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"Den Respekt vorleben“

Der Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey über den Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit in Österreich.

Der Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey engagiert sich im Personenkomitee der "Initiative Gegen Unmenschlichkeit“ und bei der Kampagne Faces for Refugees für eine faire Flüchtlingspolitik.

DIE FURCHE: Warum sind Ihnen gerade humanitäre Anliegen so wichtig?

Manuel Rubey: Der Rechtsruck im Land macht es notwendig, dagegenzuhalten und dem Alltagsrassismus etwas entgegen zu setzen. Ich kann mich schwer damit abfinden, was in diesem Land salonfähig ist - Beispiel Martin Graf im Parlament. Zum Thema Flüchtlinge: ich finde Grenzen an sich einfach absurd. Hier geboren worden zu sein, ist doch keine Leistung - ein Wort, das ÖVP und FPÖ ja gerne hervorheben.

DIE FURCHE: Würden Sie sich als politischen Menschen bezeichnen?

Rubey: Ja, auf jeden Fall! Ich finde, dass unsere Demokratie in Gefahr ist, was in erster Linie an den Ausführenden liegt - aber auch das Volk darf sich nicht zu sehr aus der Verantwortung stehlen. Parteipolitik interessiert mich weniger; ich finde es wichtiger, Haltung zu entwickeln und politisch zu denken. Begonnen hat dieses Denken schon in meiner Jugend, z.B. beim Lichtermeer oder im Integrationshaus von Willi Resetarits, für das wir in der Schule bei Theaterstücken und Kabarett Geld gesammelt haben.

DIE FURCHE: Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern vermitteln?

Rubey: Was man sicherlich vorleben kann, ist Respekt und Selbstbestimmung. Ich kann diese Werte meinen Kindern aber nur anbieten; wohin sich diese kleinen Menschen hin entwickeln, steht wohl nur bedingt in unserer Macht. Meine ältere Tochter geht in eine öffentliche Volksschule im 15. Bezirk, der ja einen relativ hohen Migrantenanteil hat, und das klappt sehr gut. Ich will nicht alles nur schönreden - aber Probleme gibt es überall, in jeder Konstellation.

DIE FURCHE: Wie bewerten Sie die Nationalratswahl vom 29. September?

Rubey: Ich finde es furchtbar, dass die rechten Parteien zusammen um die 30 Prozent erreicht haben und noch furchtbarer, dass es von der VP in ihrem Eifer der Machterhaltung keine Abgrenzung gegen rechts gibt.

DIE FURCHE: Haben Sie einen Wunsch an die Politik?

Rubey: Ich finde es vor allem wichtig, dass Familien zusammen bleiben können - wenn jemand flüchtet und seine Familie verlässt, hat das meist einen schwerwiegenden Grund. Flüchtlinge sollen sofort arbeiten und wählen dürfen und jedes Kind, das hier geboren wird, sollte automatisch die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen. Als es in Kritzendorf Hochwasser gab, wollten Asylwerber mithelfen und die Polizei dort hatte nichts Besseres zu tun, als Ausweiskontrollen durchzuführen. Hier geht es auch um Symbolik, und so etwas dürfte meiner Meinung nach nicht geduldet werden.

DIE FURCHE: Sind Sie gerne Österreicher?

Rubey: Wenn ich im Ausland bin, bekomme ich immer wieder mit, welchen Ruf unser Land hat, da fällt schon mal das Wort "Kellernazi“. Ich verspüre dann nicht einmal das Bedürfnis, das zu widerlegen - es mag ein Klischee sein, aber kein ganz falsches. Auswandern ist für mich allerdings auch keine Lösung, sondern ich setze mich lieber dafür ein, hier etwas zu verändern! Was mich erschreckt, ist, dass viele Türken oder Serben in Wien die FPÖ wählen - frei nach dem Motto "Es gibt schon so viel Hetze, also ist es vielleicht besser, wenn nicht noch mehr Ausländer kommen.“

DIE FURCHE: Glauben Sie, dass die Angst vor dem Fremden spezifisch österreichisch ist?

Rubey: Es kann schon sein, dass es dieses Denken auch in anderen Ländern gibt, aber ich kann und will ja nur das aufzeigen, was ich in meinem Land erlebe. Und wenn ich z.B. Wien mit Berlin vergleiche, dann spielt Wien ein bisschen Weltstadt und Berlin ist wirklich eine. Man sieht ja z.B. auch an der Conchita Wurst-Debatte, wie schwer es den Österreichern fällt, einen anderen Lebensentwurf als den eigenen zu akzeptieren.

DIE FURCHE: Ist es eine Option, Ihre humanitären Anliegen auch in Ihrer Arbeit zu transportieren - etwa im politischen Kabaretts?

Rubey: Ich denke, dass meine Art, Kabarett zu machen, sehr wohl politisch ist, allerdings habe ich kein Interesse daran, auf der Bühne Lösungen anzubieten. Ich bin eben lieber Kabarettist als Landeshauptmann.

DIE FURCHE: Was macht Ihnen an Ihrer Tätigkeit am meisten Spaß?

Manuel Rubey: Am befriedigendsten ist es, wenn ich mit Menschen zusammen arbeiten kann, mit denen ich auch befreundet bin - also z.B. Thomas Stipsits (Rubeys Partner bei "Triest“, Anm.) oder David Schalko (Regisseur von "Braunschlag“, Anm.). Was mir am meisten Spaß macht, ist das Drehen - meine frühesten Kindheitserinnerungen drehen sich um die Marx Brothers und Charlie Chaplin, die ich mir mit meinem Vater im Fernsehen angeschaut habe. Ich möchte allerdings auch mein Publikum nicht missen, wenn ich auf der Bühne stehe.

DIE FURCHE: Stehen Sie gerne im Rampenlicht?

Rubey: Ich vermute, dass jeder, der sich auf eine Bühne stellt, irgend etwas aufzuarbeiten hat! Denn eigentlich ist es ja absurd, sich immer wieder aufs Neue da hinauf zu stellen und dabei in Kauf zu nehmen, dass man auch scheitern kann. Wenn man kein schizophrenes Bedürfnis danach hat, muss das ja furchtbar sein. Ich mag ja diese Parallelwelt und es hilft mir sicher im Leben, dass ich mich privat ganz gut zurücknehmen kann.

Manuel Rubey

Der ehemalige Popsänger und erfolgreiche Schauspieler (2012 ausgezeichnet mit dem österreichischen Kabarettpreis) unterstützt neben seiner beruflichen Tätigkeit mehrere Projekte gegen Rechtsextremismus.

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