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Einfacher leben? Einfach leben?

Sicherlich, man könnte sich auf einen alten, renovierten Bauernhof zurückziehen und die eigenen Kartoffeln züchten. Eine feine Sache: die Kinder wachsen in guter Luft auf, und das selbstgezogene Gemüse ist biologisch einwandfrei. Man lebt einfach, bescheiden und ohne große Ansprüche.

Die Sache hat nur einen Haken: Man kann sie leider nicht verallgemeinern. Wollte so gut wie jeder diese Lebensform wählen, würde unsere Wirtschaft sofort zusammenbrechen. Also gilt in diesem Fall „einfacher leben“ wieder nur als Privileg für einige wenige.

Sicherlich, man könnte sich auch abkapseln, könnte sich zumachen vor der Medienwelt: keine Beeinflussung durch Zeitungen, keine geistige Ausrichtung durch ZiB 1 und „Club 2“ ... „Einfacher leben“ heißt hier reduzierter, einseitig leben und sich die heile Welt vormachen: konzentriert auf Familie und/oder Beruf, aber auch da abgenabelt von der Realität der Umwelt - man lebt sein kleines Leben und nennt es „einfach“.

In unserer heutigen Konsum-, Einweg- und Wegwerfgesellschaft wird immer deutlicher der Ruf nach Einfachheit, Besinnung, Aufbau echter Beziehungen laut. Die genannten Beispiele sind nur als Zeichen dafür gedacht,

daß wir es mit dem „einfacheren Leben“ gar nicht so einfach haben. Es ist zu wenig, dem entfliehen zu wollen, was sich meiner Ansicht nach als die beiden größten Plagen für einen weltbewußten und dem Leben zugewandten Menschen darstellt: dem Konsum- und Medienzwang.

Beidem ist der Mensch täglich aufs neue ausgesetzt, und die Wirkung ist der der chinesischen Tropfenfolter nicht unähnlich. Wie gesagt, Flucht ist keine Lösung. Wie aber kann man sich vor dem Virus der Krankheit unseres und des letzten Jahrzehnts, des Konsumatismus, bewahren und wie die ersten auftretenden Symptome - Bedürfnis nach immer mehr Besitz,

daraus resultierend Neid auf den Besitz anderer, ein Glied dieser Kette greift ins andere - bewältigen?

Viele möchten gern einfacher ieben, manche haben sich vielleicht vorgenommen, in der Adventzeit darüber nachzudenken, und festgestellt, daß wieder einmal die Vorweihnachtszeit die hektischeste Zeit im Jahr ist, in dem der Gedanke an das einfache Leben in einer Ecke ein trübes und unbeachtetes Dasein fristet.

Trotzdem: Kein Grund zur Resignation. Irgendwann sind alle Geschenke eingekauft, eingepackt und verteilt, irgendwann alle Festmähler gekocht und aufgegessen, irgendwann alle Weihnachtslieder gesungen

und der Christbaum geschmückt und wieder geplündert.

Dann nehmen Sie sich doch einmal Zeit, den. Gedanken „einfacher leben“ abzustauben und vor sich hinzustellen!

Eine kurze Formel als Denkanstoß: „Einfacher leben“ ist gleich „einfach leben“, das heißt bewußt und gelassen leben, sich der Gefahren der Manipulation von außen wohl bewußt sein, aber ihnen zwar teilweise Bedeutung, aber geringe Wichtigkeit beimessen.

Dem Leben nicht nachrennen, sondern es kommen lassen, aufschauen, abwägen, aufnehmen oder weglegen; sich jedem neuen Tag und seinen Anforderungen

stellen, sich ihnen aber nicht ausliefern.

„Einfach leben“ wird dann einfach, wenn wir um die Geborgenheit in Gott wissen. Wie sind geborgen in seinen Händen, und wenn wir fallen, so nur von einer Hand Gottes in die andere. Er hält uns und trägt uns. In diesem Wissen kann uns das einfache Leben gelingen.

