Ökoexperten fordern Kostenwahrheit

Am Rande des 10. Österreichischen Windsymposiums AWES diese Woche in St. Pölten, wurde eine Studie des deutschen Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) über die Kosten verschiedener Stromerzeugungstechnologien präsentiert. "Kostenwahrheit ist eine wichtige Aufgabe für die Marktwirtschaft“, sagt FÖS-Präsident Anselm Görres. "Die Koordination der Märkte erfolgt über Preise. Es ist fatal, wenn diese nicht die Wahrheit sagen.“

Die Studie erstellt eine Zeitreihe der direkten und indirekten staatlichen Förderungen verschiedener Energieträger für die Stromerzeugung. Demnach wurden im betrachteten Zeitraum erneuerbare Energie mit 2,2 Cent pro Kilowattstunde gefördert, Braunkohle mit 1,2 Cent, Steinkohle mit 3,2 Cent und Atomstrom mit 4,1 Cent.

In einem weiteren Schritt errechneten die Autoren die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung für jeden Energieträger. Dafür addierten sie zu Strompreis und Förderungen noch externe Kosten. So ergeben sich Werte von 7,6 Cent pro Kilowattstunde für Windstrom, 6,5 für Strom aus Wasserkraft, 12,1 Cent für Kohle, 12,8 Cent für Atomstrom und 46,5 Cent für Fotovoltaik. Die tatsächlichen externen Kosten für Atomenergie lassen sich nicht seriös schätzen, merken die Autoren an. Denn dafür müssten Wahrscheinlichkeit und Folgekosten eines AKW-Unfalls miteinbezogen werden. Diesbezügliche Schätzungen ergeben eine Bandbreite von 0,1 Cent bis 270 Cent. In der Studie wurde deshalb mit dem Wert von Braunkohle (7,9 Cent pro Kilowattstunde) gerechnet. In Wirklichkeit seien die Kosten wohl höher.

Bald Ausgleich bei den Kostenvorteilen?

Die Studie bezieht sich auf Deutschland. "Für Österreich existiert keine entsprechende Untersuchung“, bemängelt IG Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl. Trotzdem hätten die Ergebnisse auch hier Relevanz, da ein erheblicher Anteil des österreichischen Stromhandels an der Leipziger Strombörse EEX abgewickelt wird. "Somit haben die deutschen Förderungen Einfluss auf den Strompreis in Österreich.“

Eine zweite Studie liefert der Ökobranche ebenfalls Argumente für den Ausbau erneuerbarer Energien. So hat die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), den Einfluss des Ölpreises auf den Strompreis untersucht. "Es zeigt sich, dass der Strompreis mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten dem Ölpreis nachzieht“, so Michael Cerveny, Leiter des Themenbereichs Energie in der ÖGUT. Das Positive daran: weil die Kosten erneuerbarer Energie im Wesentlichen konstant bleiben, könnten diese bald konkurrenzfähig gegenüber fossilen Brennstoffen werden. (rl)

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau