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Recht, natürlich

DISKURS
Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora - Seit 2013 ist der Innsbrucker Rechtsanwalt Ermacora Präsident des Österreichischen Alpenvereins, mit mehr als 600.000 Mitgliedern die größte Naturschutzorganisation des Landes. - © Julia Türtscher/Blickfang-Photographie

Alpenverein-Präsident Ermacora: „Manchmal auf den Putz hauen!“

1945 1960 1980 2000 2020

Naturschutz im Konsens mit Politik und Wirtschaft hat für den Alpenvereinspräsidenten Andreas Ermacora Vorrang – aber ein Drüberfahren auf Kosten der Natur gibt es nicht.

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Naturschutz im Konsens mit Politik und Wirtschaft hat für den Alpenvereinspräsidenten Andreas Ermacora Vorrang – aber ein Drüberfahren auf Kosten der Natur gibt es nicht.

Der Innsbrucker Rechtsanwalt Andreas Ermacora ist seit 2013 Präsident des Österreichischen Alpenvereins. Als Jurist und Vorsitzender des mitgliederstärksten Naturschutzvereins in Österreich ist er ein ideales Visavis für ein Gespräch über die Natur und ihre Rechte.

DIE FURCHE: Herr Ermacora, es gibt die Alpenkonvention, es gibt Nationalparkgesetze, auf EU-Ebene gibt es die „Natura 2000“-Gebiete – hat die Natur ausreichend Rechte?

Andreas Ermacora: Prinzipiell ist die Natur juristisch gut eingebettet, was nicht heißt, dass das nicht immer noch ausbaufähig ist. Ich nenne als Beispiel die Skigebietsverbindungen in Tirol. Die Landespolitik hat Formulierungen im Skigebiet- und Seilbahnprogramm belassen, die die Möglichkeit zur Erschließung neuer Geländekammern eröffnen. Das geht sicherlich in die falsche Richtung. Der Alpenverein setzt sich für ein Moratorium ein, damit man zehn Jahre lang nur mehr innerhalb der vorhandenen Grenzen tätig werden darf. Bei den Skigebietserschließungen ist für uns ein Ende der Fahnenstange erreicht. Auch das Bundesverwaltungsgericht und der Verwaltungsgerichtshof sehen die Frage der Naturerschließung heute kritischer als früher.

DIE FURCHE: Wie hat sich die Sichtweise verändert?

Ermacora: Um heute eine Seilbahn bauen zu dürfen, muss für die Skigebietsbetreiber eine absolute wirtschaftliche Notwendigkeit bestehen; besteht diese nicht, und das ist sehr restriktiv auszulegen, dann ist der Natur der Vorzug zu geben. Nicht glücklich sind wir mit den Kraftwerksplänen. Natürlich ist Wasserkraft notwendig, und es werden auch viele Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben. Wenn aber in unberührte Natur eingedrungen wird, müssen wir dagegenhalten – leider wird da oft der Wasserwirtschaft der Vorzug gegeben. Wo wir absolut Probleme haben, ist bei der Windkraft auf Bergen. Da muss wirklich geschaut werden, dass die Unversehrtheit der Landschaft und der Aussicht Vorrang hat. Das ist eine Verschandelung der Landschaft sondergleichen.

DIE FURCHE: Wobei Sie in Ihren Stellungnahmen betonen, als Alpenverein keine „grünen Fundamentalverweigerer“ zu sein, sondern den Konsens zu suchen – ist der immer möglich, ohne dass es im Zweifelsfall auf Kosten der Natur geht?

Ermacora: Das muss man immer im Einzelfall sehen. Manchmal, Beispiel Skigebietserschließungen, ist es notwendig, vehement aufzutreten. Ich bin mehr ein Verfechter des konsensuellen als des fundamentalistischen Weges, aber manchmal muss man auch auf den Putz hauen – das ist schon klar! Insgesamt fährt man meiner Meinung nach besser, wenn man als Partner und nicht nur als Totalverhinderer angesehen wird. Und ich glaube, wir sind bis jetzt gut damit gefahren.

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