiet für "mobilcom" sind die über 70-Jährigen. Da telefoniert derzeit nur jeder Dritte drahtlos.

Zwar passt sich das Verhalten der älteren Jahrgänge zunehmend an das der Jugend an, dennoch haben es aber die Mobilfunkbetreiber in Europa mit einem eher gesättigten Markt zu tun. Dementsprechend stagnieren derzeit die Umsätze mit Mobiltelefonen: Schätzungen von "motorola" zufolge, dem weltweit zweitgrößten Handy-Erzeuger, werden heuer 390 Millionen Geräte verkauft werden. Für das nächste Jahr rechnet Marktführer "Nokia" mit einem Anstieg: Viele Kunden würden demnächst ihre alten Geräte durch neue ersetzen.

Eine neue Generation

Diese werden eine Fülle neuer Möglichkeiten bieten: Das Handy als Mini-Computer, als Informationsquelle, als Kamera, als Allround-Gerät zur Abwicklung von Geschäften. Die nächste Generation von Mobiltelefonen soll all das bieten. In Zukunft würden Handys auch Bilder transportieren, stellt "mobilcom"-Generaldirektor Boris Nemsic fest. Die Jugend sei sehr interessiert an der neuen Technik und: "Das Problem der Sendemasten ist in den Hintergrund getreten."

Das sehen jene, die sich wegen der Nebenwirkungen der Mobiltelefonie sorgen, aber ganz anders. Elektrosmognews (www.elektrosmognews.de) wirbt derzeit intensiv um Unterschriften für den "Freiburger Appell", den bisher (Stand 15. November) 206 Ärzte unterschrieben haben. Darin weisen sie auf das gehäufte Auftreten von Blutdruckproblemen, Herzrhythmusstörungen, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern, Krebserkrankungen hin. Auch bei der Zunahme von Erscheinungen wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, chronischer Erschöpfung, die allesamt kaum zu beheben sind, vermuten sie eine Querbeziehung zu Mobilfunkanlagen, intensiver Handynutzung oder der Anschaffung von Schnurlos-Telefonen.

Bezweifelt wird, dass der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwert für die Strahlungsintensität der Mobiltelefone, der von den Geräte-Herstellern auch durchwegs eingehalten wird, ausreichend Schutz für die Benützer bietet. Diese Grenze berücksichtige nämlich nur die thermischen Wirkungen der Strahlung auf das Gewebe. Und das sei, wie die vielen anderen Erscheinungen zeigen, eben zu wenig.

Wie berechtigt diese Sorgen sind, ist nach wie vor umstritten. Daher wies Ende September ein US-Bundesgericht die 800-Millionen-Dollar-Klage eines Arztes gegen "motorola" ab. Dieser führte seinen Gehirntumor auf die Benützung eines Mobiltelefons zurück. Das Gericht befand, die wissenschaftliche Evidenz reiche nicht, um eindeutig einen Zusammenhang zwischen Mobil-Telefonie und Krebserkrankung herzustellen.

Einiges stehe jedoch fest, erklärt Wilhelm Mosgöller, Abteilungsleiter am Institut für Krebsforschung in Wien und zuständig für Fragen der biologischen Verträglichkeit elektromagnetischer Felder: Mäuse, die man im Rahmen einer Untersuchung zweimal täglich eine halbe Stunde so bestrahlte, als würden sie mit einem Handy telefonieren, zeigten eine doppelt so hohe Krebsrate wie nicht bestrahlte.

Nicht endgültig bewiesen

Und: Eine epidemiologische Untersuchung in Schweden habe bei Handy-Nutzern eine zwei- bis dreimal so hohe Rate von Gehirntumoren wie in der übrigen Bevölkerung ergeben. Festzuhalten sei jedoch, dass solche Ergebnisse die Schädlichkeit nicht hieb- und stichfest beweisen. Beim derzeitigen Stand des Wissens "können wir nicht behaupten, es sei bewiesen, dass Handys schädlich sind," ergänzt Mosgöller. Aber eine umfassende Forschung sei dringend erforderlich.

Der Tiroler Umweltmediziner Klaus Rhomberg weist auf ein großes Problem solchen Forschens hin: "Hier ist ein Problemfeld, das an die Frage Atomenergie erinnert. Es gibt kritische Wissenschafter, die Nebenwirkungen und Gefahren erkennen - aber es dauert Jahrzehnte, bis endgültig klargestellt ist, welche Folgen auftreten." Vor allem sei es schwierig, die Effekte von Elektrosmog von anderen Belastungen zu trennen. Aber: "Es gibt eine große Fülle von Indizien, dass hier eine Gefährdung vorliegt."

Univ. Prof. Michael Kundi vom Wiener Institut für Umwelthygiene weist auf solche Gefährdungen hin: Eine Studie von 2001 zeigt ein signifikantes Risiko des Auftretens von Augen-Melanomen bei häufiger Handy-Nutzung. Eindeutig sei auch der zeitliche Zusammenhang zwischen Dauer des Telefonierens und dem Auftreten von Kopfschmerzen. Aber: Jede einzelne Studie "für sich genommen lässt noch keinen Schluss auf eine gesundheitliche Gefährdung durch hochfrequente Felder des modernen Mobilfunks zu".

Unhaltbarer Zustand

Zusammenfassend hält Kundi fest ("Gesundheitliche und psychische Auswirkungen der Mobilfunktechnologie - Probleme und Grenzwertableitung", 2001): "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass eine heute milliardenfach verbreitete Technologie nicht einer einzigen Untersuchung unterzogen wurde, die den Kriterien entspricht, die für andere Expositionen heute eine Selbstverständlichkeit darstellen."

Zur Vorsicht mahnt auch das Deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): "Zur Zeit gibt es bei Einhaltung der Grenzwerte keine wissenschaftlichen Beweise für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Trotzdem hält es das BfS aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes für zweckmäßig, dass diese elektromagnetischen Felder so gering wie möglich gehalten werden. Vorsorge ist sinnvoll, weil es noch offene Fragen über die gesundheitlichen Wirkungen der Felder gibt."

Und daher empfiehlt das Bundesamt:

*Eher mit Festnetz als mit Handy telefonieren und Handy-Telefonate kurz halten.

*Nicht bei schlechtem Empfang telefonieren (die Handy-Leistung erhöht sich dann) und Handys mit möglichst geringen Feldern verwenden.

*Head-Sets verwenden, weil die Entfernung zur Antenne steigt, und SMS nutzen.

*Die Empfehlungen gelten besonders für Kinder.

Bei der enormen Beliebtheit und der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Mobiltelefonie geht es somit nicht darum, diese Technik aus unserem Alltag zu verbannen, wohl aber kontrolliert und sinnvoll mit ihr umzugehen. Besonderes Gewicht hat außerdem die Forderung, dass weniger strahlungsintensive Geräte auf den Markt kommen. Technisch sei das kein Problem, versichern die Handy-Kritiker.