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Dämonen der Freiheit

Brexit - © Foto: APA / AFP / Andy Buchanan
Politik

Scheidung auf Schottisch

1945 1960 1980 2000 2020

Die Schotten haben 2014 gegen die Unabhängigkeit gestimmt und für Europa. Nun sehen sich viele in einem Königreich gefangen, das den Brexit um jeden Preis riskiert. Gäbe es einen Ausweg?

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Die Schotten haben 2014 gegen die Unabhängigkeit gestimmt und für Europa. Nun sehen sich viele in einem Königreich gefangen, das den Brexit um jeden Preis riskiert. Gäbe es einen Ausweg?

Schottland, das war einmal der Traum von der Unabhängigkeit. Heute ist es das Trauma des bevorstehenden Brexit. „Das ganze Land versinkt im Chaos“, fasst Ian McCoy (Name von der Redaktion geändert) die Lage aus seiner Sicht zusammen. Er ist Taxifahrer in Inverness, der größten Stadt in den schottischen Highlands, und wie viele hier bekennender Brexit-Gegner. Der Brexit als schwerwiegender Fehler – das empfinden viele Briten so, besonders aber die Schotten.

Sie stimmten beim Referendum 2016 mit 62 Prozent klar für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Nordirland teilte diese Meinung, England und Wales waren allerdings für den EU-Austritt. Seitdem kommt Großbritannien nicht zur Ruhe, der Brexit verkommt immer mehr zu einer politischen Tragödie. Viele Schottinnen und Schotten bereuen mittlerweile ihre Entscheidung, im Jahr 2014 – also zwei Jahre vor dem Brexit-Referendum – gegen die Unabhängigkeit Schottlands gestimmt zu haben.

Denn wäre Schottland unabhängig, müsste man den Brexit nicht mittragen. Erst wenige Wochen zuvor, so erzählt McCoy, sei er in London gewesen sei und habe dort hautnah die Proteste gegen den EU-Austritt miterlebt. „Als sie 2016 für den Austritt gestimmt haben, war den Menschen von vielen Politikern gesagt worden: ‚Das ist eine einmalige Chance, durch den Brexit wird sich alles für euch verbessern.‘“ Vor allem die Älteren hätten sich davon beeinflussen lassen – eine wichtige Parallele zwischen dem Brexit-Referendum und dem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands, wie McCoy findet.

„Auch 2014 hatten viele ältere Leute Angst. Denn einige Politiker meinten damals, durch die Unabhängigkeit Schottlands könnten die Menschen das Recht auf ihre Pensionen verlieren.“ Letzten Endes stimmte die Mehrheit der älteren Generation gegen die Unabhängigkeit Schottlands: Laut der „Scottish Referendum Study“ waren es rund 60 Prozent der 60- bis 70-jährigen und ganze 67 Prozent der Über70-jährigen Schottinnen und Schotten.

Remain und Exit in Schottland

Beim Brexit-Referendum zwei Jahre später waren es dann erneut die älteren Menschen, die größtenteils einer Meinung waren: Sie befürworteten den Austritt Großbritanniens aus der EU am deutlichsten. Während 73 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gegen den Brexit stimmten, waren Briten ab 45 Jahren mehrheitlich für den Austritt. Vor allem bei den Über-65-Jährigen zeigte sich eine deutliche Tendenz – 60 Prozent waren Pro-Brexit.