In diesem Bewußtsein wird uns ein Wesentliches gelingen: sich in diesem Leben an nichts zu klammern, an keinen Besitz, an keinen Menschen. Unsere Hände werden dann nicht mehr festhalten wollen, sondern offen sein zum Geben und Aufnehmen; sie werden frei sein zur Zärtlichkeit und zum Trösten, frei sein vom Wegnehmen der Sorgen anderer und zum Aufbauen dort, wo vernichtet worden ist.

Hugo von Hofmannsthal hat seine Marschallin im „Rosenkavalier“ sagen lassen: „Leicht muß man sein, mit leichtem Herz und leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen ... Die nicht so sind, die straft das Leben, und Gott erbarmt sich ihrer nicht.“

Mit leichtem Herz und leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen: dies in unser aller Stammbuch!

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Austro-Literatismus?

Selbstverständlich gibt es eine österreichische Literatur, so wie es eine österreichische Nation gibt. Aber an dem Versuch, sie zu definieren, könnte sie zugrundegehen. Diese Gefahr ist der Reiz, mit dem das Spiel lockt.

Hans Weigel und drumherum konstatierten Flucht vor der Größe, Claudio Magris ortete österreichische Mediocritas - und nun meint Zoran Konstantinovic in der FURCHE, es sei die Sprache, die den Austro-Lite-raten macht.

Dachte ich's doch schon immer, Österreichs neue Musik ist seine Literatur.

Man müßte das an treffenden Textbeispielen beweisen. Da die österreichische Literatur vorzugsweise den Germanisten Kopfzerbrechen bereitet, wären wir da ohnehin an der richtigen Adresse. Ich zweifle nicht an der Möglichkeit einer eindrucksvollen Demonstration.

Und was ist damit gewonnen? Ein Schritt näher zu der Frage, warum Österreichs Literatur die Sprache mehr als die Sache liebt, die subtile Ornamentik des Nichtinformierens, das faszinierende Versteckenspiel der Gedanken. Leben wir etwa in einer Diktatur, in der ein offenes Wort nicht ratsam ist? Oder lohnt sich ein offenes Wort einfach nicht mehr?

Ein bewußter Weg in die Wortmusik könnte der österreichischen Literatur die Funktion des moralischen Widerstandes kosten. Was bliebe, das wäre republikanische Hofpoesie als Gesellschaftsmelodie zwischen Arbeitswelt und Computer, l'art pour l'art milder Literaturpreise, Untergangs-Pop fürs Nachtprogramm.

Da pfeif ich auf übernationale Brücken.

Eduard C. Heinisch, Vöcklabruck

Novizenlatein

Zu Ihrer Glosse betreffend das deutsche Chorgebet im Stift Reichersberg möchte ich folgendes bemerken: Es stimmt keineswegs, daß die Umstellung von Latein auf Deutsch auf Wunsch der Novizen erfolgte. Das Kapitel entschied sich bereits zu einer Zeit für die Muttersprache, als die Novizen noch gar nicht im Haus waren. Was deren Lateinkenntnisse betrifft, entsprechen sie durchaus denen anderer Maturanten. Fürs

„Gaudeamus igitur“ reichen sie jedenfalls.

Dr. Gregor Schauer Novizenmeister, Reichersberg

Ja zur FURCHE

In der Nummer 46 wurde das Programm der FURCHE abgedruckt. Ich habe es mit Aufmerksamkeit gelesen und möchte der Redaktion zu dieser grundsätzlichen Darstellung meine Gratulation aussprechen. Da mir bewußt ist, daß mit Grundsätzen kaum ein Geschäft zu machen ist, begrüße ich es um so mehr, da es sich die FURCHE zur Aufgabe gesetzt hat, die Grundsätze der geistigen Strömungen, der Entwicklung und der Politik schlechthin auszuleuchten und darzustellen.

Abg. z. NR Ing. Johann Gassner Bundesvorsitzender der Christi. Gewerkschafter

Doppelter Genuß

Hier die FURCHE zu lesen, war ein doppelter Genuß und nun habe ich im Urlaub endlich die Zeit, zur jüngsten Entwicklung zu gratulieren ... Primarius Dr. Alfred Karner 3910 Zwettl, dzt. Sri Lanka

Albanien

Sehr nachdenklich stimmte mich die letzte Spalte des Albanien-Artikels (über die dortige Kirche), und ich möchte in diesen Zusammenhang auf den Abschnitt über Stephan Kurti aus Albanien in Gerd Hamburgers „Verfolgten Christen“ (S. 62 ff.) hinweisen.

Prof. Arthur Schwaiger 5760 Saalfelden

„Kirchenfürsten“

In mehreren Leserbriefen wird als Antwort auf Ihren früheren Artikel „Rebell Lefebvre sammelt Nachwuchs“ die Meinung vertreten, Erz-bischof Lefebvre könne nicht als Rebell angesehen werden. Eine Leserin nennt ihn einen „Kirchenfürst“.

Nun, sicher hat es bis zur Mitte unseres Jahrhunderts viele „Kirchenfürsten“ gegeben und es gibt auch jetzt noch Gläubige, welche diese „Kirchenfürsten“ weitgehend vermissen. Aber spätestens seit dem

Zweiten Vatikanum ist es nicht mehr möglich, zu sagen, man könne sich nicht bewußtmachen, daß heutzutage ein Mensch, der sich als „Kirchenfürst“ fühlt und daher mit Recht vom gläubigen Volk als solcher be-

zeichnet wird, als ein Rebell eigener Art erkannt werden müsse - als ein Rebell nämlich gegen den Geist Jesu, gegen den Geist der Evangelien.

Ing. Peter Ebner 1060 Wien

Landjugend und Bildung

Zu der im Leserbrief des Herrn Oberst Dr. Fischer zitierten Bil-dungsunwilligkeit der bäuerlichen Bevölkerung auf land- und forstwirtschaftlichem Gebiet kann ich nur feststellen, daß die bäuerliche Bevölkerung wesentlich bildungsfreudiger ist als jede andere Berufsgruppe in Österreich. Diese Behauptung wird durch Gespräche mit Vertretern der anderen Erwachsenenbildungsorganisationen (WIFI, BFI, Volkshochschulen, Bildungsheime usw.) immer wieder erhärtet...

In Niederösterreich haben seit Inkrafttreten der land- und forstwirtschaftlichen Berufsausbildungsordnung 1954 mehr als 22.000 Interessenten einen gesetzlichen Berufstitel in der Land- und Forstwirtschaft auf Grund einer strengen Prüfung erreicht. Es gibt fast 3000 Bäuerinnen, Bauern und Dienstnehmer in diesem Berufszweig in Niederösterreich, die eine Meisterprüfung erfolgreich abgelegt haben.

Ergänzend darf ich darauf hinweisen, daß es mit der gesetzlichen Berufsausbildung nicht getan ist. Im Rahmen der Erwachsenenbildung erfolgt in allen Bundesländern durch das Ländliche Fortbüdungsinstitut (LFI) ein umfangreiches Bildungsangebot. ..

ObLdwR. Dipl.-Ing. Rudolf Marschütz Geschäftsführer des Ländlichen Fortbildungsinstituts NÖ.

Krisenvorsorge

In allen Bereichen der Wirtschaft, ob Gewerbe, Handel oder Industrie sowie in allen Branchen und unabhängig von der Betriebsgröße (von Kleinstbetrieben abgesehen), haben die Abteilungsleiter bzw. Werkmeister eine Schlüsselfunktion... Vielleicht könnten im allgemeinen Interesse Abteilungsleiter-Clubs als neutrale Erfahrungsaustausch-Gremien eine für das anhaltende Florieren der Betriebe in der gegenwärtigen Krisensituation äußerst notwendige

Aufklärungsarbeit leisten. (Heute sind diese leider nur zum Schweigen verdammte Befehlsempfänger.)

Ignaz F. Klopf, 1190 Wien Industrie-Kaufmann

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