Das Biopic „Golda“ über die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir zeigt unfreiwillig viele Parallelen zwischen dem Jom-Kippur-Krieg 1973 und heute. Helen Mirren gelingt einmal mehr eine oscarreife Performance.
Am 6. Oktober 2023, dem 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs, kam „Golda“, das Biopic über Israels damalige Ministerpräsidentin Golda Meir, in die britischen Kinos. Niemand ahnte, dass einen Tag später mit dem Pogrom der Hamas in Israel der Nahostkonflikt erneut weltpolitisches Thema Nummer eins werden würde.
Frau Golda Meir weigerte sich lange, doch wäre sie ihrer ganzen politischen Karriere untreu geworden, wenn sie nach mehr als 50jähriger Parteitätigkeit und nach zirka einjähriger Resignation nicht doch wieder ihr Jawort gegeben hätte, um das wichtigste Amt im Staate Israel anzunehmen. Sie steht — mindestens bis zu den Novemberwahlen — als Ministerpräsident und Nachfolger des verstorbenen Levi Eschkol an der Spitze von Israels Regierung. Sie war immer dafür, daß Funktionäre mdt 70 Jahren ihr Amt niederlegen sollen, doch dann kam eben alles anders. Um einen verfrühten Wahldisput
Aus 26 Reden, Erklärungen und Interviews, die von der heute 75jähri-gen Golda Meïr im Laufe vieler Jahre, angesichts der sich ständig verändernden politischen Verhältnisse und bei den verschiedensten Anlässen gehalten worden sind, entsteht bei der Lektüre dieses Buches das Bild einer Persönlichkeit, deren Geschlossenheit und Entschiedenheit in der sogenannten freien Welt des Westens nicht ihresgleichen hat. Im zaristischen Rußland 1898 geboren, genoß sie in den USA die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg übliche Erziehung eines College-Girl, um seit 1921 das Schicksal der Juden in
Die Gazetten Israels kommentieren die schön ordentlich verlaufenen Wahlen vom Silvester 1973 als einen „Triumph der israelischen Demokratie“; sie beweisen diese Einschätzung damit, daß überhaupt mitten im Krieg, während zumindest ein Achtel der Wähler (und ein Siebentel der jüdischen Wähler) in Uniform sind, Parlaments- und Gemeindewahlen stattfanden, an denen natürlich auch die Soldaten teilnahmen — wobei politische Propaganda in der Armee streng verboten war; sie betonen ferner, daß diese Wählerschaft „politisch reif genug“ war, um von den insgesamt 21 Wahllisten alle Sektierer sowohl der extremen Linken wie der extremen Rechten (der Liga des Raw Kahane), sowie alle Kandidaten der Jemeniten, Nordafrikaner („Schwarze und Blauweiße Panther“) abzulehnen, so daß im kommenden Parlament weniger Parteien vertreten sein werden als im verflossenen; schließlich verweisen sie darauf, daß die Wahlpropaganda diesmal besonders vornehm geführt worden sei, ohne persönliche Angriffe und ohne Verdächtigungen der gegnerischen Absichten.
„Golda Meir ist der größte Staatsmann seit Ben Gurion. Ich möchte ihr in jeder Hinsicht behilflich sein, aber unter den gegebenen Bedingungen kann ich einer Regierung der kleinen Koalition nicht beitreten“, erklärte Sicherheitsminister Mosche Dayan auf einer Tagung seiner Fraktion, auf der dieser Beschluß bestätigt wurde. Dort wurde auch das erstemal laut und offiziell der Vorschlag gemacht, eine Koalition zwischen dem rechtsradikalen Likud und dem sozialistischen Maarach-Wahlblock (bestehend aus der Arbeiterpartei und der kleinen linkssozialistischen Mapam) zu bilden. Denn, so die Begründung: „Das ist der Wille der Mehrheit des Volkes.“
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