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Gratis-Produkte und Content-Klau bringen Journalisten und Autoren um ihr geistiges Eigentum. In der digitalen Welt wird der Urheberschutz ausgehöhlt.

Nicht nur das katastrophale Jahresergebnis bewog Medientycoon Rupert Murdoch kürzlich, die Online-Nachrichten seines Verlages künftig kostenpflichtig zu machen. Auch grundsätzliche Überlegungen über den Umgang mit geistigem Eigentum stellte Murdoch an: „Eine Medienindustrie, die ihre Inhalte wegschenkt, kannibalisiert ihre Fähigkeit, gute Produkte zu liefern.“

Längst sind es nicht nur die Musik- und Filmindustrie, auch Journalisten und Autoren sehen sich zunehmend mit einer Gratis-Mentalität der Konsumenten und Content-Piraterie konfrontiert. Denn nicht überall, wo Online-Portale Nachrichtenbeiträge übernehmen oder literarische Texte zum Download angeboten werden, werden auch die Urheber der Texte vergütet. „Es ist wichtig, Information und kulturelle Werke öffentlich zugänglich zu machen, aber das heißt nicht, dass alles kostenlos sein muss. Autoren müssen von ihrer Arbeit auch leben können“, meint etwa Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren.

Dass die blanke Nachricht kein Kaufanreiz mehr ist, daran sei man in der Branche zum Teil auch selbst schuld, konstatiert Harald Knabl, Vizepräsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen VÖZ, im Hinblick auf Gratis-Zeitungen und das kostenlose Bereitstellen von Beiträgen im Netz. „Es wäre Zeit, das Gratis-Angebot im Netz einzustellen“, aber für kostenpflichtige Online-Nachrichten sei der Markt zu klein.

Alexander Mitteräcker von derstandard.at hält hingegen die häufigen Urheberrechtsvergehen von Dritten für das Hauptproblem. So öffnet das schrankenlose Internet dem unkontrollierten Übernehmen von rechtlich geschützten Texten und Bildern Tür und Tor. Problematisch sind vor allem Nachrichtenportale und Aggressoren wie Google News, die sich ungefragt aus den Artikeln der Online-Medien speisen, meist ohne diese urheberrechtlich zu entschädigen. Toleriert wird dies meist dennoch, da sie zumindest zu mehr Zugriffen auf die eigene Seite verhelfen.

Rechte-Klau und Pressespiegel ohne Lizenz

Eine große Dunkelziffer stellen auch Unternehmen dar, die digitale Pressespiegel verbreiten, ohne dafür Urheberzahlungen zu leisten. Die 2002 angelaufene Initiative des VÖZ, Pressespiegel auf eine lizenzierte Basis zu stellen, könnte indes „erfolgreicher angenommen werden“, so Knabl.

Auch Autoren stellt die Logik der freien Netkultur vor finanzielle Probleme. Die Belletristiksparte verzeichnet seit Jahren Umsatzeinbrüche im zweistelligen Bereich. Dass weniger gelesen würde, glaubt Autorenvertreter Ruiss nicht, doch „vieles wird einfach aus dem Netz heruntergesaugt statt gekauft.“ Für Aufregung sorgte vor allem Suchmaschinen-Riese Google, der für seine Buchsuche seit 2004 bislang 7 Millionen Bücher (letztendlich sollen es 15 Millionen sein) aus den Beständen zumeist amerikanischer Bibliotheken scannte, darunter eine Vielzahl von deutschsprachigen. Dass Google erst im Nachhinein um die Rechte angefragt hat, stellt für die hiesige Verwertungsgesellschaft Literarmechana „die weltweit größte Urheberrechtsverletzung“ dar. Ein nach jahrelangen Prozessen in den USA getroffener, noch nicht rechtskräftiger Vergleich sieht 60 Dollar pro gescanntem Buch und eine Beteiligung von 63 Prozent an den Gewinnen, wenn Werbeeinnahmen erzielt werden, für die Autoren vor. Dem wollen Autorenverband, Buchhandel und Literarmechana hierzulande nicht zustimmen und setzen darauf, gemeinsam mit europäischen Partnern ihre Rechte auf zu wahren. Ob Google gegen EU-Urheberrecht verstößt, ist unklar, da über die europäischen Zugänge laut Google derzeit nur Werke abrufbar seien, deren Nutzungsrechte bereits geklärt sind.

Themen für eine parlamentarische Enquete zum geistigen Eigentum, von Nationalratspräsidentin Prammer bereits angekündigt, gibt es daher genug: Die betroffenen Branchen fordern klare Regelungen zur effektiveren Umsetzung des Urheberrechts.

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