Risikofaktor Nr. 1

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Zu hoher Blutdruck? Keine Ahnung! Zur Eindämmung der folgenschweren Hypertonie, wirbt Wien nun für Selbstmessung als Präventivmaßnahme.

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Zu hoher Blutdruck? Keine Ahnung! Zur Eindämmung der folgenschweren Hypertonie, wirbt Wien nun für Selbstmessung als Präventivmaßnahme.

Jeder fünfte Österreicher leidet an erhöhtem Blutdruck (Hypertonie). Aber nur einer von drei Betroffenen ist in Behandlung. Ein weiteres Drittel weiß über den eigenen Bluthochdruck nicht einmal Bescheid. Um diese Gruppe auf ihre Krankheit aufmerksam zu machen, wurde nun in Wien die Aktion "Bluthochdruck - na und?", gestartet. Sie will die Bevölkerung zur regelmäßigen Selbstmessung des Blutdruckes animieren. Denn das Wissen über den Risikofaktor Nummer eins für Schlaganfall, Herzinfarkt, Herz- und Nierenversagen ist in vielen Fällen lebensrettend. Denn ohne entsprechende Gegenmaßnahmen verschlechtert sich der Bluthochdruck laufend. Erkennt man aber die Krankheit rechtzeitig, lassen sich höhere Lebensqualität und Lebensjahre gewinnen.

Mit regelmäßiger Selbstmessung könnte Bluthochdruck - die häufigste Todesursache in den Industrieländern - zurückgedrängt werden. Derzeit müssen pro Jahr in Österreich rund 53.000 Menschen wegen eines Schlaganfalls und 71.000 Menschen wegen eines Herzinfarkts in Spitalsbehandlung. Beide Erscheinungen sind für etwa 50 Prozent der Todesfälle in Österreich verantwortlich.

"Bluthochdruck ist die Folge von fettreichem und salzigem Essen, von Bewegungsarmut, Streß, Nikotin sowie Alkohol und damit ein Tribut an den luxuriösen Lebensstil unserer Wohlstandsgesellschaft", warnt Professor Gerhart Hitzenberger vom Institut für Hypertoniker. Falsch wäre es demnach, den diagnostizierten Bluthochdruck nur mit Hilfe von Medikamenten zu behandeln und weiterhin einem ungesunden Lebenswandel zu frönen. Die Erkrankung sollte als Signal für eine notwendige Änderung des Lebensstils verstanden werden.

Wie gefährlich zu hoher Blutdruck sein kann, beweisen die kürzlich vom Wiener Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder veröffentlichten Zahlen über Schlaganfälle: Täglich erleiden rund zehn Wiener einen ernsten Schlaganfall, also rund 3.700 Betroffene pro Jahr. Bei 750 Menschen wird eine vorübergehende Mangeldurchblutung, die als Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall gilt, festgestellt. Schlaganfälle sind in 20 Prozent der Fälle Folge von Blutungen im Gehirn, in 80 Prozent ist eine Hirnarterie verstopft.

Wichtigster Risikofaktor für einen Schlaganfall ist nach dem Bluthochdruck die Arteriosklerose (Verkalkung), die wiederum durch erhöhte Blutzuckerwerte und Blutfette, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht gefördert werden kann.

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und der Hauptgrund für Invalidität in den westlichen Industrieländern. Jeder fünfte Betroffene stirbt nach einem Schlaganfall. 40 Prozent derer, die einen Schlaganfall erlitten haben - in Österreich rund 60.000 Menschen - leiden an dessen Folgen.

Zwar ist der größte Teil der Schlaganfallpatienten zwischen 76 und 85, aber immerhin ist jeder fünfte Patient im berufsfähigen Alter.

Meist keine Schmerzen Das Problem beim Schlaganfall ist, daß der Betroffene - anders als beim Herzinfarkt - in der Regel keine Schmerzen spürt. Der Schlaganfall wird daher oft nicht oder erst zu spät erkannt. Die wichtigsten Alarmsignale sind: * Ein taubes Gefühl auf einer Körperseite.

* Schwäche einer Körperseite, oft auch nur schwach merkbar: Betroffen sind meist zwei oder drei Körperregionen, etwa Gesicht, Arme oder Beine.

* Sprachstörungen: die Fähigkeit, Wörter und Sätze zu formulieren oder zu verstehen, ist vermindert.

* Sehstörungen: Ein Merkmal ist, daß ein Auge nur verschwommen sieht; das Sehen nach einer Seite ist gestört.

Schlaganfälle kündigen sich in der Regel meist Tage, Wochen oder sogar Monate vorher an. Dabei treten die oben beschriebenen Symptome für kurze Zeit (einige Minuten) auf. Auch in diesem Fall, so der medizinische Rat, sollte man auf jeden Fall den Arzt verständigen. Denn die Behandlung eines Schlaganfall-Patienten ist ein Wettlauf mit der Zeit: nur wenn innerhalb der ersten drei Stunden eine intensive Therapie einsetzt, bestehen für den Patienten optimale Heilungschancen.

Über die wichtigsten Symptome eines Schlaganfalls und Anweisungen für richtiges Verhalten klärt eine Broschüre auf, die unter der Wiener Telefonnummer 4000-8080 (Tonband) bestellt werden kann.

Blutdruck Bei Erwachsenen sollte der obere (systolische) Wert bei der Blutdruckmessung im Bereich zwischen 95 und 155 liegen, der untere (diastolische) zwischen 60 und 100. Der Mittelwert mehrmaliger Messungen sollte etwa 125/80 betragen. Als leicht erhöht gilt ein Blutdruckmittelwert von 145/90, und von einem mäßig erhöhten sprechen Mediziner bei einem Wert von 155/100. Stark erhöht ist der Blutdruck, wenn der Wert über 165/100 liegt.

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