Frankfurter Allgemeine
Österreich-Korrespondent Reinhard Olt schreibt unter "Schwarz-blaues da capo":
Nur zu gern hätte sich die Alpenrepublik wieder einmal als die "kleine Welt" empfunden, in der ... "die große ihre Probe hält". Doch schon die anfeuernden Rufe, mit denen die Anbahnung einer schwarz-grünen Koalition zu dem beispielhaften Versuch überhöht wurde, die angeblich entzweiten Glieder ein und derselben bürgerlichen Familie wieder zusammenzuführen, klangen ziemlich hohl. [...] Bei alldem konnte die Entscheidung für Schwarz-Blau den Wählerwillen nicht unberücksichtigt lassen. Mitnichten haben sich ... die traditionellen Lager aufgelöst: Sechshunderttausend Wähler, die Schüssel von der FPÖ abzog, votierten eben nicht für die große und schon gar nicht für eine schwarz-grüne Koalition, sondern wollten über die Rückkehr zur ÖVP diese und den Kanzler stärken. [...] Im Herbst 2002 war Wählenlassen die einzig richtige Konsequenz aus den Vorgängen in der FPÖ. Wer den Grünen die Stimme gab, tat dies im bewußten Votum für Rot-Grün, gegen Schwarz-Blau und mit Bestimmtheit gegen Schwarz-Grün - woran damals niemand auch nur einen Gedanken verschwendet hätte.
Süddeutsche Zeitung
Michael Frank, für das Münchner Blatt in Wien stationiert, über "Schüssels alte, neue Freunde":
Vielfach wird nun der Verdacht laut, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hätte nur zum Schein auch mit Sozialdemokraten und Grünen geredet, die Bürger also mit alternativen Koalitionsverhandlungen genarrt. Das ist so nicht richtig. [...] Es bedurfte eher eines Überzeugungsprozesses, um Schüssels alte Präferenz für die FPÖ in der eigenen Partei plausibel zu machen: Seht her, mit den anderen geht doch nichts. [...] Die Verhandlungen haben einen Bewusstwerdungsprozess über die eigene Befindlichkeit bewirkt: Sie haben der ÖVP selbst offenbart, wie weit sie in dem Bündnis mit der FPÖ ideell nach rechts gerückt ist. So weit, dass alle anderen möglichen Partner zumindest vorerst inkompatibel geworden sind. Da bleibt eben nur die FPÖ.
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