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Wissen

Corona: Das große Screening

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Die Bekämpfung der Corona-Pandemie wird durch technologische Innovationen angetrieben. Neue Alarmsysteme sollen die Luft, das Abwasser und den menschlichen Körper überwachen.

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Die Bekämpfung der Corona-Pandemie wird durch technologische Innovationen angetrieben. Neue Alarmsysteme sollen die Luft, das Abwasser und den menschlichen Körper überwachen.

Die Bewältigung der Corona-­Krise ist mit der Steuerung eines Flugzeugs vergleichbar – das ist ein Bild, das Gesundheitsexperte Martin Sprenger­ gern verwendet. Jedenfalls handelt es sich um einen Langstreckenflug, und das schwierigste Stück der Strecke liegt hoffentlich bereits hinter uns. „Nach der Akut­phase gilt es jetzt, die gesamtgesellschaftlichen Aspekte ins Auge zu fassen, die gesundheitlichen und ökonomischen Folgeschäden sorgsam abzuwägen und die wachsende soziale Ungleichheit einzudämmen“, sagt Sprenger im Gespräch mit der FURCHE. „Wie feinkörnig die Überwachung jetzt sein soll, ist letztlich eine ­politische Entscheidung. Kanzler Kurz interessiert sich bei seinen Entscheidungen immer auch für die Wählermeinung. Das ist ja prinzipiell gut, wenn der Pilot wissen will, wie es den Passagieren hinten im Flugzeug geht“, so der Forscher der Public Health School der Med-Uni Graz, der am 7. April aus eigenem Antrieb aus der Corona-Taskforce der Bundesregierung ausgeschieden ist.

Aber nun erwartet er ein immer schärferes Bild des Infektionsgeschehens, auf dessen Basis regional abgestufte Maßnahmen sinnvoll erscheinen könnten. „Jetzt muss man sehr präzise steuern, und die Grundlagen für die Entscheidungen sollten transparent gemacht werden. Der Pilot sollte hin und wieder erklären, wo wir gerade sind und wie die Landung erfolgen wird.“ Der frühe Shutdown in Österreich war eine richtige Entscheidung, betont Sprenger rückblickend: „Man hat damals nicht gewusst, was mit dieser ersten Erkrankungswelle auf unser Land zukommt. Heute sehen wir den Erfolg dieser Maßnahmen; jetzt aber brauchen wir ein neues Cockpit.“

Neuartiger Sensor

Das bedeutet eine Weitung des „virologischen Tunnelblicks“, der mittlerweile oft kritisiert wird – aber ebenso die Schärfung dieses Blicks, um die Verbreitung des Virus immer genauer ins Visier nehmen zu können. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen arbeiten derzeit auf Hochtouren, um dafür neue Instrumente zu entwickeln – hier drei europäische Beispiele für technologische Ansätze: So ist es Schweizer Forschern gelungen, einen neuartigen Sensor zu entwickeln, der die ­Virenkonzentration in Echtzeit messen kann. Um das Virus in der Luft aufzuspüren, nutzt dieser Sensor einen optischen und einen thermischen Effekt. Wenn die Coronaviren an den künstlichen DNA-­Rezeptoren auf dem Sensor andocken, dann ändert sich genau dort der optische Brechungsindex – ein Phänomen, das bei metallischen Nanostrukturen zu beobachten ist